Joachim Löw: „Das hat mich sehr bewegt“

Es ist nun genau eine Woche, da wurde Robert Enke in Hannover vor mehr als 40.000 Zuschauern in der AWD-Arena bei einer bewegenden Trauerfeier verabschiedet. Mittlerweile rollte auch in der Bundesliga wieder der Ball. Aber es ist auch klar, dass es noch viele Wochen dauern wird, ehe der Weg zur Normalität gegangen ist. Auch für den deutschen Bundestrainer Joachim Löw wird es noch eine sehr schwere Zeit werden.

Bundestrainer Joachim Löw (Bongarts/Getty Images)
(dw) München. Gegenüber der Bild am Sonntag erklärte Joachim Löw: „Es war eine unglaublich schwierige Situation, die Trauer ging ganz tief rein. Und ich spüre, dass ich sehr viel Energie und Kraft gelassen habe. Das alles hat mir auch körperlich zugesetzt.“ Dabei war ihm vor allem auch der Teammanager Oliver Bierhoff eine große Stütze: „Ich habe den Spielern gesagt, dass sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen können. Am Sonntag Abend nach der Trauerfeier hat dann Oliver Bierhoff noch eine Rede an die Mannschaft, Trainer und Betreuer gehalten. Ich muss ehrlich sagen: Dafür hätte ich noch keine Kraft gehabt. Mit dem ersten Training ging es uns allen aber langsam besser.“ Das habe daran gelegen, dass man versucht habe, nach vorne zu schauen: „Da habe ich die Spieler auch aufgefordert, ruhig mal wieder zu lachen oder einen Spaß zu machen.“

„Das hat mich sehr bewegt“

Allerdings ging es dem Bundestrainer neben dem grünen Rasen nicht gut, die Situation habe ihn sehr mitgenommen: „Meine ganze Gefühlswelt war durcheinander. Ich habe schlecht geschlafen, bin nachts mehrmals aufgewacht. Und habe mich dann immer gefragt: Warum ist das bloß passiert? Die seelische Belastung war enorm, ganz klar.“ Schwierig sei für ihn auch der Weg zum Stadion am Mittwoch gewesen, als er mit der Delegation gegen die Elfenbeinküste antreten musste: „Ein sehr bedrückendes Gefühl. Auf der Fahrt ins Stadion habe ich gedacht: Normalerweise würde Robert jetzt hier im Bus sitzen, unter all den Spielern.“ Unmittelbar vor dem Anpfiff schaute Löw dann auf den Videowürfel: „Ja, da liefen viele Szenen aus Roberts Leben. Das hat mich sehr bewegt.“ Auch während des Spiels ging es ihm alles andere als gut.

„Viel mir schwer, mich zu konzentrieren“

So habe er Probleme gehabt, sich überhaupt mit dem Spiel zu beschäftigen: „Sind meine Gedanken immer wieder abgeschweift. Ich habe an Roberts Spiele für die Nationalmannschaft gedacht. Mir vorgestellt, dass er jetzt mit seinen Torwarthandschuhen klatscht und die anderen motiviert. Er war ja ein positiver, ein ehrgeiziger Torwart, der die anderen mitgezogen hat. Es fiel mir in vielen Momenten schwer, mich zu konzentrieren.“ Im Endeffekt war der Nationaltrainer dann aber auch froh, dass alle Spieler auflaufen wollten: „Ich habe mich lange mit Per Mertesacker unterhalten, der Robert sehr gut kannte. Aber auch Per wollte spielen. Und wenn jemand gekommen wäre und mich gebeten hätte, lieber draußen zu bleiben – ich hätte dem Wunsch entsprochen.“ Es wird wohl noch ganz viele Momente im Kreise der Nationalmannschaft geben, in denen dann eben doch das Schicksal von Robert Enke in den Köpfen den Sport verdrängt.

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