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Zwanziger enthüllt in seiner demnächst erscheinenden Autobiographie, dass es nach dem 1:4 gegen Italien einen Plan B zur Ablösung Klinsmanns gab.

München. Nach dem 1:4 im Freundschaftsspiel gegen Italien im März 2006 wurde beim DFB ein Notfallplan für die Ablösung des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann entwickelt. Das geht aus Auszügen der Biographie von Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger hervor, die von Bild vorab veröffentlicht wurden. Als Nachfolger war der heutige Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer vorgesehen.

Spannungen zwischen Klinsmann und Zwanziger

Zwanziger zufolge hatte die von Klinsmann durchgesetzte Umstrukturierung der Nationalmannschaft schnell zu Spannungen zwischen ihm und dem heutigen Nationaltrainer der USA geführt. „Klinsi“ erwirkte, dass Oliver Bierhoff die neugeschaffene Manager-Position übernahm und verlegte trotz bereits abgeschlossener Verträge das Quartier der Nationalmannschaft von Leverkusen nach Berlin.

„Jürgen Klinsmann interessierten solche Verträge nicht. Das war kein mangelnder Respekt, er fühlte sich seinem Auftrag WM verpflichtet“, schreibt Zwanziger. Gleichzeitig verfügte der Trainer, dass die DFB-Delegation bei Länderspielen beim Essen Abstand zur Mannschaft halten musste. „Manchmal kannte Klinsmann wirklich keine Grenzen.“

Endgültig zum Zerwürfnis kam es durch den Streit um die Besetzung des Sportdirektorpostens. Klinsmann favorisierte Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, Zwanziger und das DFB-Präsidium Matthias Sammer. Nach einem Ultimatum des Präsidenten akzeptierte Klinsmann Sammer als Sportdirektor, doch die Spannungen blieben.

Notfallplan mit Sammer

Als die Nationalmannschaft dann Anfang 2006 die empfindliche Niederlage gegen Italien einstecken musste, wurden die Zweifel an Klinsmann größer. Ein Plan für den Notfall wurde aufgestellt: „Wenn sich bei der WM tatsächlich ein sportliches Desaster abzeichnen sollte und Klinsmann nicht mehr zu halten wäre, so beschlossen wir, sollte kurzfristig Matthias Sammer das Ruder übernehmen.“

Laut Zwanziger wussten von diesem Plan nur Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer, der heutige DFB-Präsident und damalige Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger selbst. Matthias Sammer wurde nicht vorab eingeweiht. „Wenn es so weit gekommen wäre, hätte er es schon noch rechtzeitig erfahren.“

Löw wäre auch entlassen worden

Der heutige Bundestrainer Joachim Löw wäre bei einer Trennung von Klinsmann ebenfalls entlassen worden, da er zum Gesamtkonzept gehörte. „Zum Glück sind wir alle nicht in die Verlegenheit gekommen“, meint Zwanziger in der Rückschau. Klinsmann führte Deutschland bei der WM 2006 auf einen vielbeachteten dritten Platz, seinem Nachfolger Löw gelang die Vize-Europameisterschaft 2008 und der dritte Platz bei der WM 2010. Bei der EM im Sommer scheiterte Deutschland im Halbfinale an Italien.

 
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