Löws Lehren nach Enkes Tod

Am heutigen Montagmittag stellte sich Joachim Löw zum ersten Mal den Fragen der Presse nach dem traurigen Versterben von Robert Enke. Obwohl der Verbandscoach bedacht war, den ersten Schritt in Richtung Normalität zu setzen, schwebte das Schicksal Robert Enke natürlich in den Köpfen aller Beteiligten

Bundestrainer Joachim Löw (Bongarts/Getty Images)
Vor Ort von der deutschen Nationalmannschaft
Berichtet François DUCHATEAU

Düsseldorf.
Obwohl die Pressekonferenz in der Mercedes Benz-Niederlassung in Düsseldorf unter dem Motto der baldigen Rückkehr zum Alltag stand,  wird „das Spiel am Mittwoch kein normales werden“, begann Pressesprecher Harald Stenger seine Ansprache gegenüber den Medien.

„Das Innehalten war wichtig, um einige Werte zu überprüfen.“

Daraufhin bedankte sich Joachim Löw bei allen Anwesenden für den „Beitrag zu einem würdigen Begräbnis“. Allen voran zeigte der Bundestrainer sich aber stolz über das Verhalten seiner Mannschaft, seitdem die Nachricht überbracht wurde, dass Robert Enke nicht mehr am Leben sei. „Alle haben festgestellt, dass es keinen Sinn macht, das Spiel in Köln zu absolvieren. Die Tage der Trauer wurden gebraucht. Das Innehalten war wichtig, um einige Werte zu überprüfen.“

Enke-Trikot auf der DFB-Bank

Die Mannschaft hat sich neben Trauerflor, Schweigeminute und Bilder von Enkes Karriere auf dem Videowürfel als Gedenkaktion überlegt, ein Trikot des verstorbenen Nationaltürhüters auf die Ersatzbank zu legen beim Spiel am Mittwoch gegen die Elfenbeinküste. „Robert Enke war nicht nur ein außergewöhnlich guter Torwart, sondern ein außergewöhnlich guter Mensch“, schmerzt Löw der traurige Verlust. Er beschrieb Enke als einen Charakter, der „Fairness und Teamgeist permanent vorgelebt hat“. Eigenschaften die der Bundestrainer bei seiner Nominierung stets mitbeachtet hat. