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Das Hinrunden-Zeugnis: FC Barcelona

„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt das Zwischenzeugnis der Hinrunde aus. Heute ist der FC Barcelona dran!

Verein: FC Barcelona
Primera Division: Platz 1
Copa Del Rey: Achtelfinale (2:0-Hinspielsieg bei Cordoba)
Champions League: Achtelfinale gegen Milan

Zielsetzung: Bei den Katalanen bemüht man sich immer wieder Bescheidenheit zu vermitteln, doch keiner, der beim FC Barcelona unterschreibt, hat nicht jeden machbaren Titel vor Augen. Real Madrid gibt aktuell das beste Beispiel dafür ab, was passiert, wenn's mal nicht läuft. Mit Lionel Messi, Andres Iniesta oder Xavi sind gleich drei der weltweit angesehensten Fußballer im Kader des Vizemeisters. Sportlich gesehen sind die Ziele jedes einzelnen dort also so viele Titel wie möglich - und das ist auf jeden Fall drin.

LIGA & POKAL: sehr gut (1)

Gleich am ersten Spieltag zeigte der FC Barcelona mit einem 5:1 gegen Real San Sebastian und einem Doppelpack von Lionel Messi, wohin die Reise gehen sollte. Randnotiz: Real patzte schon zu Beginn gegen Valencia mit einem 1:1.

In der heimischen Liga ist Barca mit einem Unentschieden und 16 Siegen unangefochten das Maß aller Dinge. Nur gegen Real spielte die Elf von Tito Vilanova 2:2. Auswärts hat der spanische Pokalsieger nicht einen einzigen Punkt abgegeben. In der Heimtabelle ist Barcelona trotzdem nicht Spitzenreiter. Warum? Atletico gewann alle neun Heimpartien, während Barca nicht nur ein Heimspiel weniger bestritt, sondern auch das einzige Remis der Hinrunde im Camp Nou erzielt wurde.

Im Copa Del Rey gab sich der FC Barcelona ebenfalls keine Blöße. Deportivo Alaves wurde konsequent aus dem Weg geräumt und auch das Achtelfinal-Hinspiel bei Cordoba wurde profimäßig mit 2:0 abgeschlossen. Im nationalen Wettbewerb hat der amtierende Pokalsieger also weder in der Liga, noch im Cup auch nur ein Spiel verloren.

Sogar im Spitzenspiel gegen Atletico Madrid konnte sich das Team von Tito Vilanova locker mit 4:1 durchsetzen, sodass schon vor der Winterpause für klare Verhältnisse gesorgt wurde. Selbst Jose Mourinho ist sich sicher, dass Barca den Titel fast schon eingetütet hat.

CHAMPIONS LEAGUE: gut (2)

In der Königsklasse Europas erwischte der FC Barcelona ein leichtes Los und konnte Duelle mit Italiens, Englands oder Deutschlands Vertretern umgehen. Zwar schlossen Messi und Co. die Gruppe G als Spitzenreiter ab, doch ein müdes 0:0 gegen Benfica und eine mehr als peinliche Niederlage gegen Celtic Glasgow trübten das Bild des absoluten Topfavoriten. In den Hinspielen gegen Spartak (3:2) und Celtic (2:1) wurde es ebenfalls unerklärlich eng. Unterm Strich ist das Ziel Achtelfinale aber erreicht und mit Milan wartet nun ein Gegner, der die Katalanen mehr fordern wird und muss.



UNTERHALTUNG: noch sehr gut (1-)

Unterhaltung und Spannung würde man im Normalfall nicht erwarten von einem Team, das seine Liga so deutlich dominiert. Doch in Barcelona ist eben alles anders. Bei Deportivo La Coruna führte man schon nach 18 Minuten 3:0. Ein Elfmeter für die Gäste, ein Platzverweis für Mascherano und ein Eigentor von Jordi Alba sorgten am Ende dafür, dass der 5:4-Sieg zwar knapp, aber mehr als unterhaltend war. Gegen den FC Sevilla machte es Barca noch spannender. Nach 48 Minuten stand es 2:0 für die Andalusier, ehe Cesc Fabregas via Doppelpack ausglich und David Villa erst in der 93. Minute den Siegtreffer erzielte.

Was Tore betrifft, so kann sich der Barcelona-Fan bei einer Tordifferenz von +38 nach 17 Ligaspielen nicht beklagen. In der Champions League sorgte neben knappen Siegen gegen Spartak Moskau und Celtic vor allem die Rückspielpleite gegen die Schotten für Aufsehen. Skandale hatte der Klub dagegen kaum zu beklagen. Sogar die Jagd vom einen Rekord zum nächsten machte Barcelonas Hinrunde irgendwie immer spannend. Zählt man den Babyscherz von Pique und Shakira oder den witzigen Werbespot der Turkish Airlines mit Lionel Messi und Kobe Bryant noch dazu, punktet der Klub auch in Sachen Humor.



