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Nach dem Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf: Saure Bonbons und nebulöse Vorwürfe

Ein "saures Bonbon", umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen und kleinere Ausschreitungen trübten das insgesamt aber friedliche Fußballfest beim brisanten rheinischen Derby.

Köln/Düsseldorf. Manch einer feierte angesichts des Unentschiedens und der ausgebliebenen Krawalle schon den "Rheinischen Frieden" - doch nach dem 55. Derby zwischen dem 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf kochten die Emotionen hoch. Ein "saures Bonbon", elfmeterreife Szenen und nebulöse Vorwürfe standen nach dem 1:1 (0:1) im Mittelpunkt, die Verantwortlichen schwankten zwischen Ärger, Selbstkritik und Ironie.

Immerhin: Abseits des Spielfeldes war es halbwegs glimpflich abgegangen, nachdem unter der Woche schon Schlimmeres befürchtet worden war. Genau das stieß Peter Frymuth nach dem "Derby aller Derbys für uns" aber immer noch bitter auf. "Hier wurden einige Dinge ein Stück weit unterschätzt", sagte der Fortuna-Präsident dem SID. Er meine ausdrücklich nicht den FC, ergänzte Frymuth. An wen der Vorwurf gerichtet war, offensichtlich an die Kölner Polizei, wollte er aber nicht sagen.

Dies wiederum ärgerte den Frymuth eigentlich freundschaftlich verbundenen FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke. "Das finde ich ja super, wenn er so etwas einfach nebulös in den Raum stellt", sagte Schmadtke dem SID: "Ich weiß nicht, wen er meint. Beide Klubs und die Behörden haben im Vorfeld wirklich alles unternommen."

Medienhype habe junge FC-Truppe gelähmt 

Nach dem ersten Derby seit 1999 war Schmadtke denn auch "froh, dass ich nicht mehr erklären muss, was ein rheinisches Derby ist und was ein Düsseldorfer in Köln macht". Überhaupt habe "das ganze Bohei unter der Woche" die junge FC-Mannschaft gelähmt: "Emotionalisierung ist manchmal eben leistungshemmend."

Und während die Kölner sich noch über ihre schwachen ersten 60 Minuten wunderten, ärgerten sich die Düsseldorfer über die schwache letzte halbe Stunde, in der sie den Sieg verschenkten. "Die Tüte war voller süßer Bonbons, aber am Ende haben wir ein saures erwischt", sagte Fortuna-Trainer Mike Büskens. Hätte Mathis Bolly (64.) nach der Führung von Charlison Benschop (12.) nachgelegt, "wäre der Drops gelutscht gewesen", sagte der starke Düsseldorfer Kapitän Andreas Lambertz passenderweise.

Büskens jedenfalls, vor der Saison auch Wunschkandidat in Köln, ärgerte sich über den verschenkten Sieg, aber auch über FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher, der ein Handspiel des FC-Verteidigers Roman Golobart nicht mit dem fälligen Strafstoß geahndet hatte (60.). "Ich möchte kein Schiedsrichter sein, noch nicht einmal im Training", erklärte er: "Aber einmal im Jahr haben wir eine Regelschulung, in der es heißt: Wenn die Körperfläche vergrößert wird, ist es Elfmeter. Nächstes Jahr haben wir wieder eine Schulung. Ich kann's kaum erwarten."

Stöger: Sieg wäre "über 90 Minuten gesehen nicht verdient"  

Bei den Kölnern herrschte nach dem "für den Fanfrieden perfekten Ergebnis" (Trainer Peter Stöger) Erleichterung, die erste Heimniederlage gegen den Erzrivalen seit 24 Jahren verhindert und Stögers Heimpremiere gerettet zu haben. Zwar wäre nach dem Ausgleich von Tony Ujah (67.) noch der Sieg möglich gewesen, "aber den hätten wir über 90 Minuten gesehen nicht verdient", gestand der Coach ein.

Schmadtke immerhin lobte die Leistungssteigerung nach "einer Ansprache und zwei Wechseln" - und damit den Trainer. Bestandsaufnahmen wollte der neue FC-Sportchef aber nicht aufnehmen: "Ich bin ein alter Mann, das geht mir zu schnell." Fakt ist: Nach dem Fehlstart im Vorjahr hat der FC nach zwei Spieltagen schon wieder vier Punkte Rückstand auf die Aufstiegsplätze. "Das ist einer mehr als in der letzten Saison", sagte Offensivspieler Thomas Bröker: "Irgendwann sollten wir auch mal wieder gewinnen."

EURE MEINUNG: Zwei Punkte aus zwei Spielen - Wohin steuert der FC? 

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