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Goal Transfer List 2013: Eine Reihe privater Treffen, eine gewaltige Ablösesumme – all das war nötig, um den Transferrekord bei Arsenal zu brechen und einen der überraschendsten Wechsel des Jahres möglich zu machen.

SPECIAL REPORT
Von Wayne Veysey

Sollte je ein Film über die Schlüsselmomente in der jüngeren Geschichte des FC Arsenal gedreht werden, wäre das Ganze nur dann ernstzunehmen, wenn auch Totteridge darin vorkäme.

Im weitläufigen Grün dieses exklusiven Vorortes im erweiterten Londoner Norden hat Arsene Wenger sein privates Domizil. Und wenn der Franzose wichtige Geschäfte rund um seinen Verein zu erledigen hat, die nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt sind, lädt er auch schon mal in sein Anwesen.
ARSENAL SUCHT DEN SUPERSTAR:
GEPLATZTE SOMMER-TRÄUME
 GONZALO HIGUAIN | REAL MADRID
Man hatte sich mit dem Real-Stürmer schon über das Gehalt geeinigt, doch der gab den Gunners schließlich doch einen Korb und ging nach Neapel.
 LUIS SUAREZ | LIVERPOOL
Lange schon war man am Liverpool-Stürmer interessiert gewesen und legte dann ein Angebot vor, doch die Reds konnten ihren Star schließlich halten.

 MAROUANGE FELLAINI | EVERTON
Man bot 26 Millionen im Juni, doch verlor dann das Interesse am Belgier, der am Deadline Day zu Manchester United wechselte.

 ANGEL DI MARIA | REAL MADRID
Man hoffte, den als wechselwillig eingeschätzten Argentinier aus dem Bernabeu lotsen zu können. Di Maria beschloss, zu bleiben und um seinen Platz zu kämpfen.

 KARIM BENZEMA | REAL MADRID
Die Gunners meldeten zwar Interesse am Franzosen an, doch der zerstreute schnell alle Gerüchte, Real verlassen zu wollen.

Als Arsenals Vorstand David Dein per Handstreich entließ, war seine erste Zuflucht Wengers Haus. Als Robin van Persie die Vertragsgespräche zu Beginn jenes Sommers eröffnete, in dem er schließlich zu ManUnited wechseln sollte, fand das erste Gespräch bei Arsene Wenger statt.

Und als Arsenal den größten Deal der Vereinsgeschichte fixierte, ging das ebenfalls beim Franzosen daheim vonstatten.

Es war in Totteridge, nicht im Emirates, nicht auf Arsenals Trainingsgelände in Colney oder einem anonymen Hotel, wo Mesut Özil schließlich seinen aufsehenerregenden 50-Millionen-Wechsel von Real Madrid zum FC Arsenal unter Dach und Fach brachte.

Wenger kommentierte den im November vollzogenen Rekorddeal der Gunners so: "Der erste Kontakt fand in meinem Haus statt, um Diskretion zu wahren. Özil kam zu mir und traf eine schnelle Entscheidung. Er wusste innerhalb von 24 Stunden, was er wollte."

Das entscheidende Treffen fand in der Woche vor Schließung des Sommer-Transferfensters stattfand. Mithilfe von viel Geheimniskrämerei, die bei den großen Transferdeals nicht unüblich ist (wer wird je vergessen, wie Dimitar Berbatov unter einer Decke versteckt in Sir Alex Fergusons Auto zum Old Trafford gebracht wurde?), konnte Arsenal sein Werben um Özil vor der Öffentlichkeit verbergen.

Nachdem eine mündliche Übereinkunft bei Wenger zu Hause getroffen worden war, besuchte Özil das Arsenal-Trainingsgelände und absolvierte den ersten Teil seines Medizinchecks.

Arsenal ist ein Verein, der seine Geschäfte gern abseits des großen Scheinwerferlichts abwickelt, und da man die Rivalen von Tottenham nicht auf eine mögliche Ankunft Özils im Emirates aufmerksam machen wollte, war die verdeckte Operation durchaus sinnvoll.

Real wiederum war ob des Drucks, den die Spurs bei den Verhandlungen um Gareth Bale aufbauten, angesäuert, und so stimmten sie dem Deal zu, der am Ende Özils Abschied ins Emirates praktisch unmittelbar besiegelte, nachdem er in Madrid ersetzt worden war.

