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Es war eine schwierige Saison für den Top-Stürmer. Er bangt noch um die WM und was anschließend passiert, wissen nur sein Berater und sein milliardenschwerer Klubboss.

Was also bringt er, der Sommer für Radamel Falcao? Wer die Transfergerüchte regelmäßig verfolgt, der mag nun wahrscheinlich antworten: "Nun ja, er könnte bei der Weltmeisterschaft spielen. Das war es dann aber auch." Im Falle anderer Weltklassespieler, die sich nach einer schweren Knieverletung im Aufbautraining befinden, dürfte das zutreffen. Aber nicht bei Falcao.

Der kolumbianische Stürmer ist Mittelpunkt eines brisanten Wirtschaftsgeflechts. Er ist Klient von Jorge Mendes, vermutlich der Top-Spielerberater der Welt (je nachdem, wie man "top" definiert). Seine Transferrechte liegen bei der immer einflussreicher werdenden Investmentgruppe Doyen Sports. Und er spielt für den Klub von Dmitry Rybolovlev, der gerade im Rahmen der teuersten Scheidung aller Zeiten dazu verdonnert wurde, seiner Ex-Frau rund drei Milliarden Euro zu zahlen. Falcaos Zukunft hängt also von diesen drei mächtigen Parteien ab, die womöglich jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen.

Dreht Rybolovlev den Geldhahn zu?

Im letzten Sommer hatte der damalige Aufsteiger AS Monaco heftig investiert. Unter anderem wurden Joao Moutinho, James Rodriguez, Eric Abidal, Geoffrey Kondogbia und Falcao verpflichtet. Allein Falcao kostete mehr als 50 Millionen Euro Ablöse. Rybolovlevs langfristiger Plan war es, die Ausgaben langfristig herunterzuschrauben. Je nachdem, wie der Rechtsstreit mit seiner Ex-Frau vor einem Schweizer Gericht nun endgültig ausgeht, könnte dies schneller umgesetzt werden als ursprünglich angedacht.

Suleyman Kerimov, der russische Geschäftsmann, der Rybolovlev 2010 zu noch größerem Reichtum verhalf, entschied sich im Vorjahr dazu, seines teuersten Spieler bei Anzhi Makhachkala zu verscherbeln. Zuvor hatte er 260 Millionen Euro in den Klub investiert. Anzhi ist mittlerweile Schlusslicht der russischen Premier Liga.

Noch gibt es keine Anzeichen dafür, wie Rybolovlev auf den Verlust der Hälfte seines Vermögens samt Ski-Resorts in der Schweiz reagieren wird. Aber sollte er beim Fußball sparen wollen, wäre Falcao mit seinem Jahresgehalt in Höhe von 18 Millionen Euro gewiss ein verlockendes Objekt.

Mendes will stets das Beste für seine Schützlinge und er wird die Situation gewiss aufmerksam beobachten. Fairerweise muss man aber auch sagen: Falls Mendes oder Doyen Falcao zu einem anderen Klub lotsen wollten, dann wüssten wir das vermutlich bereits.

Real-Spekulationen sind verstummt

Nehmen wir zum Beispiel Leandro Damiao. Doyen kaufte seine Transferrechte und fädelte einen Wechsel von Internacional zu Santos ein. Die Investmentgruppe tut alles dafür, dass der gute Ruf des Angreifers in Europa erhalten bleibt, trotz dessen desaströser Form in den vergangenen 18 Monaten. Es mag ein Zufall sein, aber plötzlich wurde Damiao mit einem wenig plausiblen Wechsel zu Atletico Madrid in Verbindung gebracht. Mendes' Agentur Gestifute berät drei Atletico-Spieler und auch Trainer Diego Simeone. Ähnlich ist es beim FC Porto, wo Falcao und zahlreiche weitere Spieler von Mendes und Doyen sich einen Namen machten.

