Deutschland gegen die Niederlande: Das etwas andere Testspiel

Am Dienstag kommt es zum Klassiker - die Bezeichnung „Freundschaftsspiel“ ist hier eigentlich fehl am Platz. Aber nicht nur die Rivalität macht diese Partie hochinteressant.

Von Claas Philipp

Deutschland - Niederlande 1990; Jürgen Klinsmann, Rudi Völler & Frank Rijkaard
Bongarts
Hamburg. Test-Länderspiele haben hierzulande nicht den besten Ruf. Immer wieder wird über Sinn und Unsinn von jenen Freundschaftspartien diskutiert, vor allem die Vereins-Vertreter reagieren in der Regel gereizt, wenn ihre Spieler zu in ihren Augen unsinnigen Nationalmannschaftsreisen abgestellt werden müssen. Am Dienstag, wenn das DFB-Team in Hamburg die Niederlande empfängt, ist der Fall allerdings ein wenig anders gelagert.

DFB-TEAM: BILANZ GEGEN DIE NIEDERLANDE | wettbewerbsübergreifend
Spiele Siege Niederlagen
Unentschieden
Torverhältnis
 37
13 10 14 72:63

Müller beendet Hollands WM-Träume

Ähnlich wie die Duelle mit England haben auch die Begegnungen gegen das Oranje-Team immer einen ganz besonderen Reiz, die Bezeichnung „Freundschaftsspiel“ ist hier eigentlich fehl am Platz. Sportlich ist die Rivalität zwischen den beiden Nationen spätestens seit dem WM-Finale von 1974 riesig. Seinerzeit galt das niederländische Team als das Nonplusultra im Welt-Fußball - Johan Cruyff & Co. gingen in München als großer Favorit in das Endspiel und schon nach zwei Minuten durch einen Strafstoß in Führung - am Ende aber siegte ein wenig überraschend Deutschland. Nicht zuletzt dank eines von Bernd Hölzenbein herausgeholten und etwas schmeichelhaften Elfmeter, der zum Ausgleich führte - Gerd Müller schoss in seiner unnachahmlichen Art und Weise den Siegtreffer zum 2:1.

Revanche in Hamburg

In der Folge sannen die Niederländer 24 Jahre lang auf Rache - die bei der EM 1988 in Deutschland folgen sollte. Im Halbfinale standen sich beide Teams erneut gegenüber - bezeichnenderweise in Hamburg, wo man sich nun auch am Dienstag wieder treffen wird. Und wieder machten zwei Elfmeter den Anfang: Lothar Matthäus verwandelte in Minute 55 vom Punkt, Ronald Koeman tat es ihm eine Viertelstunde vor Schluss gleich.

Koemans Klopapier-Ersatz

Jürgen Kohler hatte zuvor im Strafraum Marco van Basten gefoult - und auch wenige Minuten vor dem Abpfiff stand das Duell zwischen den beiden Gegenspielern im Blickpunkt: Van Basten setzte sich gegen Kohler durch und netzte zum 2:1 ein - die Niederländer standen im Finale und wurden vier Tage später Europameister. Eine nette Anekdote zum Duell in Hamburg: Nach dem Abpfiff tauschten Olaf Thon und Ronald Koeman das Trikot - Letzterer wischte sich mit seinem neuen Kleidungsstück gleich mal den Hintern ab.

Rijkaards Spuck-Attacke

Zu einem erneuten legendären Aufeinandertreffen kam es 1990 bei der WM in Italien - diesmal hatten die Deutschen wieder das glücklichere Ende auf ihrer Seite. Und auch diesmal schrieb das Spiel seine eigene Geschichte: In der 22. Minute bespuckte Frank Rijkaard Rudi Völler - Schiedsrichter Loustau stellte sowohl Täter als auch Opfer mit Rot vom Platz. Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme schossen das DFB-Team im zweiten Durchgang mit zwei Toren in Führung, Koemans Anschlusstreffer per Elfmeter reichte den Niederländern nicht mehr.

Neue Erkenntnisse gewinnen

Aber es ist nicht nur die historische Rivalität, die dieses Duell zu einem ganz besonderen macht. Mit den Niederländern trifft die Elf von Jogi Löw auf einen Gegner von internationalem Format, nachdem in der makellosen EM-Qualifikation die Türkei und Belgien noch die hochkarätigsten Widersacher waren. Neben dem 3:2-Sieg gegen ein nach alter Stärke suchendes Brasilien im August und dem 1:1 gegen Italien im Februar wird die Partie somit ein echter Gradmesser vor der EM 2012 sein - auch wenn dieser nicht unter Wettbewerbsbedingungen stattfindet. Dennoch wird Löw zweifelsohne neue Erkenntnisse gewinnen - und auch für den geneigten Fußball-Fan dürfte es hochinteressant sein, wie sich die hochgelobte deutsche Elf gegen Wesley Sneijder & Co.  schlagen wird.

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Bernd Leno (Bayer Leverkusen)
 
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Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern)
 
1.72%
 
 
 
 
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