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Bei den Geißböcken läuft es derzeit richtig rund. Aus dem eigenen Nachwuchs sorgt vor allem Yannick Gerhardt für positive Schlagzeilen. Goal nimmt den Sechser unter die Lupe.

PORTRÄT
Von Daniel Uebber

Ekstase, Ausrasten, die pure Freude. Es ist Sonntag, der 1. September 2013, 13.31 Uhr – die Fans im RheinEnergieStadion in Köln-Müngersdorf sind außer Rand und Band. Gerade hat Yannick Gerhardt die Geißböcke im Heimspiel gegen Aue in Führung gebracht, es ist das erste Profi-Tor des Youngsters aus der eigenen Jugend.

Spätestens mit diesem Treffer ist Gerhardt endgültig im Profigeschäft Bundesliga angekommen – mit gerade einmal 19 Jahren. Heute, sieben Wochen und mehrere gute Einsätze später, ist der „Sechser“ nicht mehr aus dem Team von Trainer Peter Stöger wegzudenken. Yannick Gerhardt ist so etwas wie das Gesicht des neuen, erfolgreichen 1. FC Köln geworden. Grund genug für Goal, Gerhardts Werdegang einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Seit zehn Jahren ein Geißbock

Schon als Neunjähriger wurde Gerhardt bei einem Turnier seines ersten Klubs, dem Kreuzauer SC 05, von den Talentscouts des "Effzeh" entdeckt und zum Probetraining eingeladen. Fortan durchlief der Mittelfeldspieler alle Jugendmannschaften der Kölner, wurde 2011 Deutscher  B-Jugend-, und 2013 als Mannschaftskapitän A-Jugendmeister und Pokalsieger. Nebenher war er als Fan in der Südkurve bei jedem Heimspiel dabei, feuerte seinen heutigen Teamkollegen Patrick  Helmes in der letzten Aufstiegssaison an.

DIE TORPREMIERE


"Ich habe immer davon geträumt, in diesem Stadion spielen zu dürfen. Dass ich dann mein erstes Tor zuhause bei diesen Fans machen darf, ist einfach Wahnsinn."

- Yannick Gerhardt

Erste Profiluft schnupperte Gerhardt bereits in der vergangenen Saison im Wintertrainingslager in Belek, als ihn Ex-FC-Trainer Holger Stanislawski mit in die Türkei nahm. Im Juli wurde Gerhardt sogar vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet. Positionsübergreifend in der Altersklasse U19 wurde Gerhardt als zweitbester Nachwuchsspieler gewählt, hinter Abwehrspieler Matthias Ginter vom SC Freiburg. "Trotz hochkarätiger Konkurrenz. Das macht mich stolz", sagte Gerhardt im Interview mit dem DFB Anfang September. Seit dem zeigt die Karrierekurve des Würseleners weiter steil nach oben. Mit dem Ergebnis, das Peter Stöger Yannick Gerhardt für den Profikader der Kölner nominierte.

Debüt bei den Profis in Dresden

Bereits am zweiten Spieltag, am 20. Juli bei Dynamo Dresden, feierte Gerhardt seine Startelf-Premiere.  Beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf eine Woche später schenkte ihm Stöger erneut das Vertrauen. Außer gegen Paderborn, als die Kölner ihre schlechteste Saisonleistung zeigten, stand Gerhardt seit dem in jedem Pflichtspiel auf dem Rasen und ist im System seines Trainers eine wichtige Konstante geworden. Auch wenn der Youngster nur beim 4:0-Auswärtserfolg in Cottbus über die vollen 90 Minuten an der Seite von Matthias Lehman agieren durfte.

