„Dem Fußball sein Zuhause“ - Fußball, Currywurst und Tagebau

Das Buch „Dem Fußball sein Zuhause“ des Bochumer Autors Ben Redelings ist eine Liebeserklärung an das Ruhrgebiet, den Fußball und Kicker mit großen Nasenlöchern. 190 Seiten Unterhaltung vom Feinsten!

Huub Stevens und Johan de Kock beim Bau der Arena AufSchalke (Goal.com)
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Helmstedt, 11. Juni 1949: Russische Soldaten kontrollieren an der deutsch-deutschen Zonengrenze einen Kohlenzug aus dem Ruhrgebiet. Einer der Heizer erregt ihr besonderes Interesse: rußschwarz im Gesicht, keine Ausweispapiere, dafür auffallend lange Beine. "Du Fußballer Michailow! Du weiterfahren!", zeigen sich die Grenzer ungewöhnlich kulant. Der Mann mit der Kohlenschaufel in der Hand ist kein geringerer als Max "die Spinne" Michallek, Mittelläufer der Borussia aus Dortmund. Vergeblich hatte sein Team am Morgen am Bahnhof auf den bekennenden Langschläfer gewartet. Notgedrungen macht es sich schließlich ohne ihn auf den Weg zu einem Vorrundenspiel um die deutsche Meisterschaft gegen den BSV 92 Berlin. Doch Michallek, durch und durch Ruhrpott-Junge, löst das Problem auf seine Weise: Er heuert bei einem der Kohlenzüge in Richtung Berlin als Hilfsheizer an, schaufelt das Bahnticket in Naturalien ab, steht pünktlich zum Anpfiff auf dem Platz und erzielt dann noch locker zwei Tore beim 5:0-Sieg seiner Borussia.

Dies ist nur eine von unzähligen Fußballgeschichten, die man sich bis heute in den Kneipen des Ruhrpotts erzählt. Für sein Buch "Dem Fußball sein Zuhause - Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1" hat "Mr. Ruhrgebietsfußball" Ben Redelings diese Anekdoten gesammelt und in 47 Kurzgeschichten auf 190 Seiten veröffentlicht. Sie reichen von Friedel Rauschs Playboysammlung bis hin zu Peter Neururers Elefanten-Unterwäsche. Langweilig wird es nie, Redelings Pointen sind treffsicher und die Zitate schön gewählt. So erkannte schon der Trainer Adi Preißler lange vor Einführung des Nasenpflasters: "Ein Fußballer ohne große Nasenlöcher kann nichts werden. Sonst kriegt die Lunge nicht genug Luft."

Aber auch persönlichen Erinnerungen an seine Jugend und den Fußball im Revier beschreibt Redelings mit viel Augenzwinkern und Witz: "Du elende radioaktive Scheiße. Gib mir die Kraft des Unbesiegbaren. Ich will werden wie Diego Armando Maradona!" So steht Redelings Jugendfreund "Kutte" 1986 im sauren Regen und schlägt sich dabei mit beiden Fäusten auf den Brustkorb, während im fernen Tschernobyl ein Atomreaktor brennt. Es hat nicht sollen sein. Anfang der neunziger Jahre kämpft "Kutte" stattdessen als Möchtegern-Hooligan des VfL Bochum mit New Balance-Schuhen und Blue- System Jeans auf der Bochumer Polizeiwache mit den Tränen. Schluchzend fleht er den Wachtmeister an, doch bitte seine Eltern nichts von der Leuchtmunition zu erzählen, die er zuvor in den Nachthimmel geschossen hatte.

Vorsicht, Suchtgefahr! Jede einzelne Kurzgeschichte ist lesenswert und macht es dem Leser von Seite zu Seite schwerer das Buch aus der Hand zu legen. Was Herbert Grönemeyers Lied "Bochum" für den VfL ist, das ist "Dem Fußball sein Zuhause" für den Ruhrpott: Eine Liebeserklärung an die Heimat und ihre Helden! Wer sich selbst ein Bild von Ben Redelings Entertainerqualitäten machen möchte, dem sei ein Besuch bei einer der bundesweiten Lesungen wärmstens ans Herz gelegt(Termine unter www.scudettoblog.de), alle anderen sollten das Buch schleunigst für 9,90 Euro beim Buchhändler des Vertrauens erwerben. Fußballunterhaltung vom Allerfeinsten!

Ben Redelings
Dem Fußball sein Zuhause- Pöhlen Pils und Pokale entlang der B1
190 Seiten, 9,90 Euro
www.scudettoblog.de
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