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Warum Mesut Özil perfekt zum FC Arsenal passt

Der Rekordtransfer der Londoner kann die "Gunners" mit seinen tödlichen Pässen entscheidend weiterbringen: Mit Mesut Özil legt Arsenal deutlich an Torgefahr zu.

ANALYSE
von Ewan Roberts

London.
Arsenal brauchte Mesut Özil nicht. Man benötigte einen Weltklasse-Stürmer, einen Antreiber im Mittelfeld und letzten Endes einen erfahrenen Schlussmann. Dennoch, ob zufällig oder geplant, verpflichtete man den Worten Jürgen Klopps zufolge eine "Granate". Und auch wenn Arsene Wenger seine Prioritäten nicht gänzlich erfüllen konnte, gibt es keine Zweifel, dass die Mannschaft durch Özils nahezu unvergleichliche Qualität auf eine andere Stufe gehoben wird.

Der deutsche Nationalspieler, in den Augen seines Ex-Trainers Jose Mourinho "der beste Zehner der Welt",
ÖZILS KARRIERE IN ZAHLEN
  TEAM JAHR SPIELE TORE
Arsenal 2013- 0 0
R.Madrid 2010-13 159 27
W.Bremen 2008-10 108 18
Schalke 2006-08 39 1
schließt sich einer Mannschaft an, die bereits gut mit kreativen Spielern bestückt ist. Möglicherweise verfügt von diesen aber keiner über eine so gnadenlose Effektivität im letzten Drittel wie der 24-Jährige.   

Arsenal kommt nicht zum Schuss

Arsenals Saisonfinale war trotz des Überangebots an Spielmachern von der Unfähigkeit geprägt, die Überlegenheit in Tore umzumünzen. In fünf der letzten sechs Spiele gelang den "Gunners" nicht mehr als ein Treffer. Im April gegen Fulham hatte man beispielsweise 64 Prozent Ballbesitz, kreierte aber nur drei Torschüsse. Gegen Everton waren es 55 Prozent und nur zwei Chancen - und null Tore.

Dieses Problem setzte sich auch in der neuen Saison fort: Bei der 1:3-Auftaktniederlage gegen Aston Villa registrierten die Statistiker am Ende nur vier Torschüsse bei 64 Prozent Ballbesitz. Möglicherweise braucht Arsenal Özil dringender, als die Mehrheit glaubt.

Özil - der Mann der teuflischen Schlenzer

Zu Unrecht wird der 24-Jährige mit den übrigen Spielmachern der Londoner in einen Topf geworfen, denn Özil ist wesentlich vernichtender. Er ist mehr als nur ein Ballverteiler, er kann aus dem Nichts Möglichkeiten kreieren. In Zeiten, wo Tom Carrols Fünf-Meter-Pass vor Gareth Bales Siegtreffer aus 30 Metern gegen West Ham als Assist gewertet wird, hat Özil Kreativität neu definiert.

Der deutsche Nationalspieler sieht das Spiel in Zeitlupe, erkennt winzige Lücken in der Abwehrreihe des Gegners und spielt im Bruchteil einer Sekunde den richtigen Pass. Eine außergewöhnlich große Zahl an Vorlagen des 24-Jährigen serviert er sprichwörtlich auf dem Tablett. Teuflische Schlenzer, Finten, die das Tor öffnen, und Flanken mit dem Außenrist, die sogar die Torhüter aus dem Gleichgewicht bringen - Özil muss nicht zum Abschluss kommen, um einem Kontrahenten den Gnadenstoß zu versetzen.



Özil besser als Cazorla und Baines

Der einstige Bremen-Star assistierte in der letzten Spielzeit bei 24 Großchancen, rein statistisch somit alle 84 Minuten - mehr als jeder andere Spieler in den fünf Topligen. Außerdem gab er 91 Mal das Zuspiel vor dem Abschluss, durchschnittlich alle 22 Minuten, und verbuchte, seit dem Wechsel zu Real Madrid, ganze 47 Vorlagen. Eine Zahl, mit der nur Lionel Messi über den gleichen Zeitraum mithalten kann.

Zum Vergleich: In der Premier League spielte Leighton Baines mit 21 Großchancen die meisten heraus, durchschnittlich aber nur alle 162 Minuten eine. Arsenals Bester in dieser Kategorie, Santi Cazorla, legte 15 auf, aber nur alle 220 Minuten eine.

Wer verwertet Özils Pässe?

Allerdings gibt es zwei Probleme: Zum einen dürfte Cazorla auf den Flügel versetzt werden, um Mesut Özil Platz in der Mitte zu schaffen. Dort präsentierte sich der Spanier in der Vorsaison aber wenig effektiv. Zum anderen mag Özil zwar Großchancen schaffen, aber Olivier Giroud vergab solche zuletzt auch regelmäßig.

Nur vier der 23 Großchancen, die vom Franzosen abgeschlossen wurden, landeten im Tor. Einzig Robin van Persie verschenkte mehr - nutzte aber gleichzeitig insgesamt 43 Prozent seiner Chancen, während Giroud nur bei 17 Prozent vollstreckte. Zur Verteidigung des Angreifers muss man anmerken, dass der Franzose sehr vielversprechend in die neue Saison gestartet ist.

Özil und Arsenals Konterspiel - wie füreinander geschaffen

Eine Facette Arsenals, für die Özil wie maßgeschneidert scheint, ist das Konterspiel des Klubs. In der letzten Saison erzielten die Londoner sieben Tore nach Gegenstößen - Spitze in der Premier League. Das Auge für den freien Raum, sein blitzschnelles Passspiel und seine Vorstöße - wie es den englischen Zuschauern 2010 in Bloemfontein gegen Fabio Capellos "Three Lions" vorgeführt wurde - passen perfekt in dieses Konzept.

Diese Fähigkeiten wurden in der spanischen Hauptstadt geschärft. Unter Trainer Jose Mourinho erzielten die "Königlichen" 50 Tore nach Kontern in drei Spielzeiten. Theo Walcott könnte damit endlich sein Pendant im Mittelfeld gefunden haben, um seine Geschwindigkeit besser auszuspielen.

Özil: Blitz, Dämon und Assassine in einer Person

Walcott lauert immer auf Höhe des letzten Mannes auf den schnellen Steilpass. Das klappt angesichts des eigenen Übereifers und Arsenals konservativem Naturell zu selten. Özils Risiko-Pässe, seine Perfektion bei Timing und Dosierung könnten den schnellen Engländer in neue Sphären katapultieren.

Nicht zuletzt deshalb scheint Özil eine fantastische Ergänzung für die Londoner und meilenweit entfernt, die überflüssige, von den eigentlichen Problemen ablenkende Verpflichtung zu sein, als die er betracht werden könnte.

Özil ist ein explosives Element im letzten Drittel, ein Dämon des tödlichen Passes und wahrscheinlich eines der belebendsten Talente, die je vom Ausland in die Premier League wechselten.
 
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