TRANSFERMARKT: noch sehr gut (1-)

Die Abgänge von Henrique und Seydou Keita wurden so gut wie gar nicht bemerkt und daher die Spieler auch nicht vermisst. Ibrahim Afellay an den FC Schalke zu verleihen war ebenfalls eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, da der Niederländer im Kader der Spanier kaum Durchsetzungschancen gehabt hätte. Andreu Fontas dürfte mit seinen acht Einsätzen für Mallorca ebenfalls an Erfahrung gewonnen haben.

Als Alex Song für 19 Millionen Euro von Arsenal zu Barca wechselte, machte das irgendwie den Eindruck, als sei die Ablöse ein wenig hoch für jemanden, der nur als Keita-Ersatz geholt wurde. Schnell wurde aber klar, dass Vilanova ihn auch für die Innenverteidigung einplante. Leider brauchte er etwas länger, um sich bei den Katalanen zurechtzufinden. In der Primera Division lief er bislang nur siebenmal für Barcelona auf - dafür bestritt er aber alle sechs Partien in der Champions League.

Jordi Alba für 14 Millionen Euro vom FC Valencia loszueisen war dagegen ein Volltreffer. Der 23-Jährige absolvierte schon 22 Pflichtspiele und trug als Linksverteidiger zu sieben Treffern bei. Sein Marktwert steigt ebenso wie seine Einsatzzeiten im spanischen Nationalteam. Nur zweimal kam er nicht in der Primera Division zum Einsatz.

Der Plan nur punktuell auf dem Transfermarkt zuzuschlagen hat sich mehr als ausgezahlt. Fünf Akteure wurden aus der zweiten Mannschaft in den A-Kader integriert. Jetzt haben diese fünf Spieler zusammen schon einen Wert von knapp 30 Millionen Euro. Vor allem die Dienste von Rechtsverteidiger Martin Montoya wurden zuletzt immer wieder beansprucht.



TRAINER & UMFELD: sehr gut (1)

Tito Vilanova hat als Erbe Pep Guadiolas eine Aufgabe gemeistert, die nicht gerade einfach war. Hätte er alles gewonnen, hätte es leicht passieren können, dass behauptet würde, selbst Felix Magath könnte mit diesem Kader wieder Titel holen. Hätte es nicht geklappt, hätten sich die Medien auf ihn gestürzt. Nun hat Barcelona zur Winterpause alle Trümpfe in der Hand und Vilanova offensichtlich nichts falsch gemacht.

Umso trauriger ist es, dass der Trainer wegen Krebs in der Ohrspeicheldrüse erneut unters Messer musste und dem Team im Dezember nicht immer zur Verfügung stand. Von Vereinspräsident Sandro Rosell erhält er aber die volle Rückendeckung und soviel Zeit wie er braucht. Die Katalanen sind in diesem Thema schon durch Eric Abidals Leidenswege krisenerprobt.

Auch sonst fällt der Vereinsvorstand des FC Barcelona durchweg positiv auf, in dem immer wieder betont wird, dass die Einstellung einzelner Akteure und generelles Fair Play über Titeln stehen würden. Paris und Co. können sich eine Scheibe davon abschneiden. Auch von den katalanischen Unabhängigkeitskämpfen in der spanischen Politik distanziert sich der Klub.

Die Jugendarbeit läuft ebenfalls fantastisch, so standen unter der Saison teils elf Akteure aus der eigenen Akademie im Kader des Pokalsiegers.

DER DAUERBRENNER
DER VORLAGENGEBER
DER KÄMPFER


GESAMTNOTE: noch sehr gut (1-)

Bislang gab es nur einen Clasico und der wurde im eigenen Stadion nicht gewonnen. Ausgerechnet Real Madrid klaute Barca beim 2:2 die einzigen Punkte in der Hinrunde. Dieser Fakt darf aber durchaus als Jammern auf extrem hohen Niveau bezeichnet werden.

Ansonsten steht Barcelona mit 16 Punkten Vorsprung vor Real und neun Zählern Abstand zu Atletico mehr als komfortabel an der Spitze der Primera Division. Die Katalanen jagen zusammen mit Lionel Messi einen Rekord nach dem anderen und es darf angenommen werden, dass auch der Copa Del Rey fest eingeplant wird.

Nur in der Gruppenphase der Champions League hätte sich der FC Barcelona als absoluter Topfavorit etwas mehr anstrengen dürfen. Als Gruppensieger wird Barca im Achtelfinale gegen Milan aber ganz anders auftreten. Bei der Niederlage gegen Celtic kann nur von einem kleinen Schönheitsfehler gesprochen werden.

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