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Karl-Heinz Schnellinger wurde als Spieler in Italien zur Berühmtheit. Am Montag feiert er seinen 75. Geburtstag.

Segrate. Warum ihm dieses Tor ausgerechnet im "Jahrhundert-Spiel" gelang, dafür hat Karl-Heinz Schnellinger nach 44 Jahren eine ganz eigene Erklärung. "Das war meine Prämie vom lieben Gott", sagt er im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Denn ohne dieses Tor hätte man mich heute noch mehr vergessen."

Dieser Tage wird er wieder angerufen aus Deutschland, "aber Ihr meldet Euch ja nur, wenn man 100 oder 150 wird". Ganz so weit ist es noch nicht: Am Montag feiert Schnellinger seinen 75. Geburtstag. Dass man ihn in Deutschland nicht nur wegen dieses einen Tores kennt, beweist schon der persönliche Brief, den ihm Bundespräsident Joachim Gauck dieser Tage schickte.

Aber natürlich, es ist vor allem dieses eine Tor, das man mit dem Namen Schnellinger verbindet. Die Geschichte war auch zu schön: In der Nachspielzeit des WM-Halbfinales 1970 gegen Italien erzwang der Italien-"Legionär" mit seinem einzigen Tor in 47 Länderspielen die Verlängerung und ermöglichte das wohl legendärste Spiel der Fußball-Geschichte (3:4). "Ausgerechnet Schnellinger", jubelte Kommentator Ernst Huberty. Damit war alles gesagt.

Schnellingers Weg in Italien

Dem Realisten Schnellinger ist Legendenbildung aber zuwider. "An meine Erfolge, an meine Defensivarbeit, an meine vielen Vorlagen erinnert sich keiner", moniert er: "Genauso wie bei diesem Tor keiner an Grabowski denkt, obwohl er doch die Hauptarbeit gemacht hat."

Dass er in Deutschland etwas aus dem Fokus geraten ist, liegt aber auch an seiner Geschichte. Wochen vor der Gründung der Bundesliga zog Deutschlands damaliger Fußballer des Jahres vom 1. FC Köln nach Italien. "Für viel Geld. Wie viel genau, weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht."

Nach je einer Saison beim FC Mantua und dem AS Rom wechselte er zum AC Mailand, wo er in neun Jahren acht Titel gewann, darunter drei Europapokale. Nach seiner aktiven Zeit kehrte er nicht zurück in die Heimat. "Weil ich in Italien mehr Freunde hatte und meine Familie hier war", wie er heute sagt: "Ich habe ja nichts verbrochen und bin nicht geflüchtet."

Carlo il Blondo – Heute leider kein Fußball mehr

Die italienische Staatsbürgerschaft hat er nie angenommen. Ob er sich als Deutscher oder Italiener fühlt? "Ich fühle mich als Europäer." Ob er eines Tages doch noch zurückkehren wird nach Deutschland? "Fragen sie den Lieben Gott oder den Papst", sagt Schnellinger: "Man soll nie nie sagen. Im Moment ist es nicht wahrscheinlich, aber wenn mir jemand einen Vertrag über eine Million gibt, komme ich zurück." Zu früheren Weggefährten in der alten Heimat gibt es keinen Kontakt: "Die Jungs in Deutschland haben ihren Rhythmus, ich habe meinen."

Sein 75. Geburtstag ist für "Carlo il Biondo" (Carlo, der Blonde) "ein Tag wie jeder andere". Und nur eine Durchgangsstation. "Ich will 100 Jahre alt werden, gesund bleiben und im Lotto gewinnen", meint er: "Fußball spielen kann ich leider nicht mehr."

Schlecht geht es ihm aber nicht, von einem zweitägigen Koma vor einigen Jahren hat er sich vollständig erholt. "Wenn man älter wird, hat man jeden Morgen ein anderes Wehwehchen", sagt der gebürtige Dürener: "Aber es geht mir gut. Oder wie man in Köln sagt: Außer Stacheldraht kann ich alles essen."

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