thumbnail Hallo,

Der Januar-Transfer Diego Lopez zeigt sich bei Real Madrid in bestechender Form. Für den genesenen Iker Casillas ist aktuell kein Vorbeikommen, er muss weiter die Bank drücken.

Kommentar
Von Ben Hayward | Spanien-Experte

Jose Mourinho war sehr gut vorbereitet. Als der COPE-Journalist Fernando Burgos es wagte, den Trainer von Real Madrid Dienstag nach der Torhüter-Situation zu fragen, fand er sich schnell attackiert vom Portugiesen.

Burgos fragte Mourinho, ob ihn die Tatsache beunruhigen würde, dass Madrid nun in sieben aufeinanderfolgenden Spielen Gegentreffer kassiert hatte - etwas, was unter Mourinho noch nie passiert war. Er fragte weiter, ob der auskurierte Iker Casillas nicht wieder die bessere Alternative zum Januar-Transfer Diego Lopez sei.

In seiner Antwort bezichtigte Mourinho den Journalisten der Befangenheit in Bezug auf den Klub-Kapitän, weil die beiden eine gute Freundschaft verbinden soll. Darüber hinaus erinnerte er Burgos an seinen eigenen Artikel von vor ein paar Jahren, in dem er breit erklärt hatte, dass Spieler allein wegen ihrer Leistung aufgestellt werden sollten und nicht wegen ihres Rufs. Ebenso erinnerte Mourinho daran, in welch bestechender Form Lopez seit seiner Verpflichtung im Januar ist. Fall erledigt. Zumindest für's Erste.

Wettkampfhärte fehlt

MADRIDS STÜRMER WIEDER AUF KURS

Mourinho suchte nach einer Reaktion seiner Offensivspieler und bekam diese am Mittwoch. Karim Benzema und Gonzalo Higuain haben diese Spielzeit unter ihren Möglichkeiten gespielt, nachdem sie Schlüsselfiguren in der Meistersaison 2011/12 waren. Beide kamen gegen Galatasaray gut rein und konnten jeweils treffen. Das beglückte auch den Trainer: „Die Tore werden gut für ihr Selbstvertrauen sein“, sagte er und ergänzte mit Blick auf das offensive Mittelfeld: „Es ist einfacher für sie, wenn das Team gut spielt.“

Die Rückkehr zu alter Stärke kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Higuain hatte zuletzt schon im Länderspiel mit Argentinien beeindruckt, aber Benzemas Misserfolge bei Frankreich hielten an. Nun konnten beide eine wichtige Rolle spielen und damit auch die Last der Verantwortung von Cristiano Ronaldo nehmen, der zwar ebenfalls traf, aber diesmal nicht der Einzige ganz vorne in Form war – wie so oft in 2013.

Casillas ist nach seiner Hand-Fraktur wieder im Training. Die Verletzung erlitt er im Spiel der Copa Del Rey gegen den FC Valencia im Januar, wurde aber am Wochenende nicht für den Trip zu Real Saragossa oder das Heimspiel gegen Galatasaray SK im Viertelfinale der Champions League am Mittwoch berufen. Als Madrids Aitor Karanka gefragt wurde, warum Casillas Comeback noch nicht am Wochenende stattfand, antwortete er, dass ihm noch die „Wettkampfhärte“ fehlen würde. Mourinho ergänzte danach, dass Casillas am Wochenende gegen Levante wieder dabei sei, aber noch nicht gegen Galatasaray am Mittwoch.

So ging die Fragerei weiter. Zu Mourinhos Glück kann Diego Lopez derzeit jeder Frage standhalten und genügend Antworten bieten. Der galizische Torhüter zeigte auch Mittwoch wieder eine sehr dynamische Topleistung, als er alles abhielt, was in seine Richtung flog, inklusive absoluten Glanzparaden in beiden Halbzeit, die die wichtige Null vorm Rückspiel in Istanbul sicherten. In der ersten Hälfte konnte er mit dem Fuß gegen Emmanuel Eboue halten, in der zweiten Hälfte tauchte er zur rechten Seite ab, um einen Distanzschuss von Selcuk Inan zu halten. Lopez verließ auch einige Male die Linie, um in der Luft gegen Didier Drogba anzutreten, und zeigte dabei einmal mehr seine Klasse.

In besserer Form als Casillas

Mourinho war sehr zufrieden: „Diego Lopez ist in besserer Form als Casillas“, sagte er nach dem Spiel. Und es ist unmöglich, dem zu widersprechen. Die Rückkehr des Kapitäns würde an diesem Punkt nur ein erfolgreiches Team auseinander reißen und die Harmonie zerstören. Es würde ebenso die falsche Message für die übrigen Spieler bedeuten – dass Reputation vor Form kommt.

Lopez, der die Jugend bei Real Madrid verbrachte, bevor er sich einen Namen bei Villareal machte, hat selten auch nur einen falschen Schritt gemacht nach seiner Rückkehr aus Sevilla im Januar. Abseits des einen Fehlers beim 2:1-Sieg über Deportivo La Coruna im Februar ist der „Neue“ in einer makellosen Form seit seinem Debüt gegen Barcelona im Hinspiel des Halbfinals der Copa.

Sein Einstand fiel ebenfalls mit einem generellen Aufschwung Madrids zusammen. In einem Monat schlug man zweimal Barcelona und schmiss Manchester United in der Runde der letzten 16 aus der Champions League. „Diego Lopez war der beste Spieler in meiner Mannschaft“, freute sich Mourinho nach dem Erfolg im Old Trafford, als seine Mannschaft einen Rückstand aufholte, 2:1 führte und siegte. Auch dank einiger wunderbarer Paraden ihres Schlussmannes.



Rausgegangen und Vidic umgenietet

Auch Sir Alex Ferguson pflichtete Mourinhos Aussagen bei: „Casillas hätte die Schüsse nicht so gehalten wie dieser Junge Lopez“, sagte der Schotte und fuhr fort: „Gegen Danny Welbeck ist er rausgegangen, gegen Robin van Persie ist er im richtigen Moment runtergegangen und Vidic hat er umgenietet. Casillas ist nicht dieser Typ Torhüter. Es hat sie gerettet, dass sie diesen Typ hatten.“

Und genau diesen Typ Torhüter liebt Jose Mourinho. Der Portugiese hat genauso eine gesunde Portion Respekt für Casillas, auch wenn die beiden nicht immer einer Meinung waren. In Hinblick auf Lopez' Form in den vergangenen Wochen wäre ein Fallenlassen des Galiziers in Spielen dieser Wichtigkeit einfach undenkbar. Daher wird Iker noch warten müssen.

Folge Ben Hayward bei
EURE MEINUNG: Ist an Lopez aktuell kein Vorbeikommen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig