Jose Mourinho: Kann ihn die Meisterschaft bei Real Madrid retten?

Er sollte Real besser als Barca machen. Das aber ist „Mou“ nicht gelungen. Muss er am Ende der Saison trotz Meisterschaft gehen? Eine Analyse...

Jose Mourinho - Real Madrid
Jose Mourinho - Real Madrid
ANALYSE
Von Ben Hayward | Spanien-Experte, Goal.com International

Ein neues Jahr, ein neues Clasico. Aber das erste Aufeinandertreffen 2012 endete für Real Madrid nur allzu ähnlich, wie im Jahr zuvor. Gegen den größten Rivalen aus Barcelona gab es eine 1:2-Niederlage. Wie im vergangenen Dezember im Santiago Bernabeu ging Real erneut in Führung, um am Ende zu verlieren. Barca kam zurück und spielte im zweiten Durchgang seine Überlegenheit aus. Wieder einmal ergriff die Mannschaft von Jose Mourinho die Initiative. Und wieder einmal täuschte das.

Ziel bisher verfehlt

Mourinho kam nach Madrid, um die klare Dominanz des FC Barcelona in der Heimat und in Europa zu durchbrechen. Aber nach neun direkten Duellen mit dem großen Rivalen ist er dem Knacken des Codes noch nicht näher gekommen. Womöglich wird er in diesem Jahr die Meisterschaft gewinnen. Aber wäre das genug, um seinen Job über die aktuelle Saison hinaus zu retten?

In seinem ersten Clasico erlitt der Portugiese seine denkwürdigste Niederlage, als er ein einseitiges Spiel mit 0:5 im Camp Nou verlor. Auch wenn die Mannschaft von Mourinho Kredit einspielen konnte mit dem Gewinn der Copa del Rey im April, so sicherte sich Barcelona doch mit der Meisterschaft und der Champions League die größten Titel. International wurde dabei im Halbfinale im April und im Mai auch Real Madrid ausgeschaltet. In seiner zweiten, groß angekündigten Saison sollte Mourinho den FC Barcelona stürzen. So lautete der Plan. Bisher liefen die Dinge aber nicht nach Plan.


Verschiedene Philosophien | Barcelona war zuletzt erfolgreicher mit Pep als Madrid mit Mou

Die Saison 2011/2012 begann mit der spanischen Supercopa. Und auch wenn sich Madrid dabei durchaus im Vorfeld der Spielzeit sehr ordentlich präsentierte, verlor das Team von Mourinho insgesamt nach Hin- und Rückspiel mit 4:5. Im Dezember war dann der Optimismus vor dem Spiel noch klarer gewesen. Mit einem Sieg konnte Madrid in der Liga-Tabelle neun Punkte vor Barca stehen. Nach 22 Sekunden ging das Team in Führung. Danach aber riss Barcelona wieder das Spiel an sich und gewann mit 3:1.

Gestern war es ähnlich. Und nach dem letzten Pfiff waren Frustration und Hohn fast spürbar im berühmten Stadion des erfolgreichsten europäischen Vereins. Im Pressebreich nahm Mourinho anschließend die komplette Verantwortung auf sich. Dieses Mal gab es keine Entschuldigungen oder Proteste vom Portugiesen. Sein Team wurde gechlagen und fertig. Aber er hörte auch das unzufriedene Murmeln der Massen und mit dieser Unzufriedenheit muss er nun vorerst umgehen können.

Ich habe sehr viel Selbstvertrauen, und habe keine Angst vor einer Entlassung. Vier Jahre sind genügend Zeit, um eine starke Mannschaft für die Gegenwart und die Zukunft zu errichten.

- Mourinho bei seiner Vorstellung in Madrid

Nach dem Spiel titelte die Marca: „Mourinho, so geht es auch nicht.“ Und außerdem veröffentlichte die größte spanische Zeitung ein Video, auf dem Fans den Rücktritt des Übungsleiters forderten. Schon vor dem Spiel hatte ein Journalist von einem Radiosender Zweifel auf der Pressekonferenz gegenüber Mourinho ausgedrückt. Der Portugiese antwortete: „Wie viele Titel muss ich gewinnen, um nicht in Frage gestellt zu werden?“ Die Antwort darauf ist nicht klar.

Mourinho wäre glücklich

Die Message von Mourinho gestern Abend war hingegen klar: Nun müsse die Konzentration wieder auf die Liga am Wochenende gelegt werden. Natürlich wolle man am kommenden Mittwoch im Pokal noch das Ergebnis drehen. Für den Moment zähle aber nur La Liga. Wäre er auch glücklich, die Meisterschaft zu gewinnen, ohne Barca dabei zu schlagen? „Ja“, sagt er: „Das würde mich freuen.“

Derzeit liegt Madrid nach 18 Spielen in der Tabelle fünf Punkte vor Barcelona. Zwischen jetzt und dem Ende der Saison wird es aber noch ein Duell im Camp Nuo geben. Bis dahin wird der Ausgang im Pokal zwischen den beiden Mannschaften längst entscheiden sein und auch in der Champions League könnten die Teams dann erneut aufeinander getroffen sein.

Ich trage die Verantwortung, besonders nach Niederlagen. Erfolge haben viele Väter, Niederlagen nur einen. Ich bin lange im Geschäft und weiß das. Wir haben zusammen den Pokalsieg gefeiert. Aber jetzt bin ich der einzige Vater.
- Jose Mourinho gestern Abend

Die Meisterschaft in dieser Saison wäre ein toller Erfolg im zweiten Mourinho-Jahr im Santiago Bernabeu. Und es wäre für ihn bereits die vierte nationale Meisterschaft in unterschiedlichen Ländern. Zuvor war er bereits in Portugal, England und auch Italien erfolgreich gewesen. Das ist ein persönliches Ziel von Mourinho und danach könnte er entscheiden, ob er nicht woanders doch besser aufgehoben ist.

Vielleicht wird diese Entscheidung dann aber auch für ihn getroffen. Madrid hat schon oft Trainer nach Erfolgen entlassen. So ging es Jupp Heynckes, nachdem er 1998 die Champions League gewann. Ein paar Jahre später wurde auch der erfolgreiche Vincente del Bosque entlassen. Und der Italiener Fabio Capello musste nach dem Gewinnn der Meisterschaft in der Saison 2006/2007 seinen Koffer packen.

Titel als Abschiedsgeschenk?

Der „Fall Capello“ ist vergleichbar mit Mourinho. Auch der Italiener spielte durchaus ordentlich, aber es mangelte an Stil und Konstanz. Es war nicht die Art und Weise von Madrid. Das selbe könnte nun auch Mourinho gesagt werden. Im Moment würden die Fans von Real auch etwas schwächere Entwicklungen und sogar schlechtere Leistungen in Kauf nehmen, wenn doch wenigstens regelmäßig ein Sieg gegen Barcelona möglich wäre.

Aber das ist es nicht. Und das war es auch nicht am Mittwoch-Abend. Auch wenn die Mannschaft von Real Madrid nicht in Top-Besetzung spielen konnte: Die Kontrolle im Fußball hat insgesamt der FC Barcelona und er wird sie weiterhin haben. Wenn diese Konstellation auch für den Rest der Saison so bleibt, könnte die Meisterschaft nur ein Abschiedsgeschenk für Mourinho sein.

Eure Meinung: Sollte Mourinho selbst im Falle einer Meisterschaft in Madrid am Ende der Saison gehen?

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