Vorläufiges Highlight in dieser Saison sicher sein bärenstarker Auftritt beim 4:0-Heimsieg gegen Erzgebirge Aue, als Gerhardt bereits nach 65 Sekunden ins rechte obere Eck traf. Damals ging für den Torschützen ein Traum in Erfüllung: "Es ist schwierig, Worte dafür zu finden. Ich habe immer davon geträumt, in diesem Stadion spielen zu dürfen. Dass ich dann direkt in der zweiten Minute und auch noch so früh in dieser Saison mein erstes Tor zuhause bei diesen Fans machen darf, ist einfach Wahnsinn. Das Tor werde ich so schnell nicht vergessen", sagte Gerhardt nach dem Spiel in der Mixed-Zone. Später twitterte er: "Der schönste Tag in meinem Leben."

Auch auf internationaler Ebene sorgt der Newcomer weiter für positive Schlagzeilen. Beim Vier-Nationen-Mini-Turnier der U20-Nationalmannschaft im niederländischen Gemert führte er das deutsche Team von Trainer Frank Wormuth mit starken Leistungen zum Sieg.

Stöger schätzt Gerhardt als Verbindungsspieler

Dass noch schönere Tage im Leben von Yannick Gerhardt folgen, hofft nicht nur der gemeine „Effzeh“-Fan, sondern auch Kölns Coach Peter Stöger, der Gerhardt vor allem wegen seiner taktischen Cleverness und seiner Eigenschaft als Umschaltspieler schätzt: "Für mich ist er auf dem Platz ein Mittelding zwischen einem offensiven und defensivem Spieler", sagte der Trainer Mitte Juli dem Kölner Stadtanzeiger. Überhaupt ist der Coach von seinem Schützling überzeugt, ermutigt ihn auch, trotz seiner jungen Jahre schon seine Mitspieler zu stellen, zu dirigieren: "Ich sehe in Yannick Gerhardt einen Spieler, der außergewöhnliche Möglichkeiten und Fähigkeiten hat. Er ist ein Spieler, mit dem wir noch sehr, sehr viel Freude haben werden", sagte Stöger nach Gerhardts Startelf-Debüt gegen Düsseldorf gegenüber Der Westen. Dazu Gerhardt im DFB-Interview: "Ich spüre das Vertrauen des Trainer. Peter Stöger hat seit Saisonbeginn auf mich gesetzt. Von daher bin ich ihm sehr dankbar."

SCHNAPPSCHUSS | Yannick Gerhardt (1. FC Köln & U20 Deutschland)

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Alter: 19 Jahre

Vertrag bis: 2016

Länderspiele: 5

Position: ZM/LM

Im Klub seit: 2003

Einsätze 13/14: 10 (1 Tor)

Stärken: Übersicht, Passspiel, Spielverständnis

Yannick Gerhardt, der seinen bis 2015 laufenden Vertrag bei den Kölnern kürzlich bis 2016 verlängerte, ist froh, beim „Effzeh“ den nächsten Schritt in seiner Karriere  gehen zu können: "Ich bin dankbar, dass ich hier Profi geworden bin und sogar regelmäßig zum Einsatz komme", sagte der 19-Jährige dem Kölner Stadt-Anzeiger. Klar, dass auch FC-Manager Jörg Schmadtke zufrieden ist mit der Entwicklung des Mittelfeldspielers: "Er hat sich schnell an den Seniorenfußball gewöhnt. Es war klar, dass gewisse Störelemente bei ihm nicht vorhanden sind. Er ist sehr bodenständig."

Ob bei derartigen Leistungen andere Verein auf den jungen Spieler aufmerksam werden, ist natürlich nur eine Frage der Zeit. Doch Gerhardt hat (noch) andere Ziele: "Ich denke nicht an andere Vereine. Ich will mit dem FC aufsteigen. Mit dem Klub ist viel möglich, das ist eine Top-Adresse", so wird der Spieler im Kölner Stadtanzeiger zitiert. Sein Können wird Gerhardt am Montagabend im Topspiel der zweiten Bundesliga gegen 1860 München sicher wieder unter Beweis stellen können – Stöger wird ihn wohl wieder von Beginn an bringen.

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