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Anelka sorgte am Samstag in der Premier League mit einer umstrittenen Geste für Aufregung. In seinem Heimatland Frankreich tobt seit Monaten eine hitzige Debatte um den Gruß.

West Bromwich. Nach seiner umstrittenen Geste war bei Nicolas Anelka von Reue keine Spur. Im Gegenteil: Der unter Antisemitismus-Verdacht stehende ehemalige französische Nationalstürmer versuchte sogar den US-Präsidenten Barack Obama als Rechtfertigung zu benutzen - doch das misslang völlig.

Nach dem umstrittenen "Quenelle-Gruß" im Spiel seines Klubs West Bromwich Albion bei West Ham United (3:3) veröffentlichte der 34-Jährige beim Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto Obamas, das diesen offenbar ebenfalls bei der Geste zeigen sollte. Nur: Es stimmte nicht. Ein weiterer Fauxpas des Franzosen, dem nach übereinstimmenden Medienberichten eine Sperre durch den englischen Fußball-Verband FA droht.

So ganz konnte Anelka die Aufregung auch am Sonntag Nachmittag nicht verstehen: "Die Geste hat nichts mit Religion zu tun, sondern geht gegen das System. Die Leute sollten den Medien nicht alles glauben, ich bin weder Rassist noch Anti-Semit", schrieb er bei Twitter.

In seinem Heimatland sorgte Anelka, ohnehin schon als Enfant terrible verschrien, für gehörige Aufregung und heizte die gesellschaftliche Debatte um den umstrittenen Gruß - eine Hand auf den ausgestreckten anderen Arm - weiter an. Denn die vom Komiker Dieudonne, einem Freund Anelkas, erfundene Geste erhitzt in Frankreich seit Monaten die Gemüter. Dabei reichen die Interpretationen des "umgekehrten Hitlergrußes" von "gegen das Establishment gerichtet" bis eben hin zu "antisemitisch". Zuletzt waren zwei französische Soldaten wegen des Grußes bestraft worden.

Frankreichs Sportministerin Valerie Fourneyron sprach bei Twitter von einer "schockierenden Provokation", der Europäische Jüdische Kongress (CJE) verurteilte die Aktion aufs Schärfste. Bromwichs Interimstrainer Keith Downing erklärte allerdings nach dem Spiel, Spekulationen über einen antisemitischen Hintergrund der Aktion seien "Müll". Und stand damit aber ziemlich alleine. "Ekelhaft", titelte der Sunday Telegraph.

Ohnehin machte es der Verweis auf die Freundschaft mit Dieudonne auch nicht besser. Der ehemals linke Komiker gilt mittlerweile in Frankreich als eine neue Symbolfigur der extremen Rechten und wurde bereits mehrmals wegen antisemitischer Äußerungen verurteilt. Erst vor wenigen Tagen hatte er einen jüdischen Radiomoderator mit allzu deutlichen Anspielungen auf den Holocaust beleidigt.

Das französische Innenministerium erklärte daraufhin am Freitag, dass es prüfe, wie es weitere Auftritte Dieudonnes verhindern könne. Auch vor diesem Hintergrund ist der Auftritt Anelkas mehr als fragwürdig, zumal im Internet weitere Fotos von Anelka mit dem "Quenelle-Gruß" kursieren.

Dieudonne meldete sich am Sonntag zu Wort und gratulierte Anelka zu dessen Geste - und verwies erneut darauf, dass diese nicht antisemitisch sei. Dem widersprach allerdings der Rechtsextremismus-Experte Jean-Yves Camus in der Zeitung Libération: "Die Geste ist ein Identifizierungscode und gewinnt unter jungen Menschen immer größere Popularität. Allerdings ist nicht sicher, ob jeder um die Bedeutung weiß", sagte Camus. Die Anhängerschaft Dieudonnes, so der Wissenschaftler, sei vielschichtig und gegen das System gerichtet. Die gemeinsame Basis bilde allerdings der Antisemitismus.

Auch Liverpools Abwehrspieler Mamadou Sakho hatte sich vor einigen Wochen mit dem Komiker und in umstrittener Pose fotografieren lassen. Allerdings distanzierte er sich im Gegensatz zu Anelka wenig später davon und erklärte, er sei "hereingelegt worden".

Erst kurz vor Weihnachten war der kroatische Nationalspieler und ehemalige Bundesligaprofi Josip Simunic vom Weltverband FIFA wegen eines faschistischen Grußes für zehn Spiele gesperrt und von der WM im kommenden Jahr in Brasilien ausgeschlossen worden.

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