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Die neuen Medien sind längst auch von den DFB-Akteuren erschlossen worden. Während Özil der beliebteste deutsche Nationalspieler ist, findet Löw Facebook & Co. „gefährlich“.

Düsseldorf/Wien. Mesut Özil lächelt in die Kamera. Mit einer schwarzen Basecap auf dem Kopf und einem blauen T-Shirt des Ausrüsters Adidas ausgestattet, postet der bei Facebook mit 6,6 Millionen „Freunden“ beliebteste deutsche Fußball-Nationalspieler einen kurzen Gruß. „Hallo Freunde, Schöne Grüße aus Frankfurt“, und das gleich noch in Englisch und Türkisch. Sehr viel mehr gibt es für seine Fans nicht. Mal ein Foto mit Sami Khedira, beim Bowlen oder im Flugzeug.

Harmlos und belanglos sind die Einträge der Nationalspieler sowohl bei Facebook als auch beim Kurznachrichtendienst Twitter nahezu alle, auch die offizielle Facebook-Seite der Nationalmannschaft zeigt im Grunde wenig bis gar nichts, was man nicht auch schon vorher wusste. Hier und da ein Video oder Fotos vom Abschlusstraining sind dort zu finden. In den meisten Fällen Dinge, die auch auf dem offiziellen Internet-Auftritt des Deutschen Fußball-Bundes (www.dfb.de) stehen.

Kontrolliert und sensibilisiert

Der DFB lässt sich das Zwitschern und Posten einiges kosten, der Ertrag ist im wahrsten Sinne des Wortes virtuell. In erster Linie ist der Weg über die neuen Medien gedacht, um das manchmal etwas angestaubte Verbandsimage loszuwerden. Man will sich nicht verschließen oder altbacken wirken, deswegen kann man es natürlich erst recht nicht den Spielern verbieten. Die werden zwar auch kontrolliert, aber vor allem sensibilisiert.

Denn es ist ein schmaler Grat für Özil und seine Mitspieler, auf der einen Seite interessant zu bleiben und auf der anderen Seite die Regeln nicht zu verletzen. „Es muss natürlich die Vertraulichkeit in der Gruppe gewahrt werden“, betont Teammanager Oliver Bierhoff. Man wolle die Spieler nicht einengen, ihnen aber zugleich Richtlinien vorgeben. Das funktioniert allerdings nicht immer: Als Andre Schürrle im vergangenen Jahr seine verletzungsbedingte Abreise vorab postete, war Bundestrainer Joachim Löw wenig erfreut.

Auch im Verein müssen die Worte mit Bedacht gewählt werden. Dortmunds Mats Hummels hatte im Februar die Schauspieleinlage des Gladbachers Igor de Camargo offen kritisiert „Man kann auch peinlich und beschämend in ein Pokal-Halbfinale einziehen“). Das Echo war so gewaltig, positiv wie negativ, dass der Nationalspieler seinen Eintrag kurzerhand wieder löschte. Was Facebook anrichten kann, zeigt ganz aktuell der Fall des Ex-Kölners Kevin Pezzoni, der von den eigenen „Fans“ im Internet bedroht wurde.

Was die Spieler im Einzelnen ihren treu folgenden Fans mitteilen, bleibt ihnen im Grunde zwar selbst überlassen. Geprüft und möglicherweise gelöscht wird trotzdem. Dass zumeist die Berater oder gleich eine PR-Agentur hinter den Einträgen stecken, tut der Interaktion mit den Anhängern keinen Abbruch. Mehr als 3.000 Sympathisanten grüßten Özil Mitte August zurück.

Unverständnis bei Löw

Der Bundestrainer kann die Art der Kommunikation nur wenig nachvollziehen. „Ich halte diese Form des Austausches eher für gefährlich. Es ist für mich ganz und gar unverständlich, wie Menschen ihr Privatleben, bis hin zu wirklich vertraulichen, ja intimen Dingen, so wahllos mit Tausenden oder gar Millionen Menschen teilen“, sagte Löw in einem Interview der Zeit.

In erster Linie beschäftigt sich sein Anwalt mit den neuen Medien. Der muss immer wieder Seiten sperren lassen, die unter Löws Namen betrieben wurden. „Dass jemand unter falschem Namen so was machen kann, ist schon bezeichnend für das ganze System“, sagte Löw. Dass das Löschen nicht immer funktioniert, zeigt die Tatsache, dass es weiterhin zahlreiche falsche Bundestrainer bei Facebook gibt. Einer davon postete zuletzt am 29. Juni, einen Tag nach einem gewissen 1:2 der Nationalmannschaft bei der EM in Polen und der Ukraine: „Schade Schade :( Leider haben wir es gegen Italien nicht geschafft.“

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