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Seit Juni dieses Jahres ist Zdenek Zeman wieder Trainer bei der Roma. Nun sprach er über das schöne Spiel, die Bundesliga und den besten Spieler der Welt: Lionel Messi.

Rom. Zdenek Zeman ist zurück beim AS Rom, nachdem er letzte Saison mit Pescara Calcio den Aufstieg in die Seria A geschafft hat. Das Trainer-Urgestein ist eine wahre Persönlichkeit mit einer Auffassung von Fußball, die heute nicht mehr viele seiner Kollegen teilen. Es geht um das schöne Spiel, die Leistung auf dem Platz, die er wichtiger einschätzt als das Resultat, das er gar „zufällig“ nennt.

Zeman, der 1947 in Prag geboren wurde, ist 1969 zu seinem Onkel nach Palermo gezogen. „Es bedeutete nicht nur geografische Distanz, sondern eine andere Lebensart. Italiener leben den Moment – heute regnet es, machen wir’s vielleicht morgen, denn da scheint die Sonne. Wir Tschechen sind organisierter und ändern unsere Ideen nicht oft von einem Tag auf den anderen“, sagt Zeman im Interview mit dem Kicker. 1975 nahm er die italienische Staatsbürgerschaft an und trainierte seit 1981 beinahe zwanzig verschiedene Teams, darunter Lazio Rom, nun zum zweiten Mal die Roma, Fenerbahce, Napoli und Lecce. „Ich fühle mich nach über 40 Jahren hier als Italiener, denke aber wie ein Prager – nicht so konfus.“

In Bezug auf den Fußball, den er spielen lässt, hat ihn die Zeit ebenfalls etwas gelehrt: Das 4-3-3 verspricht die meiste Perfektion.  „Meiner Ansicht nach gibt es keine funktionalere Geometrie, um alle Räume auf dem Feld abzudecken. Deshalb suche ich stets Spieler, die meinem System nützlich sind, und nicht ein System für irgendeinen Star.“ Allgemein fügt hinzu: „Das Resultat ist bisweilen zufällig, die Leistung nicht. Für mich ist das Ergebnis nicht zwangsläufig ein Indikator für gut erledigte Arbeit.“

Die „Benutzen-und-wegwerfen-Mentalität“

Qualität wird sich also durchsetzen. „Die meisten meiner Kollegen machen alles vom Resultat abhängig, denn ein Punkt könnte vor der Entlassung retten – darunter leidet die Konzentration aufs Essenzielle: die Spielqualität“, fährt Zeman fort. Entscheidend für diesen Bruch ist seiner Meinung nach die Politik innerhalb der Klubs heutzutage: „Einst besaß der Trainer entschieden mehr Wertigkeit im Verein." Er erklärt: „Heute ist der Fußball primär Business und Politik, kaum noch Sport. Business funktioniert aber nach anderen Regeln. Der Fußball lebt heutzutage von einer 'Benutzen-und-wegwerfen'-Mentalität, die Trainern und Spielern enorme Probleme bereitet.“

Die Bundesliga ist attraktiver geworden“

Auch zur Bundesliga äußert sich der Roma-Trainer: „Sie ist attraktiver geworden. Deutschland erlebte seine Krise und meisterte sie mit vorbildlichem Wirtschaften, den WM-Stadien und Vertrauen in den Nachwuchs. Es gehen kaum noch Deutsche ins Ausland, weil die eigene Liga an Wert gewonnen hat.“ Die Serie A sieht er zumindest aktuell allerdings nicht auf Augenhöhe mit den anderen Topligen Europas: „Aktuell fehlt der Serie A das absolute Elite-Team. Insgesamt sehe ich die Liga aber ausgeglichener als andere. Wirtschaftlich hingegen kann die Serie A derzeit mit Deutschland, England oder Spanien nicht mithalten.“

Zdenek Zeman eckte oft mit seiner Kritik am Großen und Ganzen an und hat sich vermutlich auch deswegen den Weg zu den obersten Topklubs selbst verbaut. Aber er bereut es nicht, seine Meinung immer offen ausgesprochen zu haben: „Das wäre Heuchelei mir und dem Fan gegenüber gewesen.“ Hier greift seiner Meinung nach noch ein anderer, wichtiger Mechanismus: „Außerdem: Fußball ohne Polemiken wäre kein Fußball – da hätten die Leute ja nichts, worüber sie reden könnten.“

Messi ist nicht trainierbar“

Obwohl Zeman derart auf Leistung und Ästhetik auf dem Platz setzt, gibt er zu, dass es das absolut perfekte Spiel nicht gibt. Die Rechnung ist simpel: „Es passieren immer Fehler. Wenn nicht, müsste eine Mannschaft, die 200-mal attackiert, 200 Tore schießen. Gleichzeitig müsste der Gegner bei 200 Angriffen ebenfalls 200-mal treffen. Ergo würde das Resultat 200:200 lauten.“ Einmal bei den Superlativen angekommen, meldet Zeman an, dass er Lionel Messi natürlich gern im Team hätte, aber er wisse nicht, ob er trainierbar sei. „Weil er zu gut ist.“


EURE MEINUNG: Der Serie A fehlt das Spitzenteam - Hat Zeman recht?
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