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Der Montenegriner begann als Frühreifer in Belgrad, verzückte später die Serie A. Bei Manchester City fiel er bisher vor allem mit Verletzungen auf. Ist seine Zeit nun gekommen?

Manchester. Jürgen Röbers rund siebenmonatige Amtszeit bei Partizan Belgrad war nicht gerade der Prototyp einer erinnerungswürdigen Trainerstation. Nach verpasster Meisterschaft wurde der ehemalige Bundesliga-Coach (unter anderem vom VfB Stuttgart und von Hertha BSC) am Ende der Saison 2005/2006 beim serbischen Spitzenklub entlassen. Allerdings nicht, ohne dann doch noch einen bedeutenden Eckpfeiler hinterlassen zu haben. Denn unter Röber feierte am 8. April 2006 ein 16-jähriges Supertalent namens Stevan Jovetic sein Profi-Debüt bei Partizan.

Damals schon fiel der Offensivspieler dank jener Stärken auf, die ihn auch heute auszeichnen: Ein hervorragender Abschluss mit beiden Füßen, enormer Zug zum Tor und eine ausgefeilte Ballbeherrschung. Mit 13 Jahren war Jovetic von FK Mladost aus seinem Geburtsort, der heutigen montenegrinischen Hauptstadt Podgorica, ins rund 400 Kilometer entfernte Belgrad ausgezogen, genoss dort die Ausbildung in Partizans hoch angesehener Nachwuchs-Akademie.

Double als Teenie-Kapitän

Als Frühreifer folgte besagte Premiere im Trikot der ersten Mannschaft. Dennoch baute man Jovetic behutsam auf, ließ ihn erst in der Saison 2007/2008 zum festen Bestandteil der Profi-Elf werden. Und der Teenager startete voll durch, trug mit zahlreichen Treffern zu Partizans Double aus Meisterschaft und Pokal bei, avancierte als 18-Jähriger gar bereits zum Kapitän der Mannschaft.

Dementsprechend lang war die Schlange der europäischen Granden, die sich Jovetics Dienste sichern wollten. Den Zuschlag erhielt 2008 der AC Florenz. In der Toskana verbrachte der Montenegriner fünf Jahre, wuchs zum wichtigsten Spieler der Viola heran. Doch trotz aller erfolgreichen Momente hatte er bereits in Italien mit Verletzungspech zu kämpfen. So verpasste er etwa die komplette Saison 2010/2011 aufgrund eines Kreuzbandrisses.

Vorschusslorbeeren versiegen

Umso eindrucksvoller meldete sich Jovetic mit konstant hoher Torqute in den beiden folgenden Spielzeiten zurück, vollzog im Sommer 2013 seinen Wechsel zu Manchester City. Die Premierensaison bei den Citizens endete zwar mit dem Meistertitel – persönlich verlief sie für den 24-Jährigen allerdings enttäuschend. Erst gegen Ende fand er seinen Rhythmus, zwischenzeitlich fiel Jovetic von Anfang November bis Ende Januar verletzungsbedingt aus.

Lediglich 13 Premier-League-Einsätze konnte er daher verbuchen, nur zweimal reichte es für die Startelf. Die Ausbeute: Ein Assist und drei Tore. Zwei davon gelangen Jovetic in der Schlussphase der Saison bei klaren Siegen gegen Southampton und Aston Villa. In jenen Wochen blitzte das Potenzial von Jovetic hier und da auf.

Es geht aufwärts

In der Vorbereitung auf die kommende Runde scheint sich dieser positive Trend nun fortzusetzen. Beim stark besetzten International Champions Cup in den USA netzte der Mann mit der Rückennummer 35 fünfmal in drei Spielen ein. Jeweils ein Doppelpack gegen den AC Mailand (5:1) und den FC Liverpool (2:2), dazu ein Treffer beim 2:2 zum Abschluss gegen Olympiakos Piräus. „Ich habe schon immer gesagt, dass Stevan für uns ein sehr wichtiger Spieler sein kann, wenn er fit ist“, lobte City-Coach Manuel Pellegrini nach dessen starkem Auftritt im Duell mit Liverpool.

Extra-Motivation für Jovetic, der vor Tatendrang sprüht: „Ich hatte eine gute Vorbereitung und kann es kaum erwarten, dass es endlich los geht. Das größte Problem in der vergangenen Saison waren meine vielen Verletzungssorgen“, erklärte er laut sportal.com.au. Spekulationen, dass City den montenegrinischen Nationalspieler zu Juventus Turin oder AS Rom ziehen lassen will, haben sich mittlerweile erübrigt.

Vertrauen vom Trainer

Denn Trainer Pellegrini setzte auch in den ersten Pflichtspielen auf Jovetic, beorderte ihn sowohl beim Community Shield gegen Arsenal (0:3) als auch zum Liga-Auftakt bei Newcastle United (2:0) in die Startelf. Danken konnte es der Ex-Fiorentina-Star zumindest mit ordentlichen und couragierten Leistungen, wenngleich er die positiven Eindrücke der Vorbereitung nicht vollständig erfüllte.

Das wäre zukünftig allerdings zwingend notwendig, um sich eine gute Position in Citys Stürmer-Hierarchie zu erarbeiten. Wenn Sergio Aguero nach verlängertem WM-Urlaub alsbald wieder richtig durchstartet, könnte Jovetic hinter dem Argentinier und dem nach seiner Vertragsverlängerung wohl gesetzten Edin Dzeko wieder zu Angreifer Nummer drei degradiert werden. Sicher scheint zumindest, dass er gegenüber Alvaro Negredo, der sich aktuell im Krankenstand und ohnehin seit Längerem im Formtief befindet, die Nase vorn hat.

Weithin ist Jovetic offensichtlich auf gutem Wege, wie seinerzeit nach dem Kreuzbandriss in Florenz gestärkt aus einer gesundheitlichen Misere hervorzugehen. Die nächste Möglichkeit, diese Entwicklung zu untermauern, könnte er im Topspiel gegen den FC Liverpool am Montagabend (ab 21 Uhr im LIVE-Ticker) bekommen. 

Im Kampf um die Titelverteidigung erwartet er indes „eine wirklich harte Saison“, sieht in Arsenal, Chelsea, Liverpool und Stadtrivale United vier gut aufgestellte Konkurrenten. „Wir müssen an uns selbst glauben“, fordert er. „Dann können wir die Meisterschaft hoffentlich wieder gewinnen.“ Diesmal hätte der Angreifer gerne einen etwas größeren Anteil daran – und auch Jürgen Röbers Zeit bei Partizan Belgrad würde im Nachhinein ein wenig Glanz gewinnen. Dank des 16-jährigen Supertalents von damals.

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