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Die Dokumentation über Ronaldos Leben und Karriere strotzt vor Prunk und Prahlerei. Vor allem die wirklich privaten Szenen sind aber spannend – doch leider rar. Eine Kritik.

Alles an und rund um Cristiano Ronaldo schreit nach Luxus. Sei es sein gepflegtes Erscheinungsbild, das Wochengehalt von rund 420.000 Euro, seine eigene Kleidermarke oder eine ganze Reihe an Wohnungen und schicken Autos. Für die perfekte Inszenierung seines Lebens in Spielfilmlänge leistete er sich dementsprechend eine Produktionsfirma, die schon Preise für ihre Dokumentationen zu Rennfahrer Ayrton Senna ("Senna") oder Sängerin Amy Winehouse ("Amy") gewonnen hatte.

"Ronaldo" wurde am Montagabend in London der Weltöffentlichkeit präsentiert. Frühere Weggefährten wie Sir Alex Ferguson, sein Förderer bei Manchester United, sowie Ex-Real-Coach Jose Mourinho erwiesen dem Superstar die Ehre. CR7 hatte sich herausgeputzt - für einen Film, der ähnlich geschliffen daher kommt wie er selbst. 

Es ist kein aufschlussreicher, wie ein Heimvideo gedrehter Einblick in sein Privatleben, wofür die Produzenten James Gay-Rees und Asif Kapadia eigentlich bekannt wurden. Es ist vielmehr ein schöner Schein. Ronaldos Besessenheit in Bezug auf den Ballon d'Or und seine Rivalität zu Lionel Messi sind die übergeordneten Themen der gesamten Dokumentation, die über 14 Monate gefilmt und durch die letzten beiden Triumphe bei der Weltfußballer-Wahl eingerahmt wurde.

Jorge Mendes, der Star unter den Beratern, wird gezeigt, wie er ein Spiel zwischen Real Madrid und Barcelona beobachtet. Gleichzeitig macht ein Freund eine Bemerkung, dass "der andere Typ einfach alles zerstören könnte", wobei mit diesem Typen - natürlich - Messi gemeint ist. Mit "Alles" ist nicht der Gewinn der Meisterschaft oder der Champions League gemeint, sondern der der des Ballon d'Or.

"Daddy ist stärker"

Ronaldo will als normaler Junge mit einem großen Traum porträtiert werden. Aber der einfache Fußball-Fan kann sich oft nicht mit jemandem identifizieren, der so getrieben von der Jagd nach individuellen Auszeichnungen ist. Er ist ein Typ, der nun einmal polarisiert. Man liebt ihn. Oder man hasst ihn. Daran wird auch der Film nichts ändern.

Die interessantesten Passagen darin handeln eigentlich von seinem Sohn, der Mutter, seinem Bruder oder dem bereits verstorbenen Vater. Sie machen den Menschen hinter der Tormaschine CR7 nahbarer. Es ist schade, dass ihnen nur Nebenrollen zugedacht sind - der Hauptteil der Aufnahmen gehört Ronaldo und seinem Berater und ihrer Jagd nach der goldenen Trophäe.

Universal Pictures

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Sinnbildlich die Szene, in der Ronaldo seinen Schmerz darstellt, als er Messi den Ballon d'Or vier Jahre am Stück gewinnen sah: Dabei wacht der Portugiese in seinem gewaltigen Haus auf. Die elektronischen Jalousien gehen hoch, davor wird sein prächtiger Garten sichtbar. Ronaldo macht sich für den Tag fertig und wechselt seine gebrauchte "CR7"-Unterwäsche gegen ein frisches Exemplar.

Das ist der Mann, den Millionen jede Woche auf dem Feld zujubeln, so wie er einfach nur zu Hause ist. Er weckt seinen Sohn auf - "Ich wollte schon immer einen Sohn haben, damit er mein Nachfolger werden kann" - und die beiden genießen das Frühstück, bevor Cristiano Junior zur Schule gefahren wird. Damit endet die Normalität dann auch schon wieder. 

Wir werden in eine Garage gebracht, voll mit Porsches, Ferraris und einem Rolls Royce. Als er seinen Sohn von der Schule abholt, nähert sich ein Elternteil eines Kindes, das Ronaldo viel Glück für das kommende Champions-League-Finale wünscht. Ronaldo bedankt sich bei ihm und merkt danach gegenüber seinem Sohn an, dass der Mann zwar größer sei, Daddy aber "stärker ist". Er beendet die Heimfahrt, indem er seinen "Nachfolger" fragt, welches der acht Luxusautos denn in der Garage fehle.

"Ich habe für meinen Erfolg gelitten"

Später wird Mendes in seinem  eigenen gigantischen Haus nachts bei Telefongesprächen in verschiedenen Sprachen gefilmt, das einzige Licht kommt von einer Unterwasser-Lampe des Swimming Pools. Er ist "der Beste, der Cristiano Ronaldo der Berater", sagt Ronaldo selbst. Es sind Szenen wie diese, die sein Ego zur Schau stellen. Andere lassen indes hinter die Fassade blicken.

Die erste Person, die wir nach dem Gewinn der Champions League mit Real Madrid sehen, ist sein Bruder, Hugo Aveiro, den Ronaldo für eine Umarmung aus der Menge zieht. Der gleiche Bruder erzählt später von seinen Suchtproblemen - ihr Vater war an den Spätfolgen der Alkoholsucht gestorben. Ronaldo beschreibt Hugo als seinen "rechten Arm". Im Film bekommt er aber nur einen flüchtigen Kurzauftritt.

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Seiner Mutter, Dolores Aveiro, ist die Freude anzusehen. Man spürt, welch große Wichtigkeit der Erfolg ihres Sohnes und das, was aus ihm geworden ist, für sie hat. "Ich fühlte mich zurück gelassen ... aber aus einem guten Grund", sagte sie über Ronaldos Wechsel zu Sporting, als er zwölf Jahre alt war. Sie strahlt dabei durchgehend. Sie könnte jetzt nicht glücklicher sein. Aber in einer der Enthüllungen des Films geht es um Details, wie sie versucht hatte, als sie mit Ronaldo schwanger war, eine Fehlgeburt zu erzwingen.

Die wirklich unvergesslichen Momente sind diese, die frei von einer Choreographie sind. Ein portugiesischer Teamkollege scherzt etwa, dass niemand mit ihm reden will, während jede Bewegung des Real-Profis von Reportern ausgespäht wird, bevor ein weiblicher Fan den Spieler trifft und aufschreit: "Er weiß, dass ich existiere. Ich frage ihn, ob er mir auf Twitter folgen kann."

Als er von einem Priester bei der Taufe seines Patenkindes gefragt wird, ob er mit ihm ein Selfie macht, stimmt Ronaldo zu, ohne gelangweilt zu schauen. Später müssen wir allerdings beobachten, wie er "Stay" von Rihanna singt, während Raul Meireles und Pepe vor ihm grinsen, und er seine Bauchmuskel mit denen eines Freundes vergleicht, während sie in einem Privatjet Kartenspielen. Das ist Ronaldos Leben. Oder anders formuliert: Das ist das Leben, was er preisgeben will. 

"Die Leute wissen nicht, dass ich für meinen Erfolg gelitten habe. Ich habe das, was ich jetzt habe, weil ich viel opfern musste", sagte Ronaldo in einer Aufnahme. Die Dokumentation porträtiert einen Athleten, der zweifellos einer der besten in seinem Fach ist und der kategorisch alles andere als Perfektion ablehnt.

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