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Die Zehnerposition hat sich stark verändert. Es gibt viele unterschiedliche Spielertypen, die ihre spielmacherischen Tätigkeiten anders ausfüllen.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Am Donnerstag konntet ihr bei Goal nachlesen, wie sich die Zehnerposition in den letzten Jahren verändert hat. Im Folgenden sollen mehrere Spielertypen wie Toni Kroos oder Mesut Özil und ihr Spielstil im Mittelfeld vorgestellt werden.

TONI KROOS - DER HALBE ZEHNER


Statistik
Einsätze 18
Tore 1
Vorlagen 5
Passquote 93,3%
Pässe pro Spiel 70,8
Schüsse pro Spiel 2,3
                                                                                                                           Quelle: Whoscored.com

Eigentlich agiert der deutsche Nationalspieler unter Pep Guardiola nicht mehr auf einer zentralen offensiven Position. Vielmehr kommt er in der Regel über den linken Halbraum oder rotiert in einem sehr fluiden Mittelfelddreieck. Der Drang neben die nominelle Spitze zu stoßen war noch nie Kroos‘ gefährlichste Tätigkeit. Vielmehr kann er aktuell seine Stärken auf einer nominellen Halbposition noch besser einbringen, indem er Bälle im fortgeschrittenen Spielaufbau abholen und in höheren Räumen wichtige Zuspiele zur Einleitung der Vollendung eines Angriffes geben kann. Toni Kroos verkörpert aktuell keinen waschechten Zehnertypen, prägt aber mit seiner Art eines Spielmachers entscheidend das sehr kombinationsorientierte Spiel von Bayern München.

 

MESUT ÖZIL - DER PASSGEBER


Statistik
Einsätze 20
Tore 5
Vorlagen 8
Passquote 86,7%
Pässe pro Spiel 60,8
Schüsse pro Spiel 1,2
                                                                                                                           Quelle: Whoscored.com

In erster Linie ist Mesut Özil als Schnittstellenpassgeber bekannt, der seine Neben- und Vordermänner in torgefährlichen Zonen einsetzen kann. Allerdings hat sich das Spiel des 25-Jährigen weiterentwickelt. Bereits bei Real Madrid musste er in wichtigen Spielen auf die Außenbahn ausweichen, beackerte dabei aber in einer sehr defensiven Formation den Flügel. Beim FC Arsenal gibt es diese Ausweichbewegungen noch immer. Diese funktionieren aber innerhalb eines offensiveren Grundgerüsts effektiver. Er entzieht sich damit bei konsequenterem Ausweichen dem Zugriff der gegnerischen Sechser und versucht seine Passqualitäten von der Seitenlinie aus einzubringen. Andererseits kann er durch situative Horizontalbewegungen für Lücken im Defensivgerüst des Gegners sorgen. Das zeichnet Özil bereits seit längerem bei der deutschen Nationalmannschaft aus, wo er an guten Tagen häufig auf die rechte Seite geht und damit in der gegnerischen Mannorientierung für Verwirrung sorgt. Der gebürtige Gelsenkirchener entwickelt sich immer mehr zu einer falschen Zehn, ohne dabei auf seine exzellenten Passeigenschaften zu verzichten.

 

OSCAR - DER ARBEITER


Statistik
Einsätze 17
Tore 6
Vorlagen 3
Passquote 81,7%
Pässe pro Spiel 40,0
Schüsse pro Spiel 2,1
                                                                                                                           Quelle: Whoscored.com

Der junge Brasilianer Oscar hat sich beim FC Chelsea genauso wie in der Brasilianischen Nationalmannschaft etabliert. Dabei sind seine offensiven Qualitäten nicht in Frage zu stellen. Wichtig wird der 22-Jährige für seine Teams aber gerade durch die Bewegungen im Rückwärtsgang. Oscar arbeitet im zentralen Mittelfeld stark mit zurück und ermöglicht dadurch seinen Kollegen im Rücken Möglichkeiten zum Aufrücken. Der Mittelfeldblock wirkt stabiler und zudem ist Oscar für verschiedene Grundformationen sehr passabel einsetzbar. In seinen Stil verkörpert der Brasilianer eine Art Prototyp des zentral-offensiven Mittelfeldspielers, der viele vertikale Wege geht und weniger durch spielentscheidende Aktionen am Ball auffällt. Dies spiegelt sich auch in ballfernen Bewegungen wieder, wo er in die vorderen Räume geht und Lücken für die nachrückenden Mitspieler schafft. Bei Chelsea hat Oscar mittlerweile Juan Mata aus dem Zentrum ein wenig verdrängt. Dies liegt in erster Linie daran, dass Jose Mourinho auf große Kompaktheit setzt und deshalb das defensive Arbeitspensum am Brasilianer schätzt.

