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Elf Meisterschaften in 13 Jahren – Kann irgendjemand Ibrahimovic stoppen?

Am Freitag startet PSG gegen Reims in die neue Saison. Mit dem Schweden an der Spitze des Kaders sieht der französische Meister schon wie der sichere Sieger aus.

KOMMENTAR
Von Miles Chambers

Er kam, er sah, er siegte. Zlatan Ibrahimovic hat in Frankreich alle Erwartungen an seine Fähigkeiten als Superstar übertroffen, als er Paris Saint-Germain in überragender Manier zu zwei Meisterschaften in Folge führte. Er war in beiden Spielzeiten der Spieler des Jahres und Torschützenkönig in der Ligue 1, ohne Anzeichen von drohendem Qualitätsverlust zu zeigen.

Jean-Pierre Papin, Europas Fußballer des Jahres von 1991, sagte kurz nach der Ankunft des Schweden bei PSG, er spiele im Vergleich zu den anderen Akteuren der Liga wie "von einem anderen Planeten".

Herausragende Torausbeute

Seine Ausbeute von 76 Toren in 92 Spielen für die Parisien ist herausragend und seine Angewohnheit, den Sommer als Meister zu verbringen ist auch nichts Neues. In den letzten 13 Jahren gewann er erstaunliche elfmal den Ligatitel.

Zugegeben, seine Titel mit Juventus Turin wurden im Zuge des Calciopoli-Skandals aberkannt, doch statistisch gesehen hat er seine Teams öfter an die Tabellenspitze geschossen als jeder andere Spieler der Moderne.

Einzig Ryan Giggs, der mit manchester United in der Premier League 13 Mal den Titel holte, und Real-Madrid-Legende Francisco Gento, der mit den Königlichen zwölf Meisterschaften holte, könnten Ibrahimovic Paroli bieten.

"Er hat etwas Besonderes"

"Ich liebe es, wie Ibra spielt", bricht es aus dem ehemaligen Kroatien-Star Aljosa Asanovic gegenüber Goal heraus. "Er hat etwas Besonderes. Einen Balkan-Einfluss in seinem Charakter. Der macht ihn wahrscheinlich besser als andere große Spieler vor ihm."

Falls Ibrahimovic seinen Vertrag bis 2016 erfüllen sollte, gibt es wohl niemanden, der dagegen wetten würde, dass der Schwede seinem bereits übervollen Trophäenschrank in Frankreich weitere Erfolge hinzufügen wird.

Bis vor kurzem war die Ligue 1 noch eine abwechslungsreiche Liga, mit sechs verschiedenen Meistern in sechs Jahren zwischen 2007/08 und 2012/13. Die Triumphe der Parisien könnten jedoch zu einer ähnlichen Serie führen, wie sie Frankreich bereits Anfang 2000 mit Olympique Lyon erlebte, als der Klub um Superstar Juninho sieben Meisterschaften nacheinander einfuhr.

Die Herausforderer haben derzeit schon Probleme, dem Primus auch nur nahe zu kommen.

"Kulturelle Revolution" bei Marseille

Olympique Marseille hat mit Marcelo Bielsa einen erfahrenen Trainer verpflichtet, der Klub-Präsident Vincent Labrune dazu veranlasste, eine "kulturelle Revolution" einzuleiten. Der Verkauf von Topstar Mathieu Valbuena dürfte diesem Unterfangen jedoch nicht wirklich geholfen haben.

Saint-Etienne und Lyon haben als Vierter und Fünfter der letzten Saison immerhin Plätze im Europacup sichern können, sahen jedoch zu keinem Moment so aus, als wären sie in der Lage, einen Angriff auf die Meisterschaft starten zu können. Es wäre ein große Überraschung, sollten sie dazu in der anstehenden Saison in der Lage sein.

Lille beendete das letzte Jahr als Dritter und wird versuchen, den zweiten Titel in fünf Jahren zu erringen - die klare Außenseiterrolle ist allerdings nicht zu leugnen. Die Youngster Divock Origi und Marcos Lopes sind die großen Hoffnungsträger.

Monacos Finanzquelle versiegt

Zum Leid des neutralen Zuschauers scheint die Zeit des AS Monaco als "Herausforderer in Lauerstellung" nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Sie mögen im letzten Sommer noch große Summen auf dem Transfermarkt ausgegeben haben, doch scheint die Quelle dieses Geldes langsam versiegt.

Der Verlust von WM-Star James Rodriguez war ein schwerer Schlag für die Ambitionen der Monegassen. Dazu ist es nicht unwahrscheinlich, dass Radamel Falcao den gleichen Weg bestreitet und Monaco noch in dieser Transferperiode verlässt. Der kolumbianische Stürmer ist der einzige Spieler, der Ibrahimovic in Sachen Klasse, Qualität und Konstanz das Wasser reichen kann. Sollten sie ihn verlieren, kann Monaco gleich die weiße Fahne hissen.

PSG hat indes die besten Spieler halten können und trotz FIFA-Strafe im Zuge des Financial Fairplay kräftig auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Für 50 Millionen Euro wurde Chelsea-Verteidiger David Luiz nach Paris gelotst. Coach Laurent Blanc wird zudem hoffen, dass Edinson Cavani aus dem Schatten von Ibrahimovic heraustreten kann, so hoffnungslos die Aufgabe auch scheinen mag.

Zlatans omnipräsente Bedeutung

Ibrahimovics Gegner werden sicher gehofft haben, dass seine Klasse über den Sommer abgenommen und er seine Übersicht sowie seinen Elan verloren haben könnte. Sein siegbringender Auftritt mit zwei Toren in der Trophee des Princes gegen Guinkamp hat am letzten Wochenende jedoch das Gegenteil bewiesen. Es war ein deutliches Zeichen, seiner omnipräsenten Bedeutung.

Der ehemalige französische Kaiser, Napoleon Bonaparte, mag vielleicht gesagt haben, unmöglich sei "ein Wort, das nur von Idioten in Wörterbüchern gefunden werden kann", aber der Satz könnte genauso gut von Zlatan höchstpersönlich stammen.

Er mag zwar keine Armee kommandieren oder eine Krone tragen - lasst ihn nicht auf dumme Ideen kommen - aber Ibrahimovic wird auf absehbare Zeit der Kaiser des französischen Fußballs bleiben.

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