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Gleich sechs europäische Topklubs werden in der kommenden Saison von neuen Trainern gelenkt. Vor allem im englischen Fußball dürfte sich einiges ändern.

Berlin. Sie gehören zu den Star-Trainern des Planeten und übernehmen standesgemäß die Creme de la Creme des europäischen Vereinsfußballs. Doch Pep Guardiola sowie fünf weitere Auserwählte erwartet kein geringerer Auftrag, als ihre neuen Topklubs zur Champions League zu führen. Und zur Meisterschaft. Und zum Pokalsieg. Nach dem "wie" fragt man sich nicht nur bei Bayern München - sondern auch in London, Madrid, Paris und Manchester. Sieht Europa gar einer (kleinen) Fußball-Revolution entgegen?

Neben Guardiola stehen Jose Mourinho (FC Chelsea), Carlo Ancelotti (Real Madrid), Laurent Blanc (Paris St. Germain), David Moyes (Manchester United) und Manuel Pellegrini (Manchester City) in der kommenden Saison unter Druck, den großen Coup zu landen. An einer modernen Spielweise - das hat spätestens das deutsche Champions-League-Finale gezeigt - kommt keiner von ihnen vorbei.

Eine Generalüberholung ist allen voran für den offensichtlich maroden englischen Fußball fällig - und dafür geeignete Restauratoren scheinen gefunden. Mourinho (50), trotz seiner umstrittenen Persönlichkeit unbestritten einer der gewieftesten Fußball-Lehrer, formulierte nach seiner Rückkehr zu Chelsea den Defiziten entsprechende Ziele: Klar, er wolle "erfolgreich sein", aber wichtiger sei es im heutigen Fußball, dem "Team eine Identität" zu geben.

Nationalspieler Andre Schürrle, der für 22 Millionen vom Bundesligisten Bayer Leverkusen kommt, könnte als "Verbindungsspieler" zur Lösung der Probleme beim (glücklichen) Europa-League-Sieger beitragen, welche typisch für den in der Entwicklung stagnierten englischen Fußball sind: Offensive und Defensive arbeiten getrennt voneinander, es wird vorrangig auf Physis und Einzelaktionen gesetzt.

Manchester City mangelte es aufgrund der klassischen Trennung vor allem an einem mannschaftlichen (Gegen-)Pressing, das in der Bundesliga längst üblich ist. Zudem verirrte sich das Team förmlich im System-Wirrwarr des Ex-Trainers Roberto Mancini. Der neue Mann, Pellegrini (59), stand bei seinem letzten Klub, dem FC Malaga, für ein hochmodernes Defensivsystem. "Wir werden attraktiv nach vorne spielen", kündigte er zudem jüngst an.

Stadtrivale ManUnited, zuletzt immerhin noch auf der Insel tonangebend, schaffte es nach Champions-League-Finaleinzügen in Serie seit zwei Jahren nicht mehr unter die besten acht Teams in Europa. Auf Trainerlegende Sir Alex Ferguson folgt Moyes (50), der 2002 den FC Everton vor dem Abstieg bewahrt hatte und die Toffees anschließend dank einer mannschaftlich geschlossenen Defensivarbeit und eines variablen Angriffsystems mehrmals ins internationale Geschäft und ins FA-Cup-Finale 2009 führte.

Keine Quantensprünge sind in Madrid, Paris und München zu erwarten; sie sind nicht notwendig. Guardiola erklärte bei seiner Vorstellung beim Champions-League-Sieger, dass er nicht allein "um des Änderns willen" Dinge ändern werde. Vermutlich wird er das intakte Spiel der Bayern an seine klare Idee vom spektakulären Offensiv-Fußball schrittweise anpassen, es jedoch nicht umwälzen.

Auch in Madrid erwartet den neuen Macher Ancelotti (54) ein funktionierendes Team. Nur Nuancen fehlen für die "Decima", den ersehnten zehnten Triumph in der Königsklasse. Der Italiener selbst hinterlässt Blanc (47) beim neureichen Pariser Klub ein Starensemble, das trotz vieler Neuzugänge gut harmonierte und im Champions-League-Viertelfinale nur unglücklich am FC Barcelona gescheitert war.

Auch bei anderen europäischen Topklubs wie dem italienischen Vize-Meister SSC Neapel (Rafael Benítez) oder Champions-League-Viertelfinalist Málaga (Bernd Schuster) übernehmen neue Leute das Ruder. Bahnbrechende Innovationen sind auch hier nicht zu erwarten - zumindest im Vergleich zur wahrscheinlichen Frischzellenkur in England. Eine (kleine) Fußball-Revolution steht wohl nur der Insel bevor.

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