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Helmut Sandrock gab Einblicke in die Planungen des DFB. Das Profil des zukünftigen Sportdirektors steht und man wolle die U21 weiter aufwerten und mit den besten Spielern antreten.

Düsseldorf. Im Interview erklärt DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, welches Profil der künftige Sportdirektor haben soll, was er über die Kehrtwende von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter bezüglich der Winter-WM in Katar denkt und warum der DFB künftig immer mit den besten Spielern zu einer U21-EM fahren soll. Bundestrainer Joachim Löw bleibt der alleinige Chef der Nationalmannschaft, soll aber künftig alle Spieler für U21-Europameisterschaften abstellen: Diese klaren Ansagen formulierte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst SID.

Als Lehre aus dem unerwarteten Vorrunden-Aus der U21 sollen die Junioren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) künftig mit der bestmöglichen Mannschaft zu Turnieren reisen. "Wir hatten in diesem Jahr eine Sondersituation durch die USA-Reise des A-Teams. Aber wenn man auf dem Niveau Titel gewinnen will, braucht man die beste Mannschaft. Und wir wollen Titel gewinnen. Ich denke, dass das auch von der Liga getragen wird", sagte Sandrock: "In den letzten Jahren haben immer nur die Länder den Titel gewonnen, die mit der besten Mannschaft dabei waren. Im Übrigen auch wir 2009."

Löw in Planungen involviert

Mit Löw sei dieses Vorhaben bereits abgesprochen, versicherte der "zweite Mann im DFB". "Der Bundestrainer ist natürlich immer Teil der Diskussion", sagte der 56-Jährige: "Im Einzelfall wird man sicher auch über einen Spieler reden können. Aber es geht um den Grundsatz, mit der bestmöglichen Mannschaft in ein Turnier zu gehen."

Es gelte "grundsätzlich der Ansatz, dass wir nicht ausbilden allein um des Ausbildens willen. Wir wollen Turniere gewinnen, mit den besten Spielern. Ein solches internationales Turnier bringt jeden Spieler weiter. Das wird jeder bestätigen, der das erlebt hat."

Handlungsbedarf nach Vorrunden-Aus

Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM in Israel hatten viele Experten diskutiert, ob der DFB alle dem Jahrgang zugehörigen Spieler hätte mitnehmen sollen. Löw hatte bereits im A-Team festgespielte Talente wie Julian Draxler, André Schürrle oder Marc-André ter Stegen aber mit in die USA genommen. Der Dortmunder Ilkay Gündogan durfte nach dem Champions-League-Finale in Urlaub.

Derweil wird Löw auch nach der Installierung eines neuen DFB-Sportdirektors das alleinige Sagen bei der Nationalmannschaft haben. Auf die Frage, ob der noch zu findende Nachfolger des zu Werder Bremen abgewanderten Robin Dutt der "Chef" von Löw werden und damit auch die Zuständigkeit für das A-Team erhalten solle, antwortete Sandrock: "Das ist nicht vorgesehen, nein."

Für den DFB war dies auch anscheinend nie ein Thema, nachdem auch schon Dutt "nur" für den Juniorenbereich zuständig gewesen war. "Die Zuständigkeit des Sportdirektors hatten wir schon mit Robin Dutt geklärt", erklärte Sandrock: "Dabei wurde die Konfliktfrage, die es zwischen Matthias Sammer (Dutts Vorgänger, d. Red.) und Joachim Löw gegeben hatte, bereits aufgelöst."

Profilbildung abgeschlossen

Sieben Wochen nach dem Abgang Dutts hat es über dessen Nachfolge nach Angaben des Generalsekretärs "noch keine konkreten Gespräche" gegeben. Allerdings habe man "Klarheit, was das Profil angeht". Denkbar, aber unwahrscheinlich sei auch, dass es sich um einen Ausländer handeln werde. "Ich würde es nicht als ein totales Muss sehen, dass der Kandidat aus Deutschland kommt", sagte Sandrock: "Aber wir haben schon vorzugsweise in Deutschland geschaut."

Ob es ein verdienter Ex-Nationalspieler (gehandelt wurde unter anderem Oliver Kahn) oder ein Funktionär mit Verbands-Stallgeruch (gehandelt: Hansi Flick) werden wird, ist offenbar nicht festgelegt. "Die Voraussetzungen können auf beides zutreffen", versicherte der Generalsekretär: "Aber wenn der Mix stimmt, muss derjenige nicht unbedingt 100 Länderspiele absolviert haben. Wenn ein verdienter Nationalspieler dieses Profil erfüllt, gerne."

Was wird aus Oliver Bierhoff?

(Noch) keine Sorgen macht sich der DFB-Generalsekretär um einen Abgang von Teammanager Oliver Bierhoff. "Oliver hat laut darüber nachgedacht, dass auch einmal der Zeitpunkt kommen kann, etwas anderes zu machen. Im Moment hat er sich uns gegenüber dahingehend aber nicht geäußert", versicherte er: "Im Gegenteil, er sieht voll motiviert der WM entgegen. Von daher gehe ich zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass wir die Gespräche mit dem gesamten Stab führen werden."

Bierhoff hatte Ende Mai in einem Welt-Interview Aussagen getätigt, die man durchaus als Abschieds-Ankündigung verstehen konnte. Für die geplanten Vertragsgespräche mit Löw wolle man wie vereinbart das Ende der WM-Qualifikation abwarten, bekräftigte Sandrock.

Warnung an FIFA-Boss Blatter

Derweil warnte er FIFA-Boss Joseph S. Blatter mit Blick auf die Winter-WM 2022 in Katar vor einem Alleingang. "Wir haben durch unseren Präsidenten Wolfgang Niersbach immer Unverständnis über die geplante Austragung von Spielen in Katar im Sommer geäußert. Von daher sind wir grundsätzlich froh, dass Bewegung in das Thema kommt", sagte er: "Aber ich bin der Meinung, dass Herr Blatter gut beraten ist, in die Fußball-Familie zu gehen, bevor eine solche Kehrtwende - die ich im Ergebnis für absolut richtig halte - öffentlich verkündet wird. Die Engländer sind beispielsweise dagegen."

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