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Fall Barcelona: "Kinderhandel" in Deutschland laut Peters nicht möglich

Die von der FIFA gegen Barcelona verhängte Transfersperre sorgt weiterhin in Katalonien für helle Aufregung. Hoffenheims Nachwuchsleiter Bernhard Peters klagt hingegen Barca an.

Barcelona. Der FC Barcelona wittert eine Verschwörung, für Bernhard Peters war hingegen die Transfersperre für den katalanischen Renommierklub längst überfällig: "Wir sind der größte Verein der Welt, und vielleicht gefällt das jemandem nicht", klagte Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu auf einer Pressekonferenz und sieht nach der Verhängung der Transfersperre durch den Weltverband FIFA böse Mächte am Werk. Sein Klub registriere schon seit einiger Zeit, dass "jemand versucht, Barca zu schaden. Wir untersuchen das genau".

Für Peters, Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim, war das FIFA-Urteil vom Mittwoch gegen Barcelona wegen "Kinderhandels" hingegen längst abzusehen. Vielmehr hätten die Sanktionen sogar früher verhängt werden können.

FIFA-Regularien werden nicht beachtet

"Die Entscheidung hat uns überrascht, weil die Vergehen, die nun bestraft wurden, schon seit vielen Jahren öffentlich bekannt sind", sagte Ex-Hockey-Bundestrainer Peters der Frankfurter Rundschau: "Es ist schon lange offensichtlich, dass mit den FIFA-Regularien in Spanien, aber auch in anderen Ländern, viel sorgloser umgegangen wird."

In den Bundesligen hingegen "achten DFB und DFL sehr genau darauf, dass die FIFA-Regeln eingehalten werden", betonte Peters. Jugendliche im Alter ab 16 Jahren dürfen demnach "innerhalb der EU wechseln, wenn die schulische und soziale Unterstützung gewährleistet wird", sagte Peters: "Aus dem Nicht-EU-Ausland sind diese Wechsel grundsätzlich nicht erlaubt."

Auf dem internationalen Spielermarkt habe sich aber ein "Graumarkt" mit Jugendspielern entwickelt. "Leider versuchen auch große Vereine immer früher, diese jungen Spieler zu binden", sagte Peters: "Dadurch entsteht eine noch höhere Quote an Fehleinschätzungen."

Barcelona hat möglicherweise ein Schlupfloch genutzt

Die FIFA hatte Barcelona aufgrund von Verstößen gegen die Wechselbestimmungen bei Minderjährigen mit einer einjährigen Transfersperre belegt (Sommer 2014, Winter 2014/15), die Katalanen kündigten bereits Einspruch an.

Möglicherweise hatte der spanische Meister jahrelang eine rechtliche Lücke in den FIFA-Regularien ausgenutzt. "Wenn ein Familienmitglied unabhängig vom Fußball eine Arbeit nachweisen kann, darf ein Kind laut FIFA-Regeln über alle Grenzen hinweg wechseln", sagte Peters: "Natürlich nutzen Vereine das aus. Der FC Barcelona hat das, soweit man das von außen beurteilen kann, offenbar mit einer gewissen Ignoranz durchgezogen."

"Hier hat alles seine Ordnung"

Barca sieht sich hingegen als Opfer einer Verschwörung. Laut Bartomeu war eine anonyme Anzeige Anfang Februar der Auslöser für die Ermittlungen der FIFA. Bartomeu nannte die Strafe "unverhältnismäßig und sieht seinen Klub als "Opfer einer großen Ungerechtigkeit". Bartomeu betonte, dass im Nachwuchszentrum der Katalanen kein Kind ohne Einwilligung seiner Eltern spiele: "Hier hat alles seine Ordnung."

Die Planungen für die kommende Saison bleiben laut des Barca-Chefs vorerst unverändert. Noch immer ist offen, ob der mögliche Transfer des Torhüters Marc-André ter Stegen (21) von Borussia Mönchengladbach betroffen ist.

Schon Probleme beim Neymar-Transfer

Zuletzt hatten die Katalanen, Klub des viermaligen Weltfußballers Lionel Messi, nachträglich durch den Transfer von Brasiliens Ausnahmespieler Neymar für Negativschlagzeilen gesorgt. Ursprünglich sollte der brasilianische Superstar 57,1 Millionen Euro kosten, am Ende stellte sich heraus, dass sich die tatsächlichen Kosten für den ehemaligen FC-Santos-Profis auf insgesamt 86,2 Millionen Euro belaufen hatten.

Der spanische Fiskus hatte daraufhin ein formales Ermittlungsverfahren gegen den katalanischen Renommierklub wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung aufgrund mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten beim Neymar-Transfer aufgenommen. Der spanische Meister zahlte daraufhin laut eigener Darstellung "freiwillig" 13,5 Millionen Euro an den Fiskus.

Allerdings sei der Verein überzeugt, sich bei dem Transfer des brasilianischen Ausnahmespielers legal verhalten zu haben. Als Schuldeingeständnis sei die Zahlung auf keinen Fall zu werten. Genau 13.550.830,56 Euro wurden vorsorglich gezahlt. Aufgrund der Enthüllungen um den Neymar-Wechsel war im vergangenen Januar der langjährige Barca-Präsident Sandro Rosell zurückgetreten.

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