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Manchester United: Wayne Rooney und Sir Alex Ferguson auf Kollisionskurs

Der Trainer der „Red Devils“ hat das Vertrauen in den inkonstanten Superstar verloren und plant einen Verkauf im Sommer. Rooney selbst will aber bleiben.

Report
von Liam Twomey

Manchester.
Als er am Dienstag lächelnd aus dem Mannschaftsbus von Manchester United stieg, wusste Wayne Rooney nichts von der Demütigung, die ihm bevorstand. Tatsächlich war kaum jemand eingeweiht: Sir Alex Ferguson hatte unmittelbar vor der anstehenden Partie gegen Real Madrid nur einige wenige erfahrene Spieler von seiner geplanten Aufstellung in Kenntnis gesetzt. Dass Rooney nicht dabei war, spricht eine klare Sprache.

Rooney soll gehen

Der Stürmer, ein Superstar und Symbol seines Klubs seit fast einem Jahrzehnt, wurde zugunsten eines jungen, unerfahrenen Angreifers, eines unzuverlässigen Flügelspielers und einer 39-jährigen Legende abgesägt.

So groß die Überraschung war: Rooneys Versetzung auf die Bank ist bloß eine Fortsetzung des Prozesses, der die Beziehung zwischen dem englischen Nationalspieler und Trainer-Urgestein Sir Alex Ferguson seit drei Jahren untergräbt.

Ein Bruch steht bevor. Ferguson will Rooney loswerden. Der Stürmer hat jedoch keine Eile, auch nur irgendwohin zu gehen. Hier ist der 27-Jährige im Vorteil: Sobald das Transferfenster im Sommer geschlossen ist, wird sein Wert einbrechen. Ist er am 1. September immer noch bei Manchester unter Vertrag, steht das vorletzte Jahr seines Kontraktes an. Mit einem ablösefreien Transfer in Sichtweite.

Der verlorene Sohn

Selbst in Zeiten, in denen sie sich nahe standen, gab es Probleme. Rooney eröffnete in seiner Autobiographie „My Decade“, er habe oft zurückgebrüllt, wurde er Ziel von Fergusons berüchtigten Tiraden. „Ich mag es nicht, angeschrien zu werden“, heißt es. „Ich sage ihm dann, dass er falsch liegt und ich recht habe.“

Trotz allem sah Uniteds Trainer in dem Stürmer lange eine Art verlorenen Sohn. Bis Oktober 2010, als der englische Nationalspieler in den schlimmsten Monaten seiner Karriere offen mit einem Wechsel liebäugelte und die Ambitionen des Klubs in Frage stellte.

Während die Abwanderungsgedanken Ferguson verletzten, ließ Letzteres den Schotten innerlich brodeln. Rooneys Zweifel an den eigenen Team-Kollegen wurde als persönliche Kränkung des Trainers angesehen. Und obwohl der Stürmer seinen Vertrag verlängerte, hat das Trainer-Urgestein weder vergessen noch vergeben.

Van Persie verdrängt Rooney

Der Transfer von Robin van Persie gefährdete zudem Rooneys Status als Stammkraft. Die vom Angreifer selbst geforderte Investition in den Kader erwies sich nicht als Beweis seines wachsenden Einflusses in Manchester. Stattdessen verdrängte der Niederländer den 27-Jährigen in die zweite Reihe.

So beeindruckend sich die Statistiken des Stürmers auch lesen – 18 Tore und 15 Assists in 32 Auftritten für Klub und Nationalmannschaft – ist Rooney in den Augen von Sir Alex Ferguson nicht mehr der Spieler, der noch vor drei Jahren die Premier League dominierte und Einfluss auf wichtige Spiele nahm.

Geht Rooney schon im kommenden Sommer?

Rooneys lukrativer Vertrag läuft noch bis 2015. Ferguson zeigt aber kein Interesse, den Kontrakt zu erneuern und weiterhin viel Geld in einen Spieler zu investieren, der es seiner Ansicht nach nicht verdient. Die einzig andere verblieben Lösung ist: den Stürmer zu verkaufen. Möglichst im kommenden Sommer, um noch eine hohe Ablöse einzunehmen.

Doch den englischen Nationalspieler loszuwerden, ist leichter gesagt als getan. Rooney hat sich in Manchester samt Ehefrau Coleen, die das zweite gemeinsame Kind erwartet, niedergelassen. Eine mehrere Millionen Euro teure Eigenbau-Villa wurde erst letztes Jahr fertiggestellt. Zudem ist die Verwandtschaft in Liverpool dank der räumlichen Nähe in Reichweite.

Paris als Ziel?

Einzig bei einem Wechsel zu Uniteds Lokalrivalen Manchester City bliebe dies erhalten. Noch vor drei Jahren war das Interesse am Stürmer groß. Nun scheinen aber Neapels Edinson Cavani und Atleticos Radamel Falcao höhere Priorität zu genießen. Zumal Ferguson kaum einen derart talentierten Spieler an den Rivalen verkaufen würde.

Darüber hinaus sind die möglichen Ziele limitiert. Barcelona würde wegen finanzieller Schwierigkeiten wohl kaum einen Transfer in Erwägung ziehen. Die großen italienischen Klubs sind längst nicht mehr so spendabel wie einst. Bayern München, obwohl das Geld vorhanden ist, wäre kaum bereit, das Gehalt des Stürmers zu zahlen. Und bei Real Madrid ist Präsident Florentino Perez trotz anstehender Wahlen darauf konzentriert, Falcao zu verpflichten und Cristiano Ronaldo bei Laune zu halten.

Nur Paris Saint-Germain verfügt über die Mittel und das Interesse, einen Spieler von Rooneys Format unter Vertrag zu nehmen.

Der letzte Vertrag

Immer, wenn ein Spieler Fergusons Vertrauen verliert, ist seine Zeit im Old Trafford vorbei. Man muss nur Jaap Stam, Roy Keane, Ruud van Nistelrooy oder David Beckham fragen.

In diesem Fall hat Rooney jedoch die besseren Karten. Er kann seinen Vertrag aussitzen und abwarten, was kommt. Außerdem weiß Ferguson, dass es verrückt wäre, einen Spieler von seiner Klasse ablösefrei ziehen zu lassen. Mit 27 ist sich der Stürmer aber bewusst, dass der nächste Vertrag sein letzter sein kann. Er ist bereit, darauf zu warten, aber sein Trainer macht sich ebenfalls Gedanken. Es ist alles angerichtet für einen titanischen Willenskampf.  

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