William Carvalho war plötzlich ein Kandidat bei Manchester United, kurz nachdem der Sporting-Mittelfeldspieler von Mendes und Doyen unter Vertrag genommen worden war. Angeblich absolvierte Mendes sogar einen Antrittsbesuch bei Uniteds neuer Führungsriege. Die alte kannte er bereits gut, immerhin hatte er Cristiano Ronaldo, Nani, Anderson und Bebe an den Rekordmeister vermittelt. David de Gea ist aktuell ein Gestifute-Klient.

Und natürlich ist Falcao sowohl mit Gestifute als auch Doyen verbunden. Damit ist er auch das prominenteste Beispiel für die kontroverse Debatte um dritte Parteien als Anteilseigner an Fußballspielern.

Als er überraschend im vergangenen Sommer von Atletico in die Ligue Un wechselte, gingen viele Beoabchter davon aus, dass er nach kurzer Zeit zurück in die spanische Hauptstadt wechseln sollte, um bei Real Madrid anzuheuern. Präsident Florentino Perez nahm im letzten Jahr an einem Treffen mit Mendes und Rybolovlev teil. Doch diese Spur ist mittlerweile erkaltet. Genauso wie alle anderen Spuren auch, so scheint es.

 

Stand jetzt wird es zunächst keinen Wechsel Falcaos geben. Schlagzeilen dieser Art kann er aber im Moment auch nicht brauchen, denn er liefert sich einen Wettlauf mit der Zeit um seine WM-Teilnahme und Ablenkung wäre da wenig förderlich.

Seitdem er sich im Pokalspiel gegen Monts d'Or Azergues im Januar sein Kreuzband riss, ist er allein darauf fokussiert, rechtzeitig für die Weltmeisterschaft fit zu werden.


                    Heilende Hände | Noronha (in der Mitte links) und Mendes (in der Mitte rechts) an Falcaos Seite

Jose Carlos Noronha ist einer der renommiertesten Sportmediziner der Welt und ein Vertrauter von Mendes. Er wurde mit der Aufgabe betraut, den Torjäger für die WM-Endrunde fit zu bekommen. Der Arzt sprach sogar mit Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos über diese Personalie: "Er sagte mir, dass ich ihm die Wahlen gewinnen könne, falls es mir gelänge, Falcao für die WM fit zu kriegen."

Noronha hat mehrfach seine Spitzenklasse bewiesen und er gilt als Experte dafür, Spieler nach schweren Knieoperationen früh zurück auf den Rasen zu führen. In Kolumbien hoffen sie, dass es ihm erneut gelingt.

"Und den Rest erledigt Gestifute"

Doch die Zeit drängt, es sind nur noch etwa drei Wochen bis zum Turnierstart. Falcao ist Teil von Jose Pekermanns vorläufigem 30 Mann starken Kader. Aber um es unter die letzten 23 zu schaffen, muss er seine Fitness noch unter Beweis stellen.

Für den Fall, dass Mendes oder Doyen einen Transfer nach der WM anstreben, dann ist es übrigens auch unwahrscheinlich, dass Falcao von diesen Plänen weiß. Cristiano Ronaldo meinte einmal über Mendes Arbeitsweise: "Er sagt mir, ich solle mich nur auf den Fußball konzentrieren. Und den Rest erledigt Gestifute."

Eine Ablöse unter den im letzten Jahr von Monaco gezahlten 50 Millionen Euro wäre ein schlechter Deal für den Klub, vor allem mit Blick auf das Financial Fair Play.

Falcao mag im Moment nicht der heißeste Name auf dem Transfermarkt sein, doch das muss noch nichts heißen.

Er erreicht die Weltmeisterschaft im besten Fußballeralter, aber sicher nicht in seiner besten Form. Er arbeitet mit Firmen, die unglaublich gut darin sind, die Interessen ihrer Spieler zu verteidigen. Und er spielt für einen Milliardär, der dabei ist, sein Königreich zu verlieren. Sicher zu sagen, dass in diesem Sommer nichts passiert, ist einfach nicht möglich.

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