ELF Kultstadien (4): Die Alte Försterei in Berlin

In diesen Stadien geht die Post ab! Die Fans singen sich bis zur Ekstase. Die Stimmung schwappt auf den Rasen. Andere Stadien indes überzeugen durch ihre besondere Lage, durch ihre traditionsreiche Geschichte oder sind einfach nur Kult. ELF, das populäre Ranking auf Goal.com, widmet sich dieses Mal täglich den Kultstätten der Republik. Da, wo der Fußball zu Hause ist. Und das war wieder einmal keine leichte Aufgabe. Deswegen haben wir uns auch dazu entschieden, zunächst nur die Stadien in die engere Auswahl zu nehmen, in denen derzeit noch aktiv bis zur 3. Liga gekickt wird. Freunde der Glück Auf-Kampfbahn, des Hamburger Volksparkstadions oder andere Nostalgiker müssen sich also vorerst noch gedulden. Diese Stadien kamen nicht in die Wertung, bieten aber genügend Stoff für ein weiteres Ranking. Heute geht es mit der „Alten Försterei“ und Platz vier weiter.

Die Alte Försterei: Das Stadion von Union Berlin vor der Komplett-Sanierung (Goal.com/Pauly)
(ab) Berlin. Die „Alte Försterei“ in Berlin-Köpenick hat eine bewegende Geschichte hinter sich. 89 Jahre ist das Stadion jetzt alt, an Glanz hat es über die Jahre aber nicht verloren. Schon vor dem von Fans organisierten Umbau, war die „Alte Försterei“ ein ganz besonderer Ort, ein Treffpunkt für jung und alt, wenn Union Berlin mal wieder versuchte, den Aufstieg in den Profifußball zu schaffen.

Viele Fans


Am 17. März 1920 erblickte die Arena das Licht der Welt. Zum Spiel zwischen SC Union Oberschönweide 06 und dem Deutschen Meister, 1. FC Nürnberg, kamen 7000 Zuschauer ins Stadion, 10.000 hätten Platz gehabt. Union Berlin bekam seinen Namen erst 1966, und war im Ostteil der Stadt überaus beliebt. Als Union 1966/67 in der Oberliga spielte, kamen die meisten Zuschauer im Berliner Osten in die „Alte Försterei“. Im Schnitt waren es 8038 Fans, die den Weg in die Wuhlheide auf sich nahmen.

Erste Umbauarbeiten


Zum Beginn der Saison 1969/70 gab es erste Sanierungsarbeiten im Stadion. Ein neuer Rasen wurde verlegt, neue Trainingsplätze angelegt, neue Sozialeinrichtungen und eine neue Sprecherkabine wurden installiert. Weitere Modernisierungsmaßnahmen gab es 1980. Im Rahmen einer Aktion „Berlin hilft Union“, wurde die Rasenfläche erneuert und das Fassungsvermögen auf 22.500 Zuschauer erhöht. An den Umbaumaßnahmen waren Spieler, Funktionäre und Fans des Vereins unentgeltlich beteiligt.



Sportlich konnte Union Berlin zwar mithalten, der Aufstieg in die zweite Liga wurde dem Klub aber mehrmals untersagt. Nachdem Union 1991 noch sportlich unterlag, waren es später die Mängel am Stadion - laut DFB wegen zu niedriger Zäune, zu wenigen Fluchttoren und keinem Flutlicht nicht bundesligatauglich -  und die fehlenden Gelder, die einen Aufstieg unmöglich machten. Nachdem das Stadion im Februar 2000 vom Senat an den Bezirk Köpenick überging, wurden gratis 1800 Schalensitze besorgt und zudem eine Flutlichtanlage im Stadion installiert. Trotzdem erfüllte die Spielstätte weiterhin nur unzureichend die vom DFB verlangten Auflagen.

Fans bauen neues Stadion


Als Union Berlin im Jahr 2001 in die zweite Bundesliga aufstieg, sollte bis 2006 eigentlich ein neues Stadion für 30.000 Zuschauer gebaut werden. Dies scheiterte jedoch an dem hohen Schuldenstand des Vereins und dem Abstieg in die Oberliga 2005. Doch Union wäre nicht Union, wenn man den Glauben an den sportlichen Wiederaufstieg und an ein neues Stadion verlieren würde. Mit den Fans im Rücken, wurde 2008 mit den Umbauarbeiten begonnen – das ist Kult, denn es war schon das zweite Mal, dass die Anhänger ihre ganze Zeit dem Verein opferten.

Einmaliges Engagement


In einer Textzeile der Vereinshymne heißt es, „wir aus dem Osten gehen immer nach vorn. Schulter an Schulter für Eisern Union“. Und so investierten über 2000 Fans insgesamt 140.000 Arbeitsstunden in mehr als 300 Tagen ab den frühen Morgenstunden bis in den späten Abend in ihr Stadion „An der Alten Försterei“ und bauten es zu einem Schmuckkästchen aus: Eine Rasenheizung, eine Videowand vor dem Gästeblock, eine neue Beschallungsanlage. Doch das Kultstück des Stadions blieb erhalten: Die mechanische Anzeigetafel.

 „Es ist sensationell und phänomenal, was unsere Fans hier in den zurückliegenden zwölf Monaten geleistet haben. Man kann es kaum in Worte fassen“, meinte Sportdirektor Christian Beeck. Recht hat er. Am 8. Juli 2009 wurde das Stadion im Derby gegen Hertha BSC Berlin eingeweiht.

Unser Goal.com Ranking. Deutschlands ELF Kultstadien (Übersicht)

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