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Malagas Mix: Keine Millionen mehr, aber schon elf Punkte auf dem Konto

Ein turbulenter Sommer liegt hinter dem FC Malaga. Dennoch hat Coach Pellegrini es geschafft, ein ebenso hungriges wie schlagfertiges Ensemble aus Jung und Alt zu formen.

Malaga. Ungewohntes Tabbellenbild in der Primera Division: Von ganz oben grüßt zwar wenig überraschend der FC Barcelona, Titelverteidiger Real Madrid leistet sich aber gleich zu Saisonbeginn eine Schwächephase und findet sich auf Platz neun wieder. Und die inoffizielle Nummer drei in Spanien, der FC Valencia, liegt nach einer Pleite beim Überraschungszweiten RCD Mallorca gar auf Platz 17. Direkt hinter den Mallorcinern: Der FC Malaga. Der Vorjahresvierte, der bei seinem Champions League-Debüt letzte Woche glänzte, ist bisher ebenfalls ungeschlagen und hinterließ in fast allen Mannschaftsteilen einen souveränen Eindruck - was vor Saisonbeginn nicht unbedingt zu erwarten war.

Der Geldhahn ist zu, doch Coach Pellegrini hat die richtige Mischung gefunden

Vor allem die Defensive, die mit bisher zwei Treffern die wenigsten Tore ligaweit hinnehmen musste, überzeugte soweit. Ex-Bayer Martin Demichelis erlebt in der Innenverteidigung gemeinsam mit seinem Altergenossen Weligton weiterhin so etwas wie einen zweiten Frühling, ebenso wie Joaquin. Der langjährige Valencianer und Nationalspieler zählt mittlerweile an die 30 Lenze, glänzt aber im offensiven Mittelfeld und harmoniert prächtig mit Nachwuchsspieler Isco. Hinter ihm machen auf der Doppelsechs der 22-jährige Camacho und der ehemalige Lyonnais Jeremy Toulalan dicht, den man, ebenso Flügelspieler Eliseu, Duda oder Maresca, so langsam getrost zu der Kategorie der älteren aber erfahrenen Kempen zählen darf.

Die Mischung stimmt. Noch während des Sommers musste Coach Manuel Pellegrini wegen ausbleibender Gehälter mit bescheidener Trainingsbeteiligung rechnen. In der Zwischenzeit aber hat der Chilene ein Ensemble aus nach wie vor hungrigen Altstars und hoffnungsvollen Nachwuchsspielern geformt, das sich nach den ersten Eindrücken daran macht, unter völlig neuen Vorzeichen den Erfolg der vergangenen Saison zu wiederholen, als man sich mit dem vierten Rang erstmals für die Champions League qualifizierte. Dabei liegt hinter den Andalusiern ein unruhiger Sommer, der bei aller nach wie vor vorhandenen Qualität im Kader nicht unbedingt auf einen Blitzstart schließen ließ.

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Nachdem Klubbesitzer Abdullah Al-Thani diesen Sommer den Geldhahn zugedreht hatte, mussten gleich mehrere Leistungsträger den Verein verlassen, um ausstehende Gehälter überhaupt erst begleichen zu können. Der millionenschweren Einkaufstour des letzten Jahres folgte nun der personelle Aderlaß: Joris Mathjisen ging zum PSV, Goalgetter Rondon zu Rubin Kazan, Ruud van Nistelrooy beendete seine Karriere. Aber vor allem der Weggang von Kreativkopf Santi Cazorla, der mittlerweile bei Arsenal Lukas Podolski mit Zuspielen füttert, galt als schwerer Verlust. In der Not besann man sich früher als geplant auf die eigene Jugend. Im Kader finden sich nun neben Rechtsverteidiger Jesus Gamez oder Mittelffeldspieler Portillo noch drei weitere Spieler aus der eigenen Nachwuchsakademie (Recio, Juanmi, Olinga), die den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben. Bisher haben sich der Konsolidierungskurs und die Verjüngungskur ausgezahlt.

Malaga vs. Zenit: Ex-Neureich gegen Gazprom-Millionen

In La Liga haben sich die Himmelsblauen mit drei Siegen, zwei Remis und elf Punkten auf Platz drei der Tabelle vorgeschoben und ihre Spiele meist souverän dominiert - auch wenn die mitunter etwas mangelhafte Chancenverwertung erkennen ließ, dass Rondon noch nicht vollwertig ersetzt ist. Gekrönt wurde die erfolgreiche junge Saison durch den Auftaktsieg in der Champions League gegen Zenit St. Petersburg. Eine Aufeinandertreffen, das nicht einer gewissen Ironie entbehrte: Hier die nicht-mehr-reichen Andalusier, dort der nach wie vor Millionen schwere, Gazprom geförderte russische Meister, der sich zum Ende der Transferperiode mal eben Axel Witsel und Hulk für 90 Millionen Euro gönnte. Malaga schickte Zenit mit 3:0 heim.

                               Isco, Local Player und Gesicht des neuen Erfolges

Was die rund 30 000 im Stadion „La Rosaleda“ zusätzlich euphorisiert haben dürfte: Auch Matchwinner Isco ist gewissermaßen ein Local Player, geboren und aufgewachsen nur unweit von Malaga. Über den Umweg Valencia, in dessen Jugend Isco ausgebildet wurde, fand der technisch beschlagene und flinke Offensivmann zurück in die Heimat, wo er nun wieder bei seiner Familie lebt. Bereits letzte Saison deutete er mit fünf Toren sein enormes Talent an. In der neuen Saison ist er nach vier Spieltagen und dem Abgang vieler Stars bereits zum Gesicht des neuen Erfolges geworden. Eines, das die Kommentatoren mit seinem Spiel entzückt. Das Barca nahe Blatt El Mundo Deportivo sah ihn am Wochenende bereits in der Spur Andres Iniestas und als den Spieler, „der den Unterschied machen kann.“ El Pais befand, dass die Lücke, die Santi Cazorla hinterließ, schon bald gänzlich geschlossen sein könnte.

Isco - in Iniestas Spuren?

Frühe Lorbeeren, die der 20-Jährige vor allem für seinen famosen CL-Auftritt gegen Zenit erntete. Es war das Spiel des Nachwuchstürmers, der nach drei Minuten bereits zur Führung traf. Saviola erhöhte, Isco markierte später noch das 3:0. Der Weg hin zu einem zweiten Iniesta oder Cazorla ist noch lang, die Veranlagung bringt der Andalusier aber fraglos mit. Und beim durchwachsenen 0:0 gegen Athletic Bilbao am Sonntag wies der Youngster nach, dass er auch über Kämpferqualitäten verfügt und weite Wege geht, wenn es innerhalb des technisch versierten Ensembles mal nicht so läuft. Gegen die aggressiv attackierenden Basken war den Andalusiern die Belastung aus der Champions League anzumerken.

Sollte Isco auch weiter das Versprechen einlösen, das viele in ihm sehen, und Malaga den Schwung mitnehmen, könnte auch diese Saison wieder eine gute Platzierung rausspringen. Im Vergleich zum Vorjahr käme das aber einer kleinen Überraschung gleich.

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