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Vor dem Abflug mischten sich bei der deutschen U21 Abschiedsschmerz und Aufbruchsstimmung. Während Holtby und Co. auf eine Chance im A-Team hoffen, plant der Trainer die Zukunft.

Tel Aviv. Rainer Adrion bastelte nach einer enttäuschenden EM im Kopf schon an der neuen U21, Lewis Holtby wollte nur noch heim zu seiner Familie. "Ich fahre jetzt ins gute, alte Gerderath. Ich kann Flugzeug, Bus und Bahn nicht mehr sehen. Ich bin einfach nur kaputt und möchte zu meiner Mutter und meinem Bruder", sagte der Kapitän der deutschen U21-Junioren nach dem 2:1 zum Abschluss gegen Russland: "Ich möchte einfach nur den alten Lewis leben. Darauf freue ich mich."

Wie Holtby ging es nach dem Vorrunden-Aus in Israel fast allen deutschen Spielern. Nicht nur das schwache Abschneiden, auch der Abschiedsschmerz bestimmte vor dem Rückflug die Gefühlslage. "Man weiß nie, ob es das letzte Länderspiel war", sagte Vize-Kapitän Tony Jantschke: "Das hier war wie eine zweite Mannschaft für mich. Daher ist das ein trauriger Tag. Es war eine schöne Zeit, mit Höhen und auch mit Tiefen."

Bei der EM allerdings eher mehr Tiefen. Kein Wunder, dass Trainer Adrion längst auf die kommenden Aufgaben schaut. Noch in diesem Jahr stehen sechs von acht Qualifikationsspielen für die EM 2015 an. "Es geht nach der Sommerpause direkt weiter. Wir werden wieder eine gute Mannschaft haben", sagte der 59-Jährige: "Das Gerippe, besonders in der Abwehr, hat schon bei dieser EM Erfahrung gesammelt, und das ist gut."

Das "Gerippe", damit meint Adrion Spieler wie Matthias Ginter (SC Freiburg), Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua) oder auch Angreifer Kevin Volland (1899 Hoffenheim). "Ginter hat bei der EM alle drei Spiele gemacht. Er gehört sicher zu den Gewinnern dieses Turniers", sagte der Coach. Auch Mustafi könne "ein Führungsspieler werden. Er ist für die Zukunft ein ganz interessanter Spieler."

Bliebt die Frage, ob Adrion die "Mission EM 2015" anders als zuletzt mit A-Nationalspielern angehen darf. Das umstrittene Thema soll bei der noch zu führenden Turnier-Analyse auf den Tisch kommen. Klar scheint, dass der künftige Münchner Mario Götze und auch Julian Draxler (Schalke 04) primär Bundestrainer Joachim Löw zur Verfügung stehen werden. Aber dahinter?

Angreifer Volland könnte so ein Fall werden. "Das wäre ein Kandidat. Er hat die Anlagen als spielerischer Mittelstürmer", sagte Adrion. Und fügte dann leise hinzu: "Den geben wir nicht ab." Zumal die A-Mannschaft "ein Stück weit gesättigt" sei: "Daher denke ich, dass die jetzigen Jahrgänge komplett die Qualifikation bestreiten können."

Von den immerhin 14 Spielern, die künftig nicht mehr für die U21 spielberechtigt sind, verabschiedete sich Adrion am Abend mit einem gemeinsamen Essen und einer Rede. Wer den Sprung zu Joachim Löw schaffen wird, bleibt abzuwarten. "Am ehesten wohl Holtby", sagte der Trainer, aber auch andere hätten die Chance. "Sebastian Rudy zum Beispiel. Und Bernd Leno würde ich dazu nehmen. Und Kevin Volland, ja, warum nicht."

Immerhin: Dank der Tore von Patrick Herrmann (35.) und Rudy (69., Foulelfmeter) verabschiedete sich die "alte Garde" gegen Russland mit einem Sieg. Zuvor hatte Alan Dsagojew (22.) die am Ende nur noch zehn Russen in Führung gebracht.

Und so verabschiedete sich der zur Pause ausgewechselte Holtby mit bandagiertem Knie, aber lächelnd in den Urlaub. "Die Verletzung ist nichts Schlimmes", sagte der Tottenham-Legionär und ließ ein bisschen Wehmut aufkommen: "Ich war stolz, Kapitän eines so geilen Teams zu sein. Das waren drei tolle Jahre."

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