thumbnail Hallo,

Florentino Perez wollte den Brasilianer unbedingt holen und drängte zwischenzeitlich vehement auf dessen Verpflichtung. Bale war trotz des 100-Millionen-Deals nur zweite Wahl.

SPECIAL REPORT
Von Ben Hayward

Real Madrids Rekordtransfer des letzten Sommers war eigentlich eine zweite Wahl. Klubboss Florentino Perez hatte sich vorgenommen, Neymar - und nicht Gareth Bale - zu den Blancos zu holen. Doch nachdem der FC Barcelona ihm den Brasilianer weggeschnappt hatte, entschied er sich zum Kauf des Walisers.

Dabei schien Neymars Weg nach Madrid vorgezeichnet: Der Süamerikaner flog 2005 zum Probetraining in die spanische Hauptstadt. Dies war Teil des Deals zwischen Santos und Real beim Transfer Robinhos. Neymar war sogar für kurze Zeit ein Spieler der Madrilenen, ehe bürokratische Hürden einem dauerhaften Wechsel den Riegel vorschoben. Beide Parteien verständigten sich jedoch darauf, in Kontakt zu bleiben und eventuell in der Zukunft einen Transfer anzuschieben.

2011 war Real sicher, dass der Spieler kommen sollte. Der Verein bezahlte sogar medizinische Checks für den Angreifer in Brasilien, als die Verhandlungen ein fortgeschrittenes Stadium erreichten. Allerdings verärgerte Perez Neymar und dessen Vater: Der Präsident sagte dem Spieler, er müsse um seinen Platz in der Stammelf kämpfen und es sei durchaus möglich, dass er eine Zeit lang auf der Bank sitze, ehe er seinen Durchbruch schaffen werde.

Neymar und sein Vater waren von diesen Aussagen irritiert und fassten sie als Arroganz auf. Sie entschieden sich, in Gespräche mit dem FC Barcelona einzusteigen, wo er nach zähen Gesprächen schließlich auch landete. Real hatte allerdings bis zum Schluss um die Unterschrift des Nationalspielers gekämpft.


 Katalonien ruft | Madrid kämpfte lange um Wunschsspieler Neymar und verlor

Reals Verantwortliche warnten Neymar, er müsse in Katalonien höhere Steuern zahlen als in Madrid und sie erklärten ihm, die katalonische Sprache sei schwieriger zu lernen als spanisch. In der Hauptstadt sollte er eine Luxus-Villa im Umkreis von zehn Kilometern des Santiago Bernabeu bekommen und in der Zeit der Eingewöhnung sollte Zinedine Zidane ihm als Mentor zur Verügung stehen.

Perez legte 100 Millionen Euro für diesen Transfer zur Seite und war sicher, dass sein lukratives Angebot bei Santos und den Investoren, die ebenfalls an Neymars Spielerrechten beteiligt waren, auf offene Ohre stoßen würde. Da hatte sich der Spieler jedoch längst für einen Wechsel ins Camp Nou entschieden. Barcelona zahlte 57 Millionen Euro Ablöse. Dazu streicht Santos etwa vier Millionen Euro für ein Freundschaftsspiel zwischen beiden Klubs in Brasilien ein. Weitere acht Millionen Euro kostete Barcelona für das Vorkaufsrecht an den drei größten Santos-Talenten: Gabriel, Giva und Victor Andrade. Ganz egal, ob diese später bei Barca landen werden oder nicht.

Perez erzählten sie, dass nur eine Gesamtofferte in Höhe von 150 Millionen Euro noch zum Umdenken führen könne. Er gab nicht auf, schickte Emails und Faxe mit Gegenangeboten in Richtung Brasilien, um ihn Barcelona doch noch wegzuschnappen. "Während wie den Vertrag unterzeichneten, sendete Madrid Emails an Santos", verriet Barcelonas Präsident Sandro Rosell im September.

Am Ende musste Perez jedoch seine Niederlage eingestehen. Die Verpflichtung Neymars wäre einfach zu teuer geworden. "Der Transfer Neymars hätte der wirtschaftlichen Situation des Vereins geschadet", sagte er Ende Mai. "Wir mussten mit vielen verschiedenen Parteien verhandeln und laut unseren Berechnungen hätten wir insgesamt etwa 150 Millionen Euro bezahlen müssen. Und die Persönlichkeitsrechte wäre auf mehrere Parteien verteilt gewesen."

Wäre Neymar gekommen, hätten wir Bale nicht verpflichtet. Da bin ich sicher.

- Madrids Präsident Florentino Perez

Perez war frustriert. Sein Wunschspieler hatte sich für den Erzrivalen Barcelona entschieden. Keine leichte Sache für die stolzen Madrilenen, die nun ihrerseits mit einer spektakulären Verpflichtung antworten wollten, um ein Ausrufezeichen zu setzen. Und ihre Wahl fiel auf Gareth Bale. Perez selbst hatte im September noch zugegeben: "Wäre Neymar gekommen, hätten wir Bale nicht verpflichtet."

Die Ironie der Geschichte: Barca hatte sich 2010 und 2011 um Bale bemüht. Zu jener Zeit also, als Madrid das Rennen um Neymar zu gewinnen schien. Am Ende landeten die beiden Spieler jeweils beim anderen Klub und Real zahlte 100 Millionen Euro für einen Spieler, der im Mai noch zweite Wahl gewesen war.

EURE MEINUNG: Hättet Ihr Neymar lieber bei Real gesehen? Welcher Klub hat langfristig den besseren Deal gemacht?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig