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Heiko Westermann wurde für zwei Spiele der Nationalelf nachnominiert und mehr ist eigentlich auch nicht passiert. In dieser Situation eine folgerichtige Entscheidung.

Hamburg. Ein Sturm der Freude, der Entrüstung oder des schallenden Lachens wurde ausgelöst, als die Twitter-Accounts vom Deutschen Fußballbund und des Hamburger SV bekanntgaben, dass Heiko Westermann für die Länderspiele gegen Irland und Schweden nachnominiert wurde, weil Mats Hummels von Borussia Dortmund verletzt ausfällt. Man musste sich schon über das Unverständnis und die unerwarteten Emotionen wundern. Auf den zweiten Blick fällt aber auf, dass diese Nominierung eine absolut logische Entscheidung ist.

Per Mertesacker, Holger Badstuber, Jerome Boateng und Benedikt Höwedes sind die Innenverteidiger, die bereits im Kader sind, wobei der Schalke-Kapitän Höwedes offensichtlich die letztmögliche Wahl für den Job im Strafraum darstellt. Das ist Konkurrenz, mit der man sich erst einmal messen muss. Daher hat der Nachrücker nur eine sehr geringe Chance auf einen Einsatz. Wen nimmt man in so einem Fall mit?

Old School oder New School?

Einen jungen, aufstrebenden Innenverteidiger, der durch so einen kurzfristigen Einsatz mal „reinschnuppern“ darf, oder eben eine erfahrene Kraft, von der Bundestrainer Joachim Löw genau weiß, was er bekommt, im Falle der Fälle, wenn Mertesacker oder Badstuber innen und der erste Ersatz Jerome Boateng ausfallen. Dieses Szenario ist so unwahrscheinlich, dass der Nachrücker wohl wirklich keine Minute spielen wird.

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit den oben genannten Stammkräften und normalerweise einem Mats Hummels absolut keine Not, in der Innenverteidigung eine neue Baustelle aufzumachen. Deswegen muss Löw nicht durch das Heranführen eines jungen Talents zusätzlichen Konkurrenzdruck aufbauen. Holger Badstuber vom FC Bayern München ist der gesetzte Verteidiger, beeindruckt Per Mertesacker auf der Insel weiter wie bisher, kann er sich gut und gerne an Mats Hummels vorbei drängeln.

Frischzellenkur ist nicht nötig

Und dann bliebe ja noch die Frage, welches Talent Löw überhaupt hätte holen sollen? Die folgerichtige Antwort wäre natürlich ein Spieler aus der U21, die aber diesen Freitag und nächsten Dienstag selbst Qualifikationsspiele vor der Brust hat. Und ob Lasse Sobiech oder Jan Kirchhoff wirklich weit genug sind, um im Zweifelsfall einem Zlatan Ibrahimovic den Ball abzuluchsen, muss doch stark bezweifelt werden. Der nächste Name, der öffentlich besprochen wurde, wäre Philipp Wollscheid von Bayer 04 Leverkusen.

Die Frischzellenkur ergibt sich aber einfach nicht, weil mit Hummels und Badstuber zwei Innenverteidiger normalerweise zur Verfügung stehen, die selbst erst Anfang zwanzig sind und noch eine großartige Karriere vor sich haben. Wollscheid würde sich nach aktuellem Stand wohl niemals an einem der beiden vorbei spielen. Daher musste die Wahl auf einen zuverlässigen „Oldie“ ohne weitere Ansprüche fallen, der in Person von Heiko Westermann diese Saison eine starke Leistung gezeigt hat.

Renaissance vom HSV und von Westermann

Er ist der Kapitän des Hamburger SV, der seit dem Sieg über Borussia Dortmund eine Renaissance erlebt. Der Dino lebt wieder und Heiko Westermann hat seinen Teil als Führungsspieler und solide Kraft hinten dazu beigetragen. Sein Notenschnitt verbesserte sich mit dem insgesamt souveräneren Auftritt des Teams von 3,7 bis 4,4 auf 2,6 bis 2,8. In den packenden Unentschieden gegen Frankfurt und Borussia Mönchengladbach konnte er im ersten Fall ein Tor beisteuern und im zweiten Fall einen Assist verbuchen.

Insgesamt hat Westermann bereits 24 Länderspiele für die Nationalmannschaft absolviert, sein letztes Spiel liegt nun fast zwei Jahre zurück. Im Freundschaftsspiel gegen Schweden am 17. November 2010 spielte er an der Seite von Mats Hummels die kompletten 90 Minuten durch. Westermann hat noch ein weiteres Plus, das eine tatsächliche Baustelle der Nationalmannschaft betrifft. Im Zweifelsfall kann er wie Badstuber als linker Außenverteidiger aushelfen.

Für diese äußerst kurzfristige und wahrscheinlich einmalige Nachnominierung zu den Länderspielen gegen Irland und Schweden ist Heiko Westermann somit eine absolut zu rechtfertigende Wahl. Er ist jemand, der in einem solchen Fall nicht direkt die Einsätze fordert, kennt Joachim Löw bestens, hat zuletzt starke Leistungen mit einem bereits abgeschriebenen Verein gezeigt und ist flexibel genug, auf mehreren Positionen vom Innen- über den Außenverteidiger bis zum defensiven Mittelfeld auszuhelfen. Die Rollen sind klar verteilt, es wird keine Unruhe innerhalb des Teams aufkommen.


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