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„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt das Zwischenzeugnis der Hinrunde aus. Heute ist Paris Saint-Germain dran!

Verein: Paris Saint-Germain
Ligue 1: Platz 1
Coupe de la Ligue: Im Viertelfinale ausgeschieden
Champions League: Achtelfinale

Zielsetzung: Die Ansprüche der katarischen Besitzer um Nasser al Khelaifi sind enorm. Während der Gewinn der Meisterschaft in der Ligue 1 als selbstverständlich angesehen wird, träumt man in Paris bereits vom Champions-League-Triumph. Mit Nebensächlichkeiten wie der Coupe de la Ligue will man sich dagegen gar nicht erst abgeben.

LIGA & POKAL: noch gut (2-)

Nach einem sehr behäbigen und teilweise wirklich enttäuschenden Saisonstart bekam Paris im Dezember endlich die Kurve, gewann ab dem 2. Dezember jedes seiner vier Ligaspiele, ohne dabei ein einziges Gegentor zu kassieren und holte sich schließlich auch die Herbstmeisterschaft.

Allerdings steht man in der Tabelle bei weitem nicht so dominant da wie erhofft und erwartet. Nur dank des besseren Torverhältnisses ist man vor Olympique Lyon und Olympique Marseille derzeit Erster. Vor allem die ersten drei sieglosen Spiele als auch vereinzelte Niederlagen wie gegen Rennes, Saint-Etienne oder Nice trübten die Stimmung in Paris zwischenzeitlich sehr. Dem Anspruch, die Liga so zu dominieren, wie es Bayern München oder der FC Barcelona tun, wurde man noch nicht gerecht.

Weniger dramatisch sieht man in Paris dagegen das Ausscheiden im Ligapokal, nach verlorenem Elfmeterschießen gegen Saint-Etienne. So sollen die Klubbosse sich viel mehr darüber aufgeregt haben, dass Coach Ancelotti in diesem vermeintlich nutzlosen Wettbewerb überhaupt die erste Elf auf den Platz schickte.

Der andere Pokalwettbewerb, die Coupe de France, beginnt für die Erstligateams in Frankreich traditionell erst im Januar.

CHAMPIONS LEAGUE: sehr gut (1)

Zufriedener sind die Vereinsbosse mit dem bisherigen Abschneiden in der Champions League. So setzte man sich nicht nur als Gruppensieger der Gruppe A gegen den FC Porto, Dynamo Kiew und Dinamo Zagreb durch, sondern war auch gruppenübergreifend das erfolgreichste Team der Champions-League-Gruppenphase, mit 15 Punkten, noch vor dem FC Bayern, dem FC Barcelona oder Borussia Dortmund. Im Achtelfinale wartet mit dem FC Valencia nun zudem ein machbarer Gegner.



UNTERHALTUNG: gut (2)

PSG-Spiele waren in der Liga-Hinrunde zumeist nicht nur mediale Top-Spiele, sondern boten auch immer wieder gute Unterhaltung. Die 1:2-Heimniederlage gegen Stade Rennes war beispielsweise das vielleicht dramatischste und spannendste Spiel der gesamten Hinrunde, da Rennes aufopferungsvoll mit neun Mann eine gesamte Halbzeit lang die Führung verteidigte. Aber auch Spiele wie der Saisonauftakt gegen Lorient (2:2) boten dem Zuschauer gute Unterhaltung. Richtig miese Auftritte gab es zudem selten, auch wenn PSG in der Mitte der Hinrunde eine kleine minimalistische Phase hatte, als man gegen Vereine wie Reims oder Nancy nur das Nötigste zeigte und jeweils mit 1:0 gewann.

Die diversen Geschichten rund herum machten dies jedoch wieder wett. So beispielsweise Leonardos Tirade gegen die Schiedsrichter und den Ligaverband nach dem 1:1 gegen HSC Montpellier im französischen Fernsehen oder auch die Aufnahme von Zlatan Ibrahimovic in die französische Popkultur, welcher sogar seine eigene Handpuppe in der berüchtigten Satiresendung "Les Guignols" bekam.



