Das Goal.com-Zeugnis für Fenerbahce SK

Der aktuelle Meister durchläuft eine sehr schwere Zeit. Sportlich sieht es jedoch nicht schlecht aus – das Zeugnis von Goal.com.

Von Tayfun Gökdal

Alex de Souza (Fenerbahce)
unknown

Verein: Fenerbahce

Süper Lig: Platz zwei

Pokal: Start in der dritten Runde

Zielsetzung: Der Erfolgsdruck bei den Istanbuler Klubs ist traditionell immens groß. Auch nach dem spannenden und erfolgreichen Meisterschaftsrennen im Vorjahr lautet das Ziel für Fenerbahce nichts anderes: Der Meisterschaftstitel soll verteidigt werden.

Liga & Pokal – Note: noch gut (2-)

Der Ausschluss aus der Champions League, ausgelöst durch die Verbindung des Fener-Präsidenten Aziz Yildirim im Betrugsskandal, half Fenerbahce, sich auf die Meisterschaft zu konzentrieren. Fenerbahce setzte seine Siegesserie der Vorsaison fort und blieb die ersten neun Spiele ohne Niederlage, der Abstand auf den Erzrivalen Galatasaray betrug vier Punkte. Doch seit der 0:2-Niederlage in Sivas am zehnten Spieltag offenbarten sich Schwächen des Meisters, die vorher nicht zu sehen war. Mehrfach lässt Fenerbahce Punkte liegen auswärts Punkte liegen, mit der 1:3-Niederlage bei Galatasaray war das Team von Trainer Aykut Kocaman noch gut bedient und die Tabellenführung war weg. Die Mannschaft zeigte die richtige Reaktion mit den Siegen in Bursa und gegen Trabzonspor, doch der Punktverlust bei Antalyaspor  und das erschreckend schwache Spiel, das Fenerbahce über Wochen hinweg zeigte, drückte die Stimmung bei allen Beteiligten. Der Abstand zum Tabellenführer Galatasaray beträgt jedoch nur zwei Punkte, die Playoff-Spiele stehen auch noch an – kein Grund zur Panik, aber eine Leistungssteigerung ist dringend nötig.

Unterhaltung – noch ausreichend (4-)

Das Spiel von Fenerbahce ist wenig spektakulär, deutliche Siege gab es nicht. Effizienz und spielerische Überlegenheit waren die Tugenden, die das Team auszeichneten. Doch zum Ende der Hinrunde vernachlässigten ihre positiven Eigenschaften, die Partien wurden überwiegend kampfbetonend und vor dem Tor fehlte die Kaltschnäuzigkeit. Ohne ihren brasilianischen Kapitän Alex de Souza ist die Mannschaft nur halb so gut, zu abhängig ist man von der Gunst des 34-jährigen Brasilianers.

Transfermarkt – befriedigend

Die fixen Neuzugänge:

Keine

Die fixen Abgänge:

Keine

In Verhandlungen mit:

Mittelfeld: Alper Potuk (20, Türkei) von Eskisehirspor für fünf Millionen €

Mittelfeld: Özgür Cek (20, Türkei) von MKE Ankaragücü, ablösefrei

Wunschkandidaten:

Mittelfeld: Milos Krasic (27, Serbien) von Juventus Turin

Sturm: Moussa Sow (25, Senegal) vom OSC Lille

Sturm: Alecsandro (30, Brasilien) von Vasco da Gama

Wackelkanditaten:

Mittelfeld: Issiar Dia (24, Senegal)

Bewertung:

Fenerbahce hatte schwerwiegende Abgänge zu verkraften. Bedingt durch die fehlenden Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben sah man sich gezwungen, Publikumsliebling Diego Lugano (zum PSG), Mamadou Niang (nach Katar) und Andre Santos (FC Arsenal) abzugeben. Mit Sezer Öztürk (Eskisehirspor) und Orhan Sam (Genclerbirligi) verstärkte man die Breite des Kaders, beide konnten bisher aber nicht überzeugen. Serdar Kesimal  (vorher Kayserispor) stopft nun nach anfänglicher Verletzungsphase erfolgreich das Abwehr-Loch und ist neben dem Nigerianer Yoseph Yobo gesetzt, vor allem weil auch Bilica sich mehrfach dicke Aussetzer leistete. Der von Juvetus Turin geliehene Schweizer Reto Ziegler konnte nach kurzer EIngewöhnugszeit volle Leistung erbringen, wodurch er Santos auf der linken Abwehrseite kaum vermissen ließ. Absoluter Flop ist der Stürmer Henri Bienvenu (von BSC Young Boys, Schweiz), der für sagenhafte vier Millionen Euro kam, aber zu keinem Zeitpunkt gute Leistung zeigte und nur vier Tore schoß. In den Partien glänzte er mit Harmlosigkeit und ließ mehrfach Großchancen liegen. Nun trauert man den abgewanderten Emmanuelle Emenike nach, der von Karabükspor kam und den Verein sofort wieder, ohne ein Pflichtspiel absolviert zu haben, gen Russland verließ. Dass Fenerbahce in der Winterpause auf der Suche nach einem guten Stürmer ist, erklärt sich von selbst.

Trainer & Umfeld: noch sehr gut (1-)

Der aktuelle Meister steht, aufgrund der Verwicklung des Präsidenten Aziz Yildirim in den Manipulationsfall, ständig in den Schlagzeilen und veröffentlicht regelmäßig Erklärungen zu den Vorwürfen, dabei meiden die Verantwortlichen keine Konflikte mit dem türkischen Verband TFF und der UEFA. Zwischenzeitlich wollte man sogar vor Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen, jedoch blieb dieses Vorhaben ohne Erfolg. Die ganzen Anschuldigungen und die Überzeugung unschuldig zu sein, vereinigte die ganze Fener-Gemeinschaft. Das Stadion ist regelmäßig voll, Merchandising und Werbung des Vereins brachten dem Verein wertvolles Geld, um den Klub wettbewerbsfähig zu halten. Die Unterstützung der Fener-Fans ist immens, sei es auf oder neben den Rängen. Und auch die Mannschaft präsentiert sich als Einheit, der Trainer Aykut Kocaman schwört dem Verein Treue und stärkt Spielern und Verantwortlichen stets den Rücken.

Gesamtnote: noch gut (2-)

Sportlich gibt es noch Luft nach oben, die Meisterschaft ist noch lange nicht vorbei. Das Team hat durchaus Potenzial und kann mehr als es zum Hinrunden-Ende gezeigt hat, auch wenn die Mannschaft nicht die gleichwertige Klasse hat wie in der vergangenen Saison. Schafft es Fenerbahce insbesondere einen Angreifer mit Qualität zu verpflichten, der das Stürmer-Problem löst, und die Auswärtsschwäche einzudämmen, wird es im Kampf um den Liga-Titel spannend werden und die Titelverteidigung greifbar nah sein.

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