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Nach 0:2 in der Ukraine: Franck Ribery wird zum Sündenbock abgestempelt

Der Star von Bayern München verlor mit Frankreich in der Ukraine 0:2 und steht im Rückspiel am Dienstag mächtig unter Druck.

Paris. An Superstar Franck Ribery scheiden sich in Frankreich weiter die Geister: Während der 30 Jahre alte französische Supertechniker beim FC Bayern München der ungekrönte Fußball-König, wenn nicht gar der zweite Kaiser ist, geben ihm in einer Internet-Blitzumfrage der Fachzeitschrift France Football 48 Prozent der Abstimmenden die Hauptschuld an dem 0:2 (0:0) am Freitag in Kiew gegen die Ukraine im Playoff-Hinspiel.

"Franck-reich" wird zum Sündenbock abgestempelt. Die Kritiker meinen, Ribery habe sich zu sehr unter Druck gesetzt und mehr an den Gewinn des persönlichen Titels Weltfußballer des Jahres gedacht als an die Qualifikation seines Heimatlandes.

"Alarmstufe Rot", titelte L'Equipe. Das Umfrage-Ergebnis stellt aber keine wirkliche Überraschung dar, denn Europas Fußballer des Jahres wird nach den Vorkommnissen bei der WM 2010 in Südafrika in der französischen Öffentlichkeit immer noch sehr kritisch beurteilt.

Die Grande Nation muss nun befürchten, erstmals seit 20 Jahren die WM-Teilnahme zu verpassen. Damals war bekanntlich der Bulgare Emil Kostadinow (Bayern München) der große Spielverderber für die Equipe Tricolore gewesen. Er hatte am 17. November 1993 zwei Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit das 2:1 erzielt: "Ich habe oft mit Jean-Pierre Papin, mit dem ich 1995/96 bei den Bayern das Zimmer im Trainingslager geteilt habe, über dieses Tor geredet. So ein Treffer gelingt dir bei einer Millionen Versuchen einmal, zumal der Ball neun Sekunden vorher noch im Besitz der Franzosen in unserem Strafraum war."

Ribery wirklungslos

Am Freitag wurde Ribéry von den Ukrainern weitgehend beherrscht und aus dem Spiel genommen - das Bayern-Ass (Note 4 von 10) konnte nicht wie gewohnt brillieren, gab erst in der Schlussphase seinen einzigen Torschuss ab und verschwand hinterher kommentarlos im Mannschaftsbus.

Trainer Didier Deschamps nahm seine Lichtgestalt gleich nach dem Spiel indes in Schutz: "Es gab wenige Eins-zu-Eins-Situationen, Ribery wurde fast immer gedoppelt. Natürlich wusste die Ukraine um seine Gefährlichkeit. Sie haben sehr aggressiv gegen ihn gespielt, viele Fouls begangen und die Räume eng gemacht."



Die Medien hingegen fordern von ihm, am Dienstag über sich hinauszuwachsen, mehr in die Mitte zu wechseln statt links zu kleben, häufiger zu schießen und seine Mitspieler in seinem Windschatten zu einer besseren Leistung zu zwingen, kurzum, ein Wunder zu vollbringen, denn noch nie hat eine europäische Mannschaft in einem K.o.-Spiel zur WM-Qualifikation ein 0:2 gedreht.

Ukraine wittert die große Chance

Den Führungstreffer für die Ukraine, die bisher nur einmal den Sprung zu einer WM-Endrunde (2006 in Deutschland) geschafft hatte, erzielte vor 70.000 Zuschauern in Kiew Roman Sosulja (61.). Für die Entscheidung sorgte Andrej Jarmolenko (82., Foulelfmeter). In der Nachspielzeit sah Frankreichs Laurent Koscielny die Rote (90.+1) und Ukraines Alexander Kutscher (90.+5) die Gelb-Rote Karte.

Das Spiel hatte übrigens nur eine Einschaltquote von 9,3 Millionen Zuschauern (Marktanteil für TF1: 37,5 Prozent), und das entscheidende Match am Dienstag im Stade de France von St. Denis ist noch nicht ausverkauft.

Auch Chefcoach Didier Deschamps gerät wegen seiner Aufstellung (Samir Nasri als Spielmacher) in die Kritik. Sein wenig optimistisches Fazit ("Wir müssen dran glauben. Und alle Kräfte bündeln") wirft die Frage auf, ob der Trainer nicht im Grunde schon resigniert hat, statt zu einer Trotzreaktion zu blasen.

Ex-Bayern-Profi Bixente Lizarazu formulierte in einem Beitrag für L'Equipe: "Frankreich muss kämpferischer auftreten. Das ist die Grundvoraussetzung für eine Überraschung. Aber können sie aggressiv sein und gleichzeitig kaltblütig bleiben?" Der Dienstag wird es zeigen.

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