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Die Untersuchung des Neymar-Transfers und der Rücktritt von Barcelonas Präsident Sandro Rosell haben zu einer erneuten Anspannung des Verhältnisses der beiden Erzrivalen geführt.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Es war beinahe gespenstig ruhig. Die derben Wortgefechte zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid aus den vergangenen Spielzeiten waren Geschichte, der Umgang der spanischen Erzrivalen in den vergangenen Monaten von Diplomatie und gegenseitigen Respektsbekundungen geprägt. Die beiden neuen Trainer Gerardo Martino und Carlo Ancelotti hatten daran großen Anteil. Doch binnen weniger Tage ist die Clasico-Fehde wieder aufgebrochen.

Grund dafür ist ein Spieler: Neymar. Madrid wollte den Brasilianer, Barca kaufte ihn. In den vergangenen Wochen ist der Wechsel des 21-Jährigen vom FC Santos nach Katalonien in den Fokus der Ermittler geraten, die spanischen Behörden nehmen den Millionendeal genau unter die Lupe. Angestoßen wurde das Ganze von Barca-Mitglied Jordi Cases und geführt hat es mittlerweile dazu, dass Barcelonas Präsident Sandro Rosell in der vergangenen Woche seinen Hut nahm.

Die landesweit erscheinende (und in Madrid ansässige) Tageszeitung El Mundo veröffentlichte in Dezember und Januar vertrauliche Informationen aus den Ermittlungen und widmete der Story mitunter gar die ersten drei Seiten. In Barcelona tuschelte man da bereits, Real stecke hinter der "Hexenjagd" auf Rosell.

Der katalanische Journalist Xavier Bosch behauptete bei RAC1, Real-Boss Florentino Perez habe den ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar angerufen, um sicherzustellen, dass der Fall juristisch verfolgt wird. "Das hat ein bedeutendes Mitglied aus Barcelonas Rechtsabteilung erklärt," so Bosch. Ein energisches Dementi der Blancos folgte umgehend.


Bitte lächeln | Madrid betont, beim Sturz Rosells keine Rolle gespielt zu haben

Kurz nachdem Bosch gesprochen hatte, äußerte sich auch Barcelonas Vize-Präsident Carles Villarrubi bei demselben Radiosender. Er wollte Boschs Behauptung nicht bestätigen, allerdings widersprach er ihr auch nicht. Er sagte: "Ich glaube nicht, dass Barcelonas Vize-Präsident sich hier live dazu äußern sollte. Dazu wurde bereits alles gesagt. Meiner Meinung nach geht das Thema Neymar längst über das rein Rechtliche hinaus. Punkt."

Real reagierte unterdessen wütend auf die Anschuldigungen, veröffentlichte auf der Klub-Website eine Stellungnahme und drohte mit rechtlichen Schritten. "Es ist grundlegend falsch und absurd zu behaupten, Real Madrid spiele eine Rolle bei dem juristischen Prozess, der von einer Beschwerde eines Barcelona-Mitglieds gegen den Präsidenten Sandro Rosell angestoßen wurde", hieß es darin. "Real Madrids Präsident verlangt vom Urheber dieser Behauptungen, sie umgehend zurückzunehmen und richtigzustellen. Sollte dies nicht passieren, wird Real Madrid eine Klage gegen den Journalisten anstreben, um seine Ehre, Privatsphäre und seinen Ruf zu schützen."

Bosch schweigt seitdem. Dafür hat sich der neue Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu zu Wort gemeldet und mit seinen Aussagen weiteres Öl ins Feuer gegossen. Am Montag erklärte er: "Ich glaube nicht, dass jemand Cases steuert. Aber ich glaube, dass es jemanden in Madrid gibt, der ihn ermutigt."

Die beiden großen Madrider Sportzeitungen antworteten darauf am Dienstag und unterstellten Barcelona von Madrid besessen zu sein. Barca leide an "Madriditis". Die Marca, auflagenstärkstes Blatt des Landes, druckte den Begriff auf Seite eins ab und die AS machte auf der Titelseite gar mit der Schlagzeile "Unheilbare Madriditis!" auf.

Ich habe davon gelesen, aber ich weiß nicht, was Madriditis bedeutet...

- Barcelonas Trainer Gerardo Martino

Bartomeu kommentiert: "Ich leide nicht an Madriditis. Ich habe sie immer respektiert. Woran ich leide, das ist Barcelonismo - ich liebe diesen Verein." Gefragt, ob er von den Schlagzeilen Notiz genommen habe, sagt Trainer Martino auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag: "Ich habe davon gelesen, aber ich weiß nicht, was Madriditis bedeutet..."

Am Mittwoch zog die katalanische Zeitung Sport nach. Auf der Titelseite machte sie mit einem Vergleich der Erfolgen beider Vereine in den vergangenen zehn Jahren auf. Barca führt dabei mit 21 zu sechs großen Titeln. Die Überschrift lautete: "Nicht Madriditis... Barcelonitis!"

Die Blaugrana führen die Primera Division derzeit aufgrund der besseren Tordifferenz vor dem punktgleichen Verfolger Atletico Madrid an. Nur einen Zähler dahinter lauert Real. Die beiden Giganten sind beide noch in der Copa del Rey vertreten und könnten dort aufeinandertreffen. Auch in der entscheidenden Phase der Champions League winken erneut Clasicos.

Die Saison geht in ihre heiße Phase und die Medien heizen die Atmosphäre auf, indem sie die Interessen ihrer Mannschaften verteidigen. Sie tragen gewiss ihren Teil dazu bei, dass die Rivalität am Köcheln gehalten wird. Nach der Ruhe im Anschluss an den letzten Clasico, zieht nun ein Sturm auf. Alles also wieder normal...

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