Goal.com-Profil: Anatoliy Tymoshchuk

Goal.com blickt mit euch gemeinsam auf die Karriere des ukrainischen Mittelfeldspielers Anatoliy Tymoshchuk, der erst kürzlich seine Unterschrift unter einen Vertrag beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München gesetzt hat. Der Ukrainer ganz exklusiv im Goal.com-Profil…

UEFA Cup: Viacheslav Malafeev and Anatoliy Tymoschuk , Zenit St Petersburg - Rangers (PA)

Von Sebastian HEIER

München. Das Gerücht über einen möglichen Wechsel von Anatoliy Tymoshchuk in Deutschlands höchste Spielklasse hielt sich bereits seit einigen Monaten und wurde im Laufe der Saison auch von Bayern-Manager Uli Hoeneß bestätigt. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann sich eine Einigung ergibt: In dieser Woche wurde es dann endlich amtlich, dass der Ukrainer zur neuen Spielzeit 2009/10 im Mittelfeld der Münchner auflaufen wird. Goal.com stellt euch den neuen Star vom FC Bayern München vor.

Kindheit und Jugend

Tymoshchuk wurde am 30. März 1979 in Luzk, eine Stadt in der nordwestlichen Ukraine, geboren. Als Jugendlicher wurde sein Interesse am Fußball durch seinen Vater gefördert, der jedoch nicht als Profi aktiv war. Das Talent seines Sohnes hat der Vater schon früh erkannt und organisierte mit Vladimir Baisarovich einen Trainer, der sich im Alter zwischen 6 und 14 Jahren um den jungen Anatoliy kümmerte. Tymoshchuk wurde bei dem lokalen Verein FC Volyn Lutsk Balljunge, zu einer Zeit als ein gewisser Oleg Luzhny auch bei diesem Klub war.

Er besuchte das Internat von Dynamo Kiew, wo er seine Fußball-Ausbildung erhielt. Als ein anderer großer Spieler, Andriy Shevchenko, in seinen letzten zwölf Monaten dort war, war Tymoshchuk in seinem achten Jahr in Kiew. Im Alter von 16 Jahren bekam Anatoliy ein Vertragsangebot von Dynamo-Präsident Gregoris Surkis, doch dieses lehnte er nach Rücksprache mit seiner Familie ab. Tymoshchuk war der Ansicht, dass seine Chancen in Kiew eher gering sind und auf einen Platz in der Reserve von Dynamo Kiew hatte der Ukrainer keine Lust.

Volyn Lutsk

Mit 16 Jahren meldete sich der FC Volyn Lutsk in Person von Manager Vitaliy Kvartsyanyi bei Tymoshchuk. Kvartsyanyi überzeugte den 16-Jährigen in seine Heimatstadt zurückzukehren und gab ihm zudem die Garantie in der ersten Mannschaft spielen zu dürfen. Tymoshchuk spielte insgesamt drei Spielzeiten bei Volyn Lutsk, doch während dieser Zeit gab es immer wieder Interesse von ausländischen Klubs. Berichten zufolge stand damals ein Wechsel zum österreichischen Klub Tirol Innsbruck kurz bevor. Zu dieser Zeit spielte Tymoshchuk noch in der Offensive als Stürmer.

Shakhtar Donetsk

Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten in der ersten Mannschaft vom FC Volyn Lutsk, erregte Tymoshchuk mehr und mehr das Interesse von größeren Klubs in der Ukraine, wie zum Beispiel den FC Chornomorets Odesa. Doch im Jahr 1997 kaufte der aufstrebende Klub Shakhtar Donetsk, unter der Kontrolle des reichsten Ukrainers Rinat Akhmetov, den 18-Jährigen für knapp 20.000 US Dollar.

Das Debüt im Trikot von Shakhtar machte Tymoshchuk im April des Jahres 1998 und traf gleich in seinem ersten Spiel beim 3:3-Unentschieden gegen Tavriya. Zwei weitere Treffer folgten gleich im nächsten Spiel gegen Chornomorets. Die große Freude weichte allerdings schneller als geglaubt der Enttäuschung, als Anatoliy eine Zeit lang in der Reserve spielen musste. Dann setzte ihn Shakhtar-Trainer Valeriy Yaremchenko zuerst als rechten Verteidiger und später im zentralen defensiven Mittelfeld ein.