 

HENRIKH MKHITARYAN - DER DYNAMISCHE


Statistik
Einsätze 18
Tore 4
Vorlagen 5
Passquote 79,8%
Pässe pro Spiel 36,5
Schüsse pro Spiel 2,2
                                                                                                                           Quelle: Whoscored.com

Der Armenier Henrikh Mkhitaryan kam im Sommer zu Borussia Dortmund und sollte das Loch im offensiven Mittelfeld schließen. Der 24-Jährige ist ein sehr dynamischer Zehner, der vor allem die jeweilige Situation gut erfassen kann und häufig den geradlinigen Weg zum Tor sucht. Er ist weniger dafür geeignet mit Steilpässen am Fließband einen Stürmer vor sich zu bedienen, obwohl er diese Eigenschaft auch beherrscht. Vielmehr kommen allerdings Mkhitaryans Aktionen im Mittelfeld zum Tragen. Er übernimmt häufig Bälle tief und versucht daraufhin Lücken für Läufe zu erfassen. Außerdem ist er infolge seines Ausweichens auf die Flügel eine gute Kombinationsoption für die Außenbahnspieler. In seiner Zeit bei Shakhtar Donezk war er einer der effektivsten Torschützen, was auch daran lag, dass ihm die Räume geöffnet wurden. Im Gegenzug agiert er selbst ballfern auch intelligent und versucht Lücken im gegnerischen Defensivverbund zu forcieren sowie Schnittstellen für nachrückende Akteure zu erweitern. Mkhitaryan lebt wie erwähnt mehr von seiner Dynamik und von seinem Zug in der Vertikalen. Der Armenier ist kein Spielmacher, interagiert vielmehr hervorragend mit einem spielmachenden Sechser in seinem Rücken.

 

LIONEL MESSI - FALSCHE NEUN UND FALSCHE ZEHN?


Statistik
Einsätze 13
Tore 14
Vorlagen 4
Passquote 83,9%
Pässe pro Spiel 46,5
Schüsse pro Spiel 4,9
                                                                                                                           Quelle: Whoscored.com

Verkappt erscheint auch das Positionsspiel des argentinischen Superstars Lionel Messi. Der kleingewachsene Akteur des FC Barcelona sollte durch die Versetzung Pep Guardiolas ins offensive Zentrum der Katalanen zum Sinnbild des falschen Neuners werden und ist bis heute womöglich der einzige Spieler, der diese Rolle wirklich ausfüllt. Gerade bis zur Ankunft von Tata Martino ließ sich das Vorgehen Barcas nicht immer in die herkömmliche Positionslehre einordnen. Lionel Messi agiert in aller Regelmäßigkeit im Zentrum der vordersten Linie, kippt aber aus dieser heraus ab und entzieht sich so zuweilen dem Zugriff der Innenverteidiger, die bis zu einem bestimmten Punkt ihren vorgegebenen Raum besetzen müssen. Das Zurückziehen erfolgt entweder autonom oder mit einem bestimmten Mechanismus, sodass beispielsweise ein tiefer stehender Spieler wie Cesc Fabregas in diesem Moment nach vorn stößt. Zu beobachten war dies in den letzten Jahren häufiger, wenn dazu Andres Iniesta oder Xavi in tieferer, zentralerer Stellung an den Ball kamen. Mit diesen vertikalen Bewegungen ist Messi ein entscheidender Dirigent im katalanischen Gefüge. Zudem verfügt er selbst über hervorragende Qualitäten, wenn es darum geht aus einer Position zwischen den Linien einen einrückenden Mitspieler per präzisem Lochpass zu bedienen. Messi steht sicherlich genauso wie Andrea Pirlo nicht für eine richtige oder moderne Zehn, aber erfüllt in seinem sehr speziellen Spielstil gewisse Funktionen.

Es gibt sicherlich noch viele andere Beispiele wie Shinji Kagawa in seiner Zeit bei Borussia Dortmund oder Kaka als Trequartista beim AC Milan. Natürlich ist dies nur eine sehr geringe Auswahl und kann lediglich exemplarisch aufzeigen, inwieweit Spielertypen die Aufgaben und Herausforderungen einer Zehnerposition partiell oder in Gänze ausfüllen und wie sich das Agieren in der letzten Zeit verändert hat.

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