thumbnail Hallo,

Neuzugang Isco stahl allen die Show, als er mit seinem Treffer für ein versöhnliches Ende sorgte. Für eine positive Saison muss man aber eine bessere Balance finden.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward | Spanischer Fußball-Journalist

Madrid. Am Ende zahlte sich die Hartnäckigkeit für Real Madrid aus. Bei nur vier Minuten auf der Spieluhr und einem enttäuschenden Unentschieden im Heimspiel gegen Betis Sevilla in Aussicht, sorgte Isco für einen Sieg zum Beginn der Ära Carlo Ancelotti.

Der neue Trainer war glücklich, die drei Punkte verbuchen zu können - die italienische Spielanalyse startet jetzt. Getragen durch eine erfolgreiche Vorbereitung, mit Siegen gegen Chelsea, Inter und Paris Saint-Germain, gingen die Madrilenen mit Selbstvertrauen und Optimismus in das erste Ligaspiel. Betis hatte seine Hausaufgaben gemacht und ging mit einem Remis in die Halbzeit, verpasste es aber nach Wiederanpfiff nachzusetzen und verlor am Ende sogar den achtbaren Punktgewinn. "Wir waren so knapp dran", resümiert Betis-Boss Pepe Mel nach dem Schlusspfiff. "Aber am Ende sind wir auf Grund gelaufen."

Währenddessen war Ancelotti trotz der drei Punkte mit der Abwehrleistung seiner Mannschaft nicht zufrieden. In Ballbesitz erzeugte das Vier-Mann-Mittelfeld mit Isco, Özil, Khedira und Modric zwar Gefahr, aber nur letztere hatten auch Bälle erobert. "Isco und Özil müssen lernen, wie man verteidigt", forderte Ancelotti. "Wir brauchen Topspieler, aber sie müssen auch defensiv arbeiten. Das ist der Schlüssel für diese Saison: Die Balance zwischen den Spitzenspielern zu finden."

EINSTAND MIT EINEM KNALL
Es war ein symbolischer Endstand. Die Regentschaft von Gerardo Martino startet mit einem brillianten 7:0-Sieg im Camp Nou gegen UD Levante - auch wenn der Gast hoffnungslos überfordert war. Barcas Niederlagen gegen die Bayern in den Halbfinals der letzten Champions-League-Saison (7:0) schmerzen noch viele Anhänger der Katalanen, aber der Einstand am Sonntag begann mit einem fulminanten Ergebnis. Barca presste mit hoher Intensität, kam schnell in Ballbesitz und führten die Angriffe mit fast schon chirurgischer Genauigkeit aus. So war es kein Wunder, dass man bereits zur Halbzeit mit 6:0 führte, ehe man ein wenig den Fuß vom Gas nahm. Nach dem Spiel gab sich Martino aber dennoch bescheiden: "Wir haben nichts Neues gemacht, uns nur auf Dinge besonnen, die wir in uns haben", erklärte er. Anerkennung für dynamischen Auftritt, aber während Reals Gegner Betis dieses Jahr um die Champions-League-Plätze spielt, sieht Levante wie ein Relegationskandidat aus. "Wir haben wie Santos gespielt", sagte Trainer Joaquin Caparros in Anspielung auf deren 0:8-Klatsche bei der Gamper Trophy Anfang des Monats. Ein spektakulärer Einstand von Martino im Nou Camp, aber es warten auch schwierigere Gegner auf Barca.
Und er hat recht. Unter Mourinho war es noch in Ordnung, dem Gegner den Ball zu überlassen, sich in die eigene Hälfte zurückzuziehen und dann über Konter zum Erfolg zu kommen. Das bedeutete, dass die Spieler zwar defensiv gut standen, aber man merkte, dass Madrid Probleme gegen Teams bekam, die sich ebenfalls weit zurückfallen ließen.

Ancelottis Idee ist da eine andere: "Es ist besser hoch zu stehen, weniger auf Konter zu setzen und stattdessen Fußball zu spielen", erklärte er am Sonntag.

Solch ein System braucht aber unheimliche Disziplin von den Mittelfeldspielern und Madrid vermisste an diesem Sonntag die Stärke und Defensivpower von Xabi Alonso.

Betis spielte mit einer unglaublichen Intensität im Mittelfeld und konnte in der ersten Halbzeit fast nach Belieben die Abwehrbemühungen der Madrilenen durchstoßen. Das Defensivverhalten wird für Ancelotti zum Problem. So war es Cedric der mit einer unglaublichen Leichtigkeit an Ramos vorbeitanzte, während Pepe gegen Torschütze Jorge Molinaro alt aussah und Dani Carvajal mit Stellungsproblemen auf der rechten Abwehrseite zu kämpfen hatte. Auch hätten sich die Madrilenen nicht über einen Elfmeterpfiff bei einer Aktion gegen Cedric beschweren dürfen, aber auch die Zeitlupe brachte keine klare Erkenntnis.

Beinahe wäre Betis zum zweiten Treffer gekommen, aber Sommer-Neuzugang Joan Verdu verzog deutlich. "Um hier zu gewinnen, braucht man ein zweites Tor", ergänzte Mel. "Wir haben das Spiel gut im Griff gehabt, aber Schlüssel war, dass wir kein zweites Tor erzielen konnten."

Karim Benzema war zwar sehr bemüht, aber seine Schüsse gingen aus aussichtsreichen Positionen meist Richtung Tribüne. Zudem stand er häufig im Abseits und versäumte es, seinen Mitspieler in den passenden Momenten zu unterstützen. Bis auf sein Tor bleib er blass und wurde später unter Pfiffen ausgwechselt, so dass man in Madrid überlegen sollte, nicht doch eine Konkurrenzsituation für den ehemaligen Lyoner zu schaffen. Vielleicht eben mit Gareth Bale.

Aber Bale wird nicht der Vier-Buchstaben-Angreifer auf den Lippen der Madrid-Fans an diesem Montag sein. Stattdessen avancierte Isco prompt zum Helden von Madrid und bestimmte die Schlagzeilen. Mit einem punktgenauen Pass bereitete er das 1:0 von Benzema vor, köpfte den Siegtreffer und zeigte einen fantastischen Beinschuss gegen Ende des Spiels. "Es ist das erste Ligaspiel", sagte der Sommereinkauf. "Wir müssen uns noch gehörig steigern, aber wir haben gerade erst angefangen und wir haben drei Punkte geholt."

Isco gibt Real deutlich mehr Qualität bei ihrer "Ballbesitz-Philosophie", aber er wie auch seine Teamkollegen müssen defensiv disziplinierter arbeiten, um das beste aus Ancelottis neuem Offensivsystem herauszuholen. Cristiano Ronaldo lauert eher hinter Benzema, während das Mittelfeld hoch steht, um den Platz zu verkleinern. Wenn es komplett funktioniert, hat das Potenzial. Aber hierzu fehlt noch einiges an Arbeit.

EURE MEINUNG: Wie erfolgreich wird Madrid Ancelottis System verinnerlichen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !



Umfrage des Tages

Welche der Top-Five-Ligen hat bis jetzt am besten eingekauft?

Dazugehörig