Saisonstart Serie A: Die Lage der Liga vor dem Auftakt

Die Tifosi sind voller Vorfreude und auch die Spieler scharren mit den Hufen: Ab Samstag rollt endlich auch in Italiens Serie A wieder der Ball. Vor dem Anpfiff der neuen Spielzeit gibt es eine ganze Reihe Fragezeichen. Bei den Topklubs hat es teils gravierende Veränderungen im Kader gegeben, die Verfolger haben aufgerüstet und ambitionierte Vereine sind aus der Serie B hinzu gestoßen.

Official Serie A ball 2009/10 (Grazia Neri)
(fb) Rom. Allen Skeptikern zum Trotz: Schon die abgelaufene Saison in der Serie war ein großer Schritt nach vorn. Das Klischee vom reinen Defensiv-Fußball, der im Land des Weltmeisters von 2006 geboten werde, passt längst nicht mehr. In Italien fielen im Schnitt mehr Treffer als in der hochgelobten Premier League! Die Zuschauerzahlen in den Stadien stiegen an und es gab eine  ganze Reihe herausragender Partien. Viele Experten rechnen damit, dass dies in der neuen Spielzeit weiter getoppt wird.

Zwar leiden die Dauerkartenverkäufe unter der Weltwirtschaftskrise und  Aushängeschilder wie Kaká, Zlatan Ibrahimovic oder Pavel Nedved haben die Liga verlassen, doch es deutet sich eine der spannendsten Saison der letzten Jahre an. „Ich glaube, dass sich das Niveau insgesamt verbessern wird, denn alle großen Vereine haben wichtige Neuverpflichtungen getätigt. Das Rennen um den Titel wird viel ausgeglichener sein. Inter und Juventus scheinen einen Schritt vor Milan, der Roma und Fiorentina zu liegen, aber man darf auf keinen Fall Lazio, Udinese und Napoli vergessen“, meint beispielsweise Italiens Torwart-Legende Dino Zoff.

Titelkandidaten Inter und Juve


Titelverteidiger Inter Mailand ist logischerweise Titelkandidat Nummer eins. Obwohl der Klub vier Jahre in Folge den „Scudetto“ holte, baute José Mourinho seine Mannschaft kräftig um. Der Abgang von Torschützenkönig Zlatan Ibrahimovic soll durch die Transfers von Samuel Eto'o und Diego Milito kompensiert werden. Thiago Motta und Lucio verstärken Mittelfeld und Abwehr. Zudem soll noch ein Spielmacher kommen, heißester Favorit ist Reals Wesley Sneijder. Damit hätte Inter seine Schwachstelle aus dem Vorjahr, das offensive Mittelfeld, behoben und auch weiterhin den ausgeglichensten Kader in Italiens Eliteliga. Härtester Konkurrent der „Nerazzurri“ dürfte Juventus Turin werden. Der Rekordmeister ist nach sechs titellosen Jahren erfolgshungrig, unter dem neuen Trainer Ciro Ferrara herrscht große Euphorie in der Mannschaft und im Umfeld des Klubs. Die Mannschaft wurde zudem mit Fabio Cannavaro, Felipe Melo, Diego und Martin Caceres exzellent verstärkt.

Milan ohne Maldini und Kaká


Hinter dem AC Mailand steht noch ein dickes Fragezeichen: Paolo Maldini und Kaká weilen nicht mehr in „Milanello“, große Transfercoups wie in der Vergangenheit landete der AC nicht. Die Hoffnungen ruhen auf dem neuen Coach Leonardo, der Carlo Ancelotti beerbte, Abwehrchef Alessandro Nesta, der nach langer Zeit wieder fit ist, und Ex-Weltfußballer Ronaldinho, der in die Rolle Kakás schlüpfen soll. Hinter den „Top Drei“ gibt es mehr als eine handvoll Vereine, die um die Champions League- und Europa-League-Plätze kämpfen wollen. In der Pole Position stehen (noch) die Roma und der AC Florenz. Beide verfügen über jahrelang gewachsene Mannschaften und sehr gute Trainer. Läuft alles rund und bleiben sie von Verletzungspech verschont, ist nach oben alles drin.

Genoa und Napoli rüsten auf


Doch die Konkurrenz schläft nicht: Die Überraschungsmannschaft des Vorjahres, Genoa, hat nach den Abgängen von Diego Milito und Thiago Motta richtig Geld in die Hand genommen und den Kader umgebaut. Es kamen unter anderem gestandene Serie-A-Spieler wie Sergio Floccari, Hernan Crespo oder Houssine Kharja. Traditionsklub SSC Neapel strebt im dritten Jahr nach dem Wiederaufstieg mit aller Macht ins internationale Geschäft. Napoli investierte rund 45 Millionen € in neue Spieler. Nationalspieler Fabio Quagliarella und Luca Cigarini, der in Italiens U21 spielt, sind die nahmhaftesten Neuzugänge.

Lazio, Udinese, Palermo und Sampdoria streben nach oben


Zu den weiteren Kandidaten im Kampf um einen Platz unter den ersten sechs zählen Pokalsieger Lazio Rom, Udinese Calcio, US Palermo und Sampdoria Genua. Bei Cagliari Calcio, das im letzten Jahr lange Zeit um einen Europa-League-Platz mitspielte, bleibt abzuwarten, wie der Weggang von Stürmer Robert Acquafresca weggesteckt wird. Doch die sympathischen Sarden haben ihren Kader ansonsten beisammen behalten und werden auch nun wieder eine gute Rolle spielen.

Bari, Parma und Livorno sind zurück


Nicht mehr dabei sind ab dem kommenden Wochenende der FC Turin, Reggina Calcio und US Lecce. Sie mussten den bitteren Gang in die Serie B antreten. Dafür kehrten die Traditionsklubs AS Bari, FC Parma und AS Livorno zurück ins Oberhaus. Für alle drei geht es logischerweise nur um den Klassenerhalt. Doch Parma machte mit den spektakulären Verpflichtungen von Christian Panucci (Roma) und Valeri Bojinov (ManCity) bereits deutlich, dass es ein längeres Engagement in der Serie A werden soll.

Eure Meinung: Was erwartet Ihr von der neuen Saison in Italien?



 
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