Der Abend der Schande – Rückblick auf das Mailänder Derby 2005

Es ist eines der brisantesten Spiele im Weltfußball überhaupt. Das „Derby della Madonnina“! Wenn Inter Mailand auf den Stadtrivalen AC trifft, dann geht es um mehr als nur drei Punkte und die Vorherrschaft in der Modemetropole. Es ist das Duell zweier unterschiedlicher Vereinsphilosophien, bei dem es immer hoch her geht! Goal.com blickt für Euch auf einen denkwürdigen Abend im April 2005 zurück. Damals trafen die verhassten Vereine in der Champions League aufeinander, es endete skandalös.

Dida mußte verletzt raus (AFP)

Von Falko BLÖDING

Mailand. 269 Mal trafen Milan und Inter im sogenannten „Derby della Madonnina“ aufeinander. Fast immer ging es heiß her. So war es in den 60er Jahren mit dem Duell der beiden Topstürmer Sandro Mazzola (Inter) und Gianni Rivera (Milan). In den späten 80ern und frühen 90ern trat Milan mit dem niederländischen Trio van Basten/Gullit/Rijkaard gegen Inter mit den Deutschen Brehme/Klinsmann/Matthäus an. Doch ein Spiel aus dem Jahr 2005 sollte in die Geschichte eingehen.

Shevchenko dämpft Inters Hoffnungen

Wir schreiben den 12. April 2005. Es ist das Rückspiel im Champions League-Viertelfinale zwischen Inter Mailand und dem AC Mailand. Die „Rossoneri“ haben das Hinspiel mit 2:0 „zu Hause“ gewonnen. Inter ist im Rückspiel Gastgeber und braucht also ebenfalls ein 2:0 um zumindest in die Verlängerung zu kommen. Doch die Zuversicht der „Nerazzurri“ erhält nach einer halben Stunde einen herben Dämpfer: Andriy Shevchenko schießt Milan aus 17 Metern mit 1:0 in Führung. Inter muss das Spiel jetzt, aufgrund der Auswärtstorregel, mit 4:1 gewinnen, um ins Halbfinale einzuziehen.

Merk gibt Cambiassos Treffer nicht

Inter beißt sich an der Gäste-Defensive, im Besonderen an deren Torwart Dida, die Zähne aus. Doch in der 71. Spielminute keimt wieder Hoffnung auf. Mittelfeldspieler Estaban Cambiasso köpft zum 1:1 ein. Aber der deutsche Schiedsrichter Dr. Markus Merk macht Inter einen Strich durch die Rechnung: Er erkennt den Treffer wegen eines vorherigen Foulspiels nicht an. Schon jetzt kocht die Fanseele bei den Schwarz-Blauen hoch. Ein weiterer Pfiff von Merk bringt das Fass zum überlaufen. Nach einem vermeintlichen Foul an Dida reklamiert Cambiasso und sieht dafür die gelbe Karte.

Leuchtrakete trifft Torwart Dida

Unzählige Gegenstände fliegen auf das Spielfeld, Didas Strafraum liegt voller Flaschen, Feuerzeuge und weiteren Dingen, die nicht niet- und nagelfest waren. Der Unparteiische entscheidet sich die Partie kurz zu unterbrechen. Währenddessen versucht Dida, seinen Sechzehner von den Gegenständen zu säubern. Als er sich bückt, trifft ihn eine Leuchtrakete an der Schulter. Dabei zieht sich der brasilianische Schlussmann Blutergüsse und Verbrennungen dritten Grades zu. Der Corriere della Sera beschreibt die Szene später so: „Dida wirkte wie ein Soldat im feindlichen Feuer.“

Nach einer Minute endgültiger Abbruch

Merk schickt beide Mannschaften in ihre Kabinen und ordnet eine Pause von 30 Minuten an. Wer gehofft hat, die Gemüter hätten sich beruhigt, der wird enttäuscht: Eine Minute nachdem Merk die Begegnung wieder angepfiffen hat, segeln erneut Bengalos auf den Rasen. Nach nicht einmal einer Minute wird das Spiel endgültig abgebrochen.

Die UEFA wertet das Spiel mit 3:0 für den AC, Inter bekommt die höchste Strafe in der Geschichte des europäischen Fußballverbands aufgebrummt: 200.000 € muss der Klub wegen der Ausschreitungen bezahlen, außerdem werden die ersten vier internationalen Spiele der Saison 2005/06 vor leeren Rängen ausgetragen.

Eine grenzenlose Schande“

Während die Gazzetta dello Sport am folgen Tag titelt „Eine grenzenlose Schande“, vermutet der Mailänder Polizeichef Paolo Scarpio eine gezielte Aktion der Inter-Tifosi: „Die Randale schien mir geplant und gegen den eigenen Club gerichtet.“

Der damalige Inter-Trainer Roberto Mancini macht Schiedsrichter Merk für die Geschehnisse verantwortlich. „Was passiert ist, ist seine Schuld“, echauffiert sich der Coach. Sein Pendant Carlo Ancelotti ist angesichts der Vorfälle schockiert: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Das schadet ganz Mailand“, sagte er. Und Milan-Angreifer Andriy Shevchenko meinte gar: „Inter tut mir leid.“

Am Sonntagabend treffen die Mailänder Klubs zum 270. Mal auf einander. Alle Beteiligten hoffen auf ein Spiel, das wegen der sportlich Geschehnissen auf dem Feld in die Geschichte eingehen wird.

Eure Meinung: Welche Erinnerungen habt Ihr an dieses denkwürdige Spiel?

HIER bekommt Ihr alle Infos rund ums Match

Ihr ärgert Euch, dass das Spiel im deutschen Fernsehen nicht live zu sehen ist? Wir haben die Alternative für Euch: LIVE am Sonntag ab 20.15 Uhr im Goal.com-Ticker: Inter versus Milan – DAS DERBY. Nicht versäumen!



 
Goal.com-Flutlicht
  1. Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine? Bensingers Bayern – Die FCB-Kolumne: Mit zwei Spitzen gegen dreckige Scheine?

    KOLUMNE - Jede Woche gibt euch FCB-Reporter Maximilian Bensinger Einblick in sein Gefühlsleben. Was gibt es Neues an der Säbener Straße? Emotional und erschreckend subjektiv!

  2. Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten Mit Giovinco, M'Vila & van der Wiel: Die EM-Stars, die in diesem Sommer wechseln könnten

    Die EM bietet den teilnehmenden Akteuren die Möglichkeit, sich ins Schaufenster zu stellen, um sich für neue Klubs zu empfehlen - wir bieten einen Überblick der Wechselkandidaten.

  3. „Beckers Borussia“ - die Mönchengladbach-Kolumne: „Ersatzdroge“ Europameisterschaft „Beckers Borussia“ - die Mönchengladbach-Kolumne: „Ersatzdroge“ Europameisterschaft

    Wöchentlich nimmt Gregor Becker die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Was läuft gut und was gibt es Neues?

  4. Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de! Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!

    Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde