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Gerhard Poschner: Wachablösung? Da wäre ich noch vorsichtig

Spanien-Experte Gerhard Poschner sieht noch keine Wachablösung Spaniens durch die Bundesliga. Dazu seien Titelgewinne nötig, aber: Die Bundesliga habe in Spanien viele Bewunderer.

Berlin. In den Halbfinal-Hinspielen der Champions League haben der FC Bayern München beim 4:0 gegen den FC Barcelona und Borussia Dortmund mit dem 4:1 über Real Madrid europaweit für Aufsehen gesorgt. Spanien-Experte und Spielerberater Gerhard Poschner will daraus noch keine europäische Wachablösung schlussfolgern, sieht aber in Spanien viel Anerkennung für die Bundesliga.

"In den Hinspielen waren die deutschen Klubs in allen Bereichen überlegen. Einen generellen Trend daraus abzulesen - da wäre ich noch vorsichtig. Um von einem Wachwechsel an der Spitze des Fußballs zu sprechen, bedarf es einer nachhaltigen Entwicklung mit entsprechenden Ergebnissen und Erfolgen", erklärte Poschner im Interview mit der Welt.

Deutscher Fußball lange "zu ignorant"

Diese Erfolge müssten in den nächsten ein, zwei Jahren geliefert werden. Allerdings betonte der 43-Jährige, der selbst ein Jahr bei Rayo Vallecano gespielt hat und von 2009 bis 2010 als Generaldirektor bei Real Saragossa tätig war: "Der deutsche Fußball hat in den vergangenen Jahren unheimlich an Spielqualität hinzugewonnen."

Physisch und mental seien deutsche Mannschaften schon immer stark gewesen, allerdings habe der deutsche Fußball zu lange nur an diesen Tugenden festgehalten. "Leider war er lange Zeit zu ignorant gegenüber internationalen Entwicklungen. Ich bin oft beschimpft worden, wenn ich in den vergangen Jahren darauf hingewiesen habe", berichtete Poschner.

Bundesliga als Vorbild für die Primera Division?

Mittlerweile habe allerdings ein radikales Umdenken stattgefunden, was auch in Spanien nicht unbemerkt geblieben ist: "Vor sieben, acht Jahren hat die Bundesliga in Spanien nicht stattgefunden, das hat niemanden interessiert. In den vergangenen Jahren haben die Spanier gemerkt, dass ein Wandel in Deutschland eingetreten ist und sie den deutschen Fußball wieder ernst nehmen müssen."

Die Bundesliga gelte bei den Spaniern was die Struktur angeht mittlerweile sogar als Vorbild für die Primera Division und sei attraktiv für spanische Spieler: "Die Stadien sind voll, die Organisation stimmt, die Liga ist spannend - das Gesamtpaket stimmt mittlerweile in Deutschland."

Trotzhaltung bei Real und Barca

Dass Barcelona und Real die hohen Niederlagen aus dem Hinspiel noch drehen können, glaubt Poschner indes nicht. Zwar sei bei Spielen "in Madrid und Barcelona immer alles möglich. Aber ob es zu Aufholjagden von Real und Barcelona kommen kann, hängt nur von den deutschen Klubs ab."

Wenn Bayern und Dortmund ihre Leistung abrufen, werde nichts mehr anbrennen, so Poschner weiter. In Spanien sei man nach den Hinspielen in der vergangenen Woche zunächst geschockt gewesen, allerdings schlage das derzeit in eine Trotzhaltung um, "nach dem Motto: Wir haben schon andere Schwierigkeiten überwunden. Wir können alles umbiegen. Die sollen erst mal kommen."

EURE MEINUNG: Hat Poschner Recht und die Medien waren nach den zwei deutschen Siegen im Hinspiel zu voreilig?

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