Raul Bobadilla: „Ich führe hier das Leben eines Prinzen“

Der Argentinier sprach in einem Interview über seinen Weg aus der Armut über die Schweiz in die Bundesliga und warum er nun wieder in der Alpenrepublik kickt.

Von Fabian Zahner

Raul Bobadilla trifft für die Borussia gegen Hoffenheim (Getty Images)
Bern. Raul Bobadilla verließ in der Wintertransferperiode Borussia Mönchengladbach und heuerte in der schweizerischen Hauptstadt bei den Young Boys Bern an. Bei den Gelb-Schwarzen will der bullige Stürmer Erfolg haben und endlich wieder mehr spielen.

Glücklich neue Länder kennenzulernen

An Europa stört Bobadilla vor allem die Kälte und der Schnee im Winter. Er vermisst die Wärme seiner Familie und seiner Freunde. Jedoch schätzt er, dass er neue Länder kennenlernen und einen ganz anderen Lebensstandard führen kann, als er dies aus seiner Kindheit in Argentinien gewöhnt ist. „Ich führe das Leben eines Prinzen. Da soll man sich übers Klima nicht beschweren. Argentinien ist für mich ein Ferienland,“ sagte der Stürmer gegenüber Blick.ch. Der letzte Winter in Deutschland hatte ihm besonders zugesetzt, wie er anfügte: „Da hat es nur geschneit, gewindet - grauenhaft!“

Nerven nicht immer unter Kontrolle

Dass bei ihm aber nicht einmal die sibirische Kälte dafür sorgt cool zu bleiben, haben die Gladbacher Fans letzte Saison miterlebt. Im Spiel gegen Hannover leistete er sich eine Tätlichkeit an Sergio Pinto, was ihm fünf Spiele Sperre, eine Busse von 50000 Euro und sogar kurzzeitig eine Verbannung aus der ersten Mannschaft einbrachte. Bobadilla gibt zu, dass es ihm nicht immer gelingt, die Emotionen im Griff zu haben: „Ich versuche, auf zehn zu zählen, bevor ich reagiere. Auf ein Foul, einen Schiedsrichterpfiff. Das gelingt nicht immer. Mein Spiel lebt von den Emotionen. Ich hasse es, zu verlieren!“

„Zu klein und zu schwach für Boca Juniors"

Schon als Kind sei er weinend vom Platz gelaufen, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen lief. Seine Eltern unterstützten ihn aber, wo sie nur konnten - beispielsweise fuhr „Boba“ täglich zweieinhalb Stunden durch Buenos Aires und wieder zurück, um am Training seines Vereins teilzunehmen. Die Talentsucher von Boca Juniors wurden schnell auf den kräftigen Offensivspieler aufmerksam und er durfte ins Probetraining, welches es erfolgreich absolvierte. Als er 13 Jahre alt war, wurde ihm gesagt, dass er zu klein und zu schwach für Boca sei und er spielte aus Enttäuschung fast ein Jahr lang kein Fußball mehr.

Siegestor im „Superclasico“ der Junioren

Bobadilla kickte danach also wieder mit seinen Freunden und wechselte nach einem Jahr bei den Defensores de Belgrano zu River Plate - dem Erzrivalen der Boca Juniors. Dort spielte seine Körpergröße keine Rolle mehr und er blühte so richtig auf und erzielte viele Tore. Eine ganz besondere Geschichte ereignete sich im „Superclasico“ bei den Junioren. Im Spiel zwischen River und Boca schoss er das Siegestor und feierte es ausgiebig. Ein Reporter fragte ihn nach der Partie, weshalb er nach seinem Treffer so sehr ausflippte und seine Antwort lautete: „Weil ich eigentlich Boca-Fan bin, aber die wollten mich ja nicht!“ Dies sei ein Fehler gewesen, da ihm die Kollegen danach eine Woche lang keinen Ball mehr zugespielt hätten.

Komplett neues Umfeld in Europa

Mit 17 Jahren wechselte der junge Stürmer dann erstmals ins Ausland, genauer in die zweithöchste Liga in der Schweiz zu Concordia Basel. Bobadilla gibt zu: „Ich wusste nicht, welche Sprache man in Basel spricht, wie das Niveau des Schweizer Fußballs sein würde. Ich ging einfach, (...) weil es der Traum jedes argentinischen Fußballers ist, in Europa zu spielen!“ Er sei von der Infrastruktur und der Organisation begeistert gewesen. Im ersten Jahr habe er sehr oft Heimweh gehabt, doch seine Eltern hätten ihm gesagt, dass er bleiben solle. Nach seiner Debütsaison in welcher er in 28 Spielen 18 Mal einnetzte, war er bereit für den Schritt in die höchste Spielklasse. Der Rekordmeister Grasshopper Club Zürich verpflichtete ihn und auch dort schoss er Tore am Fließband. Im Sommer 2009 wechselte er nach zwei Jahren bei den „Hoppers“ in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach, wo er allerdings nie richtig den Tritt fand.

„Ich will unbedingt wieder spielen“

Der Entscheid zugunsten seines neuen Klubs fiel, weil die Young Boys sich am meisten um ihn bemüht haben. Er sei nicht wegen Lucien Favre von Gladbach weggegangen, sondern weil er unbedingt wieder spielen möchte. Den Wechsel in die Schweiz sieht er auch nicht als Rückschritt: „Es ist eine neue Chance in meiner Karriere. YB hat Tradition, YB hat Ambitionen.“ Ob er in Bern auch so ein ausschweifendes Nachtleben genießen kann, wie zuvor bei Gladbach, ist nicht sicher. Einmal wurde ihm nach einer Kneipentour der Führerschein entzogen. Bobadilla weiß, dass er Fehler begangen hat und dafür büßen musste.

Eure Meinung: Kann „Boba“ in Bern wieder seine Topform erreichen?



 
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