Türkei: Galatasaray vs. Fenerbahce - Eine Derby-Nachlese

Eigentlich ist in Derbys stets eine Unmenge an Gift - gerade wenn es seitens Galatasaray oder Besiktas gegen Fenerbahce geht. Setzt ein Umdenken durch den Manipulationsskandal ein?

Von Christian Ehrhardt

STSL: Johan Elmander, Galatasaray-Fenerbahce
Galatasaray SK
Istanbul. Eigentlich ist man es gewohnt, dass vor, während und nach einem Istanbuler Derby mit Beteiligung von Fenerbahce Istanbul viel Gift verspritzt wird. Ganz unabhängig vom Ergebnis. Doch nach diesem 369. Derby war irgendwie alles anders. Nicht nur, dass Galatsaray Istanbul erstmals seit April 2008 wieder ein Derby gegen der Erzrivalen und türkischen Rekordmeister der Süper Lig gewinnen konnte, sondern auch die Tonlage war von allen Beteiligten erstaunlich entspannt.

Fenerbahce bedankt sich bei Galatasaray-Offiziellen

Auf Betreiben der Offiziellen von Galatasaray Istanbul gab es ein gemeinsames Essen zwischen den Verantwortlichen beider Clubs. Fener bedankt sich auf der Vereins-Homepage für diese wirklich freundliche Geste und lobt die Gesamtorganisation des Rivalen aus Istanbul. So habe man sich vorzüglich und freundschaftlich um die Vereinsführung, Spieler und Angehörige von Fenerbahce gekümmert. Auch dass Fatih Terim im Derby-Vorfeld ein intesives Gespräch mit Aykut Kocaman führte, fand lobenswerte Beachtung.

Großzügige Vereinsführung von Galatasaray

Normalerweise ist die Prämienregelung bei Galatasaray wie folgt geregelt: 5.000 Dollar für einen Heimsieg, 7.000 Dollar für einen Auswärtssieg und 15.000 Dollar für einen Derbysieg. Abdurrahim Albayrak, Vorstandsmitglied von Gala, war jedoch vom Sieg und der spielerischen wie auch taktischen Vorstellung seiner Mannschaft so angetan, dass für diesen Derbysieg 25.000 Dollar Siegprämie pro Nase heraus sprangen. Ein wirklich nettes Zubrot so kurz vor dem Jahreswechsel.

Kein einziger türkischer Torschütze beim 369. Derby


Nicht nur, dass alle drei Torschützen auf Seiten von Galatasaray Derby-Debütanten gewesen sind, sondern in diesem Derby konnte sich nicht ein türkischer Spieler in die Liste der Torschützen eintragen. Eboue ist Ivorer, Elmander Schwede, Melo und Alex sind Brasilianer. Dabei wäre es neben dem Derbysieg ein gutes Zeichen gewesen, hätte nach der Nationalelfpleite gegen Kroatien auch ein türkischer Spieler punkten können. Hoffen wir in dieser Hinsicht einfach auf das kommende Derby.

Pressestimmen aus der Türkei sprechen von einem einseitigen Derby

Der einhellige Tenor der Presselandschaft in der Türkei lautet, dass es selten so ein einseitiges Derby gegeben habe. Bisher sei es Usus gewesen, dass eine gute und eine bessere Mannschaft das Titanen-Derby bestreite. In diesem Sonderfall sei es allerdings so gewesen, dass eine sehr gute Mannschaft, Galatsaray, eine sehr schlechte Mannschaft, Fenerbahce, geschlagen habe. Selbst wenn die Ergebnisse vergangener Derbyspiele höher als in diesem Jahr ausgefallen seien, hätte immer noch ein gutes gegen ein besseres Team gespielt und wäre am Ende unterlegen gewesen.

Taktik von Fatih Terim wird über den grünen Klee gelobt

Als Vater des Erfolges wird auch und vor allen Dingen, neben den Torschützen, Fatih Terim, der Trainerfuchs, in der türkischen Presselandschaft gefeiert. Terim sei es gelungen, seine Mannschaft taktisch so gut einzustellen, dass es Kocaman und seinem Team nie gelungen sei, eine passende Gegenantwort zu finden. Weil Terims Taktik auch durch die Aufstellung nicht zu lesen gewesen sei, habe Fenerbahce das Spiel eigentlich schon vor dem Anpfiff bereits verloren gehabt.

Simples "Geheimrezept" von Fatih Terim

Terim wusste um die Abwehrschwäche von Fenerbahce, die immer wieder in den letzten Spielen zu Tage trat. So war seine Taktik darauf ausgerichtet, mit Baros und Elmander zum Torerfolg zu kommen. Um mit der Offensivausrichtung kein Risiko einzugehen, baute Terim auf seinen 4er-Mittelfeldblock, in welchem Colak, dessen Aufstellung sich im Vorfeld nicht abzeichnete, eine hervorragende Rolle spielte. Trainerfuchs Terim hat gezeigt, wie durch seine sehr effektive Taktik und Aufstellung Fenerbahce nicht nur zu besiegen, sondern regelrecht in die Knie zu zwingen war.

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