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Podolski mit Blitztor, starke Debütanten und gekränkte Latinos

Die deutsche Nationalmannschaft siegte im ersten Spiel ihrer USA-Reise gegen Ecuador mit 4:2. Dabei gelang Lukas Podolski ein Rekordtor. Nach neun Sekunden klingelte es bereits.

REPORT
Von Hassan Talib Haji

Boca Raton. Im Palm Beach County in Florida bezwang die deutsche Nationalelf die Mannschaft aus Ecuador mit 4:2. Bundestrainer Joachim Löw sammelte wertvolle Erkenntnisse.

Zweiter Anzug sitzt

Viel wurde vor der USA-Reise über den Sinn und Unsinn dieser Tour gesprochen. Nun zeigte sich, dass Bundestrainer Joachim Löw auf seinen zweiten Anzug bauen kann. Über ein Dutzend Spieler von Borussia Dortmund und dem frischgebackenen Champions-League-Sieger FC Bayern München standen nicht zur Verfügung. So musste Löw kreativ werden und brachte mit Sidney Sam von Bayer 04 Leverkusen und Max Kruse vom SC Freiburg zwei Debütanten.

Die Mannschaft aus Ecuador trat in Bestbesetzung an und wollte das Duell gegen Deutschland als Generalprobe für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele in der Südamerika-Gruppe nutzen. Dort rangiert das Team von Trainer Reynaldo Rueda auf Platz zwei. Ecuador war vor dem Spiel gegen die Löw-Truppe seit knapp einem Jahr ungeschlagen.

Blitztreffer eröffnet Torreigen

Es wurde allgemein gerätselt, wie Lukas Podolski auf die Stillstand-Diskussion, angeschubst von Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff, reagieren würde. Er tat es mit einem Rekordtor! Nach nur neun Sekunden eroberte der Kölner nach Anstoß der Südamerikaner den Ball und traf zum 1:0 für Deutschland. Die B-Elf von Joachim Löw startete mit hohem Tempo und aggressiver Spielweise, damit kam Ecuador zunächst überhaupt nicht zurecht. Reihenweise verlor das Rueda-Team die Bälle bereits im Aufbau.

Der deutschen Mannschaft gelang das viel einstudierte schnelle Umschalten nahezu in Perfektion, was angesichts der notgedrungen zusammengewürfelten Aufstellung überraschte. Debütant Sidney Sam beackerte die rechte Seite zusammen mit dem Schalker Benedikt Höwedes. Der Leverkusener bediente nach Ballverlust der Ecuadorianer den mitgelaufenen Lars Bender mit einem schönen Pass in den Lauf. Bender schloss den Angriff mit einem sehenswerten Außenrist-Treffer zum 2:0 ab. Der zweite Debütant in der Startaufstellung war Max Kruse, der nominell die einzige Spitze in Löws Taktik-Korsett bildete. Der Noch-Freiburger glänzte bei seinem ersten Länderspiel mit viel Einsatz, Spielwitz und einem Assist.

Der 25-Jährige legte im Strafraum für Lukas Podolski auf und dieser vollendete in seinem mittlerweile 109. Länderspiel mit einem satten Linksschuss ins lange Eck zum 3:0. Nach Podolski schnürte auch Lars Bender seinen Doppelpack. Vor dem Strafraum Ecuadors spielte Roman Neustädter quer und Bender versuchte es aus der Distanz. Der Ball rutschte Torwart Banguera durch. Ein klares 4:0 stand zu Buche.

Ecuador angefressen

Die Südamerikaner rangieren in der FIFA-Liste auf Platz zehn, spielten in Bestbesetzung und verhielten sich dreißig Minuten lang wie Fallobst. Offenbar an der Ehre gepackt ging das muntere Foulen und Treten los. Nach einem unfairen Einsatz auf der linken deutschen Abwehrseite gegen Marcell Jansen schloss Antonio Valencia von Manchester United nach Pass in die Mitte ab, und verkürzte auf nur noch 4:1. Es wirkte als hätte die Mannschaft von Jogi Löw ein paar Gänge runtergeschaltet, doch dem war nicht so. Das Spiel der Südamerikaner hatte sich komplett gewandelt und ging von Nonnenhockey in Gabelstapler-Umschubsen über. Damit kam das deutsche Team kaum zurecht.

In der zweiten Hälfte schnürte Ecuador die Nationalelf in der eigenen Hälfte ein und hatte hochkarätige Chancen. Heiko Westermann klärte vor der Linie mit viel Glück. Einem René Adler in überragender Form war es ebenfalls zu verdanken, dass Ecuador nur noch ein Tor schoss, an dem Deutschland aber kräftig mitgeholfen hat. Walter Ayovi verwandelte einen direkten Freistoß vom linken Strafraumeck durch die brüchige Zwei-Mann-Mauer, in der Dennis Aogo und Lukas Podolski standen. Der Arsenal-Angreifer und zweifache Torschütze drehte sich beim Schuss von Ayovi weg und schuf die Lücke. René Adler war machtlos.

Wichtige Erkenntnisse

Im Großen und Ganzen steht ein 4:2-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen eine starke Mannschaft aus Ecuador. Der zweite Anzug passte und überzeugte trotz schwacher zweiter Halbzeit im Kollektiv. Dafür, dass dieses Team in der Zusammenstellung noch nie gespielt hat, war die Mannschaftsleistung gut. Auch mit einer B-Elf kann Bundestrainer Joachim Löw seine Spielweise ausführen lassen. Spieler wie Kruse oder Sam bewiesen, dass sie im Hinblick auf die WM 2014 in Brasilien eine Option sein können.

Nun folgt am kommenden Sonntag das Spiel gegen die USA. Es wird auch ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Nationalspieler Jürgen Klinsmann, der die USA trainiert.

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