Unter Anatoliy Byshovets, dem neuen Trainer von Shakhtar Donetsk, wurde die Vielseitigkeit von Tymoshchuk erneut mehrfach ausprobiert. Letztlich wurde jedoch klar, dass seine beste Position im Mittelfeld ist. Nachdem der Meistertitel innerhalb von fünf Spielzeiten nicht realisiert wurde, durfte Shakhtar in der Saison 2001/02 dann endlich den ersten Titel in der ukrainischen Meisterschaft feiern. Mit Anatoliy Tymoshchuk in der Rolle des Mannschaftskapitäns kamen in den Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 zwei weitere Meistertitel hinzu.

Die guten Leistungen in der nationalen Liga, auf der internationalen Bühne, in der Champions League, sowie in der ukrainischen Nationalmannschaft, brachten Tymoshchuk nun endgültig in die Notizblöcke großer europäischer Klubs. Der AC Florenz, Juventus Turin, AS Rom, Feyenoord Rotterdam und Celtic Glasgow waren Berichten zufolge sehr an einer Verpflichtung interessiert.

Feyenoord befand sich damals offenbar kurz vor dem Vollzug des Transfers, nachdem offizielle Vertragsverhandlungen mit Shakhtar Donetsk stattgefunden haben. Shakhtar war allerdings mit Angebot unzufrieden und die Unterzeichnung wurde nicht vollzogen. Angeblich forderte der ukrainische Klub eine Ablösesumme in Höhe von rund zehn Millionen Euro.

Zenit St Petersburg

Ein Jahr später öffnete sich für Anatoliy Tymoshchuk eine neue Tür und eine neue Alternative: Der von den Gazprom-Millionen geförderte, russische Klub Zenit St Petersburg lockte den Ukrainer und Shakhtar-Kapitän mit einer Ablösesumme von knapp 15 Millionen Euro nach Russland.

Dort erhielt Tymoshchuk erneut die Kapitänsbinde und führte „seine" neue Mannschaft gleich zu großen Erfolgen. Die erste Saison endete mit dem Triumph in der russischen Premier League, der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte war für Zenit perfekt. Der persönliche Erfolg und Auszeichnungen folgten: Anatoliy wurde von der einflussreichen Tageszeitung Sport-Express zum „Spieler der Saison" gewählt und in die Liste der 30 besten Spieler in Russland aufgenommen.

Der Glanz seiner ersten Saison bei Zenit St Petersburg wurde nur ein Jahr später vergoldet, oder besser gesagt versilbert. Zum ersten Mal in der Klubgeschichte gewann der Verein einen europäischen Titel. Die Russen besiegten den deutschen Rekordmeister FC Bayern München im Halbfinale des UEFA-Cups. Der Weg zum Finale nach Manchester war frei und dort wurde dann das Endspiel gegen die Glasgow Rangers gewonnen.

Zenit St Petersburg spielte zum Teil beeindruckenden Fußball und setzte sich im Finale verdient mit 2:0 gegen die Schotten durch. Tymoshchuk durfte als Kapitän der Mannschaft die Trophäe im City of Manchester Stadium als erster in den englischen Nachthimmel stemmen.

Im August des letzten Jahres durfte der 29-Jährige noch einmal europäisches Silber in den Händen halten. Im Finale des europäischen Supercups (UEFA-Supercup) setzte sich Zenit St Petersburg gegen den Champions League-Sieger Manchester United durch.

Internationale Karriere

Tymoshchuk hat sein Debüt im Dress der ukrainischen Nationalmannschaft im April 2000 gegeben. Damals spielte die Ukraine gegen Bulgarien. Er war ein Hauptbestandteil und eine wichtige Stütze der Mannschaft, bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006. Tymoshchuk stand bei der WM in Deutschland jede Minute auf dem Feld und absolvierte alle fünf Partien für die Ukraine.

Anatoliy schaffte mit der Nationalelf bei der ersten Turnierteilnahme den Einzug in das Viertelfinale, wo allerdings nach einer 0:3-Niederlage gegen Italien Schluss war.

Schon gewusst?

Tymoshchuk sammelt Fußballtrikots und hat bereits eine Sammlung von über 150 Trikots. Er hat sogar schon einmal Lothar Matthäus bei einer Auktion überboten, als es um ein Trikot von Zinedine Zidane ging.

In seiner Zeit bei Shakhtar Donetsk trug der Ukrainer eine Kapitänsbinde in den Deutschland-Farben – Ein Original von Lothar Matthäus, der diese zuvor trug.

Eure Meinung: Wird sich Anatoliy Tymoshchuk beim FC Bayern München durchsetzen? Was haltet ihr von dem Ukrainer?

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