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RB Leipzig ist in Richtung Bundesliga und Europa nicht aufzuhalten. Sie marschieren durch die 3. Liga und helfen der Stadt. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt.

KOMMENTAR
Von Fabian Biastoch

Leipzig. RB Leipzig hat es geschafft! Nach einem Jahr in der 3. Liga haben sie mit einem Sieg gegen Saarbrücken (5:1) den Sprung in die 2. Bundesliga perfekt gemacht. Die Fans haben lange im ehemaligen Zentralstadion gefeiert und ihrer Freude freien Lauf gelassen. Doch nicht jeder ist so glücklich.

Einer dürfte Hans-Joachim Watzke sein. Er hat die Leipziger vor einigen Monaten noch als "Rasenschach" Leipzig herabgewürdigt. Er sprach damit aus, was in der Fußballwelt gefühlt wird. Viele Fans deutschlandweit haben ein Problem mit dem Kunstprojekt RB Leipzig.

Als Red Bull 2009 in die sächsische Metropole kam, kauften sie sich nicht – wie in Salzburg – in einen bestehenden Verein ein, sondern erwarben von SSV Markranstädt die Oberliga-Startlizenz. Der Weg in ein Konstrukt nach Dietrich Mateschitz'schem Wohlgefallen war geebnet.

Red Bull denkt in Leipzig voraus

Doch nicht alles ist schlecht. RB investiert nicht in den kurzfristigen Erfolg, sondern denkt in die Zukunft. Das ist am Kader mit Talenten wie Yussuf Poulsen oder Federico Palacios-Martinez festzumachen, aber auch am Nachwuchsleistungszentrum.

Millionen werden in die Nachhaltigkeit gesteckt, ein schnelles Aussteigen des Gönners ist sehr unwahrscheinlich. Zumal sich die Investitionen auch lohnen. Das Stadion wird immer voller, der Klub wird irgendwann profitabel sein. So plant es Red Bull. Aber welcher Sponsor oder Geldgeber will das nicht? Will die Allianz nicht einen erfolgreichen FC Bayern, damit die Arena voll wird? Oder setzt Evonik auf Borussia Dortmund, weil sie so wohltätig sind? Wohl kaum. Heute regiert das Geld den Fußballalltag.

Und der Getränkeriese macht nichts anderes. Sie kaufen keine Stars, um schnell in die Bundesliga zu kommen. Nein, sie setzen auf die Zukunft, auf junge Spieler und denken weiter, wollen etwas schaffen.

Zweifel bleiben für immer

Und schon ist der zweite Reibepunkt am Leipziger Projekt gefunden. Die Tradition, die natürlich fehlt. Sie kann sich erst in der Zukunft entwickeln. Aber das Argument kann nicht zählen. Jede Tradition hat irgendwo ihren Ursprung. Der BVB wurde vor über 100 Jahren gegründet, auch damals wird es ältere Klubs gegeben haben, die sich unwohl fühlten. Heute ist es die lokale Konkurrenz vom 1. FC Lokomotive Leipzig, die die Entwicklung kritisch sieht. Verständlich, aber eben unberechtigt.

Den Fans von RB tun sie damit auch Unrecht. "Ich habe etwas dagegen, wenn man von Klatschfans spricht", erzählt ein Anhänger Goal, "ich bin ja auch extra mit nach Lotte gefahren." Damals, vor einem Jahr, stiegen die Leipziger bei den Sportfreunden in die 3. Liga auf. Heute sind mehr denn je in Leipzig begeistert von RB. Die Karten sind inzwischen heiß begehrt, von Modefans kann im Allgemeinen nicht mehr gesprochen werden. Die immerhin schon elf offiziellen Fanklubs sprechen dagegen.

Der Aufstieg ist wichtig für die Stadt und die Region. Doch das Konstrukt, der in sich gekehrte "Verein" mit nur acht oder neun Mitgliedern, ist etwas, was einem Beobachter noch immer Bauchschmerzen bereiten kann. Und sollte. Es mag alles im Rahmen der Lizenzordnungen und für die Nachhaltigkeit im Leipziger Fußball wichtig sein, doch so richtig glatt ist der Rote Bulle einfach nicht. Zweifel und kritische Blicke bleiben. Für immer.

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