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Blatters Äußerungen haben hohe Wellen geschlagen. Der Superstar und Real fühlen sich respektlos behandelt. Der Portugiese glaubt nicht, dass er je wieder Weltfußballer werden kann.

SPECIAL REPORT
Von Ben Hayward

Madrid. Cristiano Ronaldo befürchtet, dass die Zuneigung der FIFA für den FC Barcelona und Lionel Messi sein Erbe bei Real Madrid gefährdet und er den Ballon d'Or nie gewinnen wird, solange Sepp Blatter Oberhaupt des Weltfußballverbandes ist.

Sowohl Real als auch Ronaldo haben höchst verärgert auf Aussagen Blatters reagiert, der am vergangenen Freitag seine Vorliebe für Messi zum Ausdruck gebracht und sich über der Portugiesen lustig gemacht hatte. Obwohl der Schweizer sich schnell entschuldigt und den Vorfall heruntergespielt hat, glaubt Ronaldo, dass die Äußerungen Ausdruck der Voreingenommenheit der FIFA waren.

"Der eine gibt mehr für den Friseur aus als der andere"

Als Blatter bei einer Diskussionsrunde in der Oxford University zu Messi und Ronaldo befragt wurde, antwortete er: "Der eine gibt mehr als der andere für den Friseur aus. Ich kann nicht sagen, wer besser ist. Ich mag beide, aber ich bevorzuge Messi."

Die Real-Verantwortlichen beschwerten sich anschließend bei ihm und brachten ihren Unmut zum Ausdruck, auch Carlo Ancelotti stellte sich am Dienstag hinter seinen Spieler. "Unser Präsident hat einen Brief an die FIFA geschickt. Das ist mangelnder Respekt gegenüber einem Spieler, der sehr seriös und professionell ist. Ich stimme dem Präsidenten zu", sagte der Italiener.

Und auch Ronaldo wollte die Sache nicht auf sich sitzen lassen und reagierte via Twitter und Facebook, wobei er ein Video veröffentlichte, das zeigt, wie sich der Schweizer über ihn lustig macht. Sein Kommentar dazu: "Dieses Video zeigt den Respekt, den die FIFA mir, meinem Verein und meinem Land entgegenbringt. Das erklärt Einiges. Ich wünsche Mr. Blatter ein gesundes und langes Leben mit der Gewissheit, dass er weiterhin Zeuge der Erfolge seiner Lieblingsmannschaften und -spieler wird."

"Ich kann nicht sagen wer besser ist. Ich mag beide, aber ich bevorzuge Messi"

- Sepp Blatter


Der Stachel sitzt tief

Blatter entschuldigte sich seinerseits via Twitter anschließend: "Lieber Cristiano, ich entschuldige mich, sollte dich meine unbedachte Antwort bei einer privaten Veranstaltung am Freitag verärgert haben. Ich wollte dich niemals beleidigen." Zudem sandte der FIFA-Boss einen offenen Brief nach Madrid, in dem er betonte, Messi und Ronaldo seien auf demselben Level.

Dennoch: Der Stachel bei Ronaldo sitzt tief. Der Real-Star war in der letzten Saison sauer auf die Klub-Bosse, da er deren Unterstützung vermisste. Dieses Mal konnte er sich über Beistand freuen. Nichtsdestotrotz ist "CR7" frustriert. Für ihn steht außer Frage, dass die FIFA befangen ist, und tatsächlich deutet Einiges darauf hin, dass Messi im Januar zum fünften Mal in Folge den Ballon d'Or gewinnt.

Sowohl der Argentinier als auch Ronaldo stehen auf der am Dienstag veröffentlichten Liste mit den 23 Spielern, die in der engeren Auswahl für den Weltfußballer-Titel sind. Mit-Favorit Franck Ribery ist ebenfalls dabei. Und Ronaldo ist sich sicher, dass er den Preis auch diesmal nicht mit nach Madrid nehmen darf.

"Die Aussagen Blatters erklären, warum Cristiano nur einen Weltfußballer-Titel hat", sagte die portugiesische Größe Paulo Futre. "Die Auszeichnung ist eine Farce. Die letzten Zweifel an dieser Tatsache sind nun ausgeräumt."

Einflussnahme durch die FIFA?

Ronaldo ist der Meinung, dass er den Ballon d'Or im letzten Jahr hätte gewinnen müssen, nachdem er Real in der Saison 2011/12 zum Titel geführt hat. Dass er leer ausging, ist für ihn ein weiterer Beweis der Einflussnahme durch die FIFA, die lieber Messi auf dem Siegertreppchen sieht. Der Portugiese ist zudem besorgt, Aussagen wie die von Blatter könnten sein Image nachhaltig schädigen, nachdem er in den letzten Jahren hart daran gearbeitet hat, sein Renommee zu verbessern.

Blatter tätigte seine Äußerungen kurz vor dem Clasico am vergangenen Samstag zwischen Barca und Madrid, in dem Ronaldo sich darüber echauffierte, dass der Schiedsrichter ihm einen Elfmeterpfiff verwehrte als er im Strafraum von Javier Mascherano angegangen wurde. Der Superstar beschwerte sich beim Unparteiischen, stieß aber auf taube Ohren. Nach dem Spiel, das die Katalanen mit 2:1 gewannen, sagte Sergio Ramos: "Es ist immer das Gleiche hier."

Vorwürfe aus dem Real-Lager

Ramos glaubt wie viele seiner Teamkollegen und auch der frühere Real-Trainer Jose Mourinho, dass Barca sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene in den Clasicos permanent bevorzugt wird, vor allem im Camp Nou. Ronaldo stieß mit seiner Antwort an Blatter ins selbe Horn.

Aber Reals Antwort an Blatter lenkte auch von der schwachen Vorstellung im Clasico ab, so dass Kritik an Ancelotti, Florentino Perez oder den enttäuschenden Leistungen von Gareth Bale erst einmal vom Tisch ist.

In Barcelona fühlt man sich unterdessen ebenfalls um einen Elfmeter betrogen, Pepes Zweikampf mit Cesc Fabregas wertete der Referee aber als regelkonform.

Die FIFA hat Blatters Antwortbrief an Real unterdessen auf ihrer offiziellen Website veröffentlicht und wollte den Vorfall am Mittwoch nicht weiter kommentieren.

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