Blickpunkt Schweiz: Darum klappte es mit dem U-17-Triumph

Die Goldjungs der U-17-Weltmeisterschaft kommen aus der Schweiz. Die Junioren sicherten sich mit einem 1:0-Finalsieg über Gastgeber Nigeria den wohl größten Triumph der Verbandsgeschichte. Vor mehr als 60.000 Zuschauern in Abuja war es der Treffer von Haris Seferovic in der 63. Minute, der den Außenseiter zum Sieger machte. Doch warum war diese Mannschaft so erfolgreich?

Die ganze Schweiz im EM-Fieber
Von Sebastian HEIER

Zürich.
„Das ist der glücklichste Tag in meinem Leben. Es ist das Größte, was ich je erlebt habe“, erklärte Torhüter Benjamin Siegrist nach dem wohl größten Triumph in der Schweizer Verbandshistorie. Mit 1:0 setzte sich die Schweizer U-17-Auswahl im Finale gegen den hochgehandelten Favoriten und Gastgeber Nigeria durch. Den ersten WM-Titel in der 114-jährigen Verbandsgeschichte machte der Treffer durch Haris Seferovic möglich.

„Die ganze Schweiz kann stolz sein auf diese jungen Fußballer. Sie haben bei nicht einfachen Bedingungen einen sensationellen Erfolg erzielt“, gab sich auch Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld höchst erfreut. Brasilien, Italien und der dreimalige Weltmeister Nigeria wurden auf dem Weg zum Titelgewinn besiegt. Die schwierigen klimatischen Bedingungen mit subtropischer Hitze wurden vergessen gemacht.

Keine finanziellen Mittel - Konzept der Jugend

Es ist vor allem der goldene Jahrgang 1992, der für viel Furore sorgte. Alle Schweizer Akteure wurden genau in diesem Jahr geboren, bis auf eine Ausnahme: Der Jüngste im Team, Sead Hajrovic, erblickte 1993 das Licht der Welt. Die Erfolgsgeschichte rund um den Schweizer Juniorenfußball hat jedoch auch noch einen ganz anderen Hintergrund. Finanziell sind die Klubs der Schweizer Profiliga, der Axpo Super League, nicht so gut aufgestellt, sodass vermehrt auf das Konzept der Jugend gesetzt wird – mit Erfolg! Teure Stars können nicht verpflichtet, weil vor allem die ausländische Konkurrenz zahlungskräftiger ist.

Die großen Ausbildungsstädte Basel und Zürich

Die Schweizer Profiklubs investieren daher größere Summen in die Jugend und in den Nachwuchs. Der Schweizer Meister FC Zürich, sowie der FC Basel und die Grasshopper Zürich, gehen dabei als große Vorbilder voran.  15 von insgesamt 21 Spieler des U-17-WM-Kaders durchliefen die Schule von einem der drei genannten Klubs. Neun Akteure aus der Startelf des Endspiels genossen sogar ihre Ausbildung in Zürich oder Basel. Das Nachwuchskonzept des Schweizer Fußballs scheint aufzugehen und die Investitionen scheinen sich auszuzahlen. Die Erschaffung von professionellen Ausbildungszentren tut ihr übriges dafür.

Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit

Noch vor sieben Jahren holte die U-17-Auswahl den Europameisterschaftstitel in Dänemark, mit dabei waren unter anderem Tranquillo Barnetta und Arsenal-Verteidiger Philippe Senderos. Das Jahr 2002 war somit ein „Hallo Wach“-Gefühl für den Schweizer Fußball. Der Triumph aus diesem Jahr dürfte die Fußball-Stimmung im Land noch einmal anheben. War es 2002 noch eine starke Defensive, die den Titelerfolg perfekt machte, kamen sieben Jahre später auch die Stärken in der Offensive hinzu. Die beiden Grasshopper-Spieler Haris Seferovic und Nassim Ben Khalifa erzielten bei der diesjährigen U-17-Weltmeisterschaft zusammen neun Turniertreffer. Die Nachwuchsarbeit der Eidgenossen hat sich den Schwächen anpasst und die Junioren gezielt geformt –nur so war der wohl größte Triumph der Verbandsgeschichte machbar.
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