Zusätzlich zur Erlaubnis für Özil, mit den Vertretern der Gunners zu verhandeln, einigten sich die Real-Bosse mit Arsenal, dass Özil am Sonntag, dem 1. September nicht für Real im Ligaspiel gegen Athletic Bilbao auflaufen würde – dem letzten Tag, bevor sich das Transferfenster schloss.

Die Madrilenen konnten Özils Abschied nicht final zustimmen, bis man den Weltrekorddeal mit Bale abgeschlossen hatten, der schließlich um 19.00 Uhr am Sonntagabend bestätigt wurde.

Die Oberen von Real Madrid waren enttäuscht über die ihrer Meinung nach überflüssigen Verzögerungen Tottenhams in der letzten Verhandlungsphase um Bale. Sie verdächtigten Spurs-Manager Daniel Levy, die Sache zu verschleppen, damit Arsenal Özil oder irgendeinen anderen Real-Spieler auf ihrer Liste nicht rechtzeitig zum Nord-London-Derby an diesem Sonntag hätte anmelden können. Wengers Team gewann die Partie schließlich mit 1:0.

Die Gunners hatten sich Özil zugewandt, nachdem man einige andere Wunschspieler nicht hatte holen können; darunter Luis Suarez, Gonzalo Higuain und Marouane Fellaini. Früh im August erfuhr man zudem, dass Bale einem Wechsel nach Spanien grundsätzlich zugestimmt hatte. Wenger wusste, dass ein Real-Star den Verein verlassen musste, um den Bale-Transfer zu finanzieren.

Wenger reagierte auf das katastrophale 1:3 Arsenals gegen Aston Villa am ersten Spieltag der Premier League, indem er grünes Licht dafür gab, sich um Özil und Angel Di Maria zu bemühen. Die Gunners probierten es auch bei Karim Benzema, auch wenn man dies eher als unwahrscheinlich ansah, da hierfür weitere Kettenreaktionen bei den Transfers notwendig gewesen wären. Real signalisierte, dass sowohl Di Maria als auch Özil grundsätzlich verkäuflich seien - man wollte die Kosten senken und Platz für Bale schaffen.

Arsenal legte ein Angebot über 30 Millionen Euro für Di Maria auf den Tisch und schob eine formale Anfrage bezüglich Özil hinterher. Der hatte just auf seine Auswechslung durch Ancelotti beim 1:0-Sieg gegen Granada am 26. August reagiert, indem er direkt aus dem Stadion und in den Teambus gestürmt war.

Besorgt darüber, in der WM-Saison aus dem Team zu fallen und angetan von der Vorstellung, ein Schlüsselspieler bei Arsenal zu sein, ließ sich Özil in den Gesprächen mit Wenger davon überzeugen, nach London zu kommen.


Turnaround | Özils Ankunft impfte Arsenal neues Selbstvertrauen ein

Goal enthüllte am 1. September exklusiv, dass Arsenal sich mit Real in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Özil-Wechsel befand – am Tag, als dieser beim mittäglichen Ligasieg Reals gegen Bilbao nicht zum Einsatz kam. Nachdem eine Ablöse, die Arsenals Transferrekord beinahe verdreifachte, mit Real am Sonntagabend ausgehandelt worden war, begann Arsenal die formalen Verhandlungen mit den Beratern des Spielers.

Der ursprüngliche Plan war gewesen, Özil am Montag zurück nach London fliegen zu lassen, um den Medizincheck zu absolvieren, doch das stellte sich durch seine Anwesenheitspflicht in München, wo er mit der deutschen Nationalmannschaft einen Werbefilm vor den zwei WM-Quali-Matches drehen sollte, als problematisch heraus.

Da der 25-Jährige aber bereits die ersten Untersuchungen durchlaufen hatte, gab sich Arsenal damit zufrieden, dass Özil die medizinischen Tests unter den Augen vom Bayern- und DFB-Arzt Müller-Wohlfahrt komplettierte.

Die Bedingungen des Fünfjahresvertrags, der ihm gut 155.000 Euro die Woche einbringen würde (was ihn zu Arsenals Topverdiener machte), wurden am Vormittag des letzten Tages vor Schließung des Transferfensters ausgehandelt. So waren nur noch Formalitäten zu klären, bevor der Königstransfer verkündet wurde - der Topspieler, auf den die Fans den ganzen Sommer gewartet hatten.

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