TRANSFERMARKT: sehr gut (1)

Die Transferaktivitäten sind letztlich die Erklärung für einen Großteil der Entwicklungen in der Pariser Hinrunde. Fehlte zunächst teilweise die Eingespieltheit, waren es zugleich Neuzugänge, die meist den Unterschied machten. Allen voran natürlich Zlatan Ibrahimovic, im Sommer vom AC Mailand verpflichtet. Mit einer überragenden Quote von 18 Toren in 16 Ligaspielen rettete der Schwede sein Team mehr als nur einmal vor einem Punktverlust. Während seiner zwischenzeitlichen Sperre holte PSG nur vier Punkte aus drei Spielen. Ohne "Ibra" wäre man nun sicher nicht Herbstmeister. Mittlerweile ist der Schwede auch in der Mannschaft integriert, nachdem er anfangs auffällig oft von seinen Mitspielern auf dem Platz ignoriert wurde.

Nicht sofort einsatzbereit, aber dann doch extrem stark waren zudem Thiago Silva und Ezequiel Lavezzi. Silva übernahm direkt die Kapitänsbinde von Christophe Jallet und führt die beste Abwehr der Liga an, Lavezzi, zunächst lange verletzt und dann gesperrt, brachte dem Pariser Spiel im Dezember die bis dato lang vermisste Flexibilität und Angriffskraft und war ein Garant für die zuletzt sehr positive Entwicklung der Mannschaft.

Weniger überzeugend dagegen der noch etwas übereifrige Marco Verratti und der bisher einzige wirkliche Transfer-Flop der Saison, Gregory van der Wiel, welcher kaum überzeugen konnte.

Im Winter stößt nun noch das brasilianische Talent Lucas Moura zum Team. Dieser wird aber voraussichtlich einiges an Eingewöhnungszeit benötigen.



TRAINER & UMFELD: befriedigend (3)

Trainer Carlo Ancelotti stand lange Zeit vor allem medial in der Kritik. Zwar gelang es ihm gut, die diversen Egos und möglichen Konflikte innerhalb der Mannschaft zu managen und zu beruhigen, taktisch dagegen wurde Ancelotti sehr häufig Ahnungslosigkeit und ein mangelndes Konzept vorgeworfen. Das System wurde selten der Spielsituation angepasst, generell wirkte Ancelotti taktisch ziemlich planlos, sodass gerade im ersten Saisondrittel häufig Einzelaktionen von Zlatan Ibrahimovic den Unterschied machen musste.

Mittlerweile scheint der Italiener aber seine erste Elf und sein bevorzugtes System gefunden zu haben und lässt Paris seit dem Comeback von Ezequiel Lavezzi auch offensiver agieren.

Im Umfeld rumorte es immer mal wieder etwas, wenn auch nie auf dramatische Weise. Leonardo legte sich vereinzelt mit Lyons Boss Jean-Michel Aulas an, Nene murrte aufgrund mangelnder Einsatzzeit, Javier Pastore sehnte sich nach Italien zurück und Pläne, das Vereinslogo zu verändern erzürnten die Fans. Insgesamt blieb es aber vergleichsweise ruhig, auch wenn das Medieninteresse an PSG so groß ist wie nie.

DER STAR
DER ARBEITER
DER UNZUFRIEDENE


GESAMTNOTE: gut (2)

Insgesamt ist die Lage in Paris hervorragend. Sportlich ist man auf dem besten Wege zur ersten Meisterschaft seit 19 Jahren und hat auch in der Champions League gute Chancen, weit zu kommen. Finanziell kann zudem jederzeit ohne Hemmungen nachgerüstet werden.

Allerdings sind die Erwartungshaltung und der Druck durch die rein kapitalistisch denkenden katarischen Vereinsbosse enorm, noch größer als sie es beim FC Chelsea oder gar Manchester City sind. Bei einem Misserfolg am Saisonende könnte Carlo Ancelotti vorbehaltlos entlassen werden. Doch selbst bei Zielerfüllung würde man im Vorstand wohl kaum zögern, Ancelotti rauszuschmeissen, wenn man stattdessen jemanden wie Pep Guardiola oder Jose Mourinho für den Trainerposten bekommen könnte.

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