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Nach dem EM-Aus stellte sich Joachim Löw das erste Mal wieder einer Pressekonferenz und den erneuten Fragen nach dem Scheitern gegen Italien.

Frankfurt. Nach dem EM-Aus präsentiert sich die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Argentinien das erste Mal wieder. Das Scheitern gegen Italien im Halbfinale ist zwar für Trainer Joachim Löw abgehakt, dennoch zieht er seine Schlüsse und will an seine bisherige Arbeit anknüpfen.

„Diese Kritik ermüdet mich“

Nach dem Aus im Halbfinale gegen Italien musste sich Joachim Löw viel Kritik an der Mannschaft, aber vor allem auch an seiner eigenen Person gefallen lassen. Bei der Pressekonferenz am Montag nutzte der Bundestrainer jedoch die Gelegenheit, seine Meinung dazu zu äußern: „Die sportliche Kritik nach dem Spiel gegen Italien nehme ich mit aller Demut an. Wir alle waren stets bemüht zu sagen, was diese Mannschaft für eine gute Qualität hat. Wir waren alle stolz, dass diese Mannschaft extrem viel für die Integration in Deutschland tut. Teile dieser Kritik halte ich nicht für zielführend. Sie ermüden mich“, stellte er fest.

Und weiter: „Zum einen die Leitwolf-Diskussion. Mit dieser Mannschaft und diesen Führungsspielern haben wir enorme Fortschritte gemacht und fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Diese Spieler wie Schweini, Klose, Lahm haben das hervorragend gemacht. Viele Mannschaften mit klassischen Führungsspielern sind vor uns nach Hause gefahren. Bei uns in der Mannschaft gibt es keine flache Hierarchie. Wir haben Spieler, die ihre Meinung sagen. Sie haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, eine Mannschaft zu führen“, sagte Löw.

„Enorm viel für die Integration getan“

Besonders aber die Diskussion um die nicht gesungene Hymne mancher Akteure ärgert Löw enorm: „Es ist fatal, dass man ihnen unterschwellig den Vorwurf macht, sie seien keine guten Deutschen. Die Hymne zu singen, ist schön. Das ist aber noch lange kein Beleg für die Qualität einer Mannschaft und schon gar kein Beweis für die Unlust zu kämpfen. Unsere Spieler mit Migrationshintergrund haben für die Integration enorm viel getan. Sie identifizieren sich mit unserem Trikot, mit der Nationalmannschaft und mit Deutschland. Das haben Özil, Khedira und auch andere häufig genug bewiesen“, meinte der Bundestrainer.

Auch die Meinung einiger Medien, dass man die Mannschaft zu sehr verwöhnen würde, kann der Bundestrainer nicht teilen: „Wir erwarten Spitzenleistungen von unseren Spielern. Wir haben alle, auch beim DFB, andere Aufgaben, die genauso perfekt ausgeführt werden müssen. Auch die Spanier haben einen Koch und fahren nicht nur mit dem Bus. Unsere Spieler haben das immer wertgeschätzt und trotz allem alles gegeben. Davon konnten sie sich auch bei den Trainings überzeugen.“



„Ich hatte den nötigen Abstand und habe aufgetankt“

Für Löw ist nun aber vor allem der Zeitpunkt gekommen, um das Thema zu beenden und nach vorne zu schauen: „Ich hatte den nötigen Abstand, den man braucht. Habe aufgetankt und gehe natürlich mit großer Motivation mit dem Trainerteam und Oliver Bierhoff an die kommenden Aufgaben heran. Übergeordnet ist die WM-Qualifikation. Wir werden uns nach dem Länderspiel auch intensiv mit der Analyse der Europameisterschaft beschäftigen, um das voll umfassend und detailliert zusammen zu tragen“, so der 52-Jährige.

„Werden roten Faden beibehalten“

Und weiter: „Man wird auch an den Titeln gemessen. Gerade deswegen war die Niederlage gegen Italien besonders enttäuschend. Deshalb hatten wir die Verpflichtung, Fehler aufzuarbeiten. Wir müssen Lösungen für die Zukunft und die nächsten zwei Jahre finden. Die Vorbereitungszeit war zum Beispiel relativ kurz, mit den Bayern-Spielern waren wir nur zwei Wochen zusammen. Wir hatten nur eine komplette Woche mit dem gesamten Kader zur Vorbereitung. Einige Themen konnten wir gar nicht angehen, da hat uns die Zeit gefehlt. Gerade bei der Nationalmannschaft ist es von ganz großer Bedeutung, die Automatismen einzuspielen. Das ist etwas schwerer als für einen Klub, der mehr Zeit zur Verfügung hat“, sagte Löw.

Dennoch ist es dem Bundestrainer ein Anliegen, abschließend noch eins klar zu stellen: „Der Weg, den wir vor einigen Jahren eingeschlagen haben, stimmt. Wir haben 15 Spiele in Serie gewonnen, das war eine Weltbestleistung. Wir haben Spieler, die sich absolut mit unserer Mannschaft identifizieren. Die Fans mögen die Mannschaft und unseren Spielstil. Den roten Faden werden wir deshalb mit aller Flexibilität beibehalten“, so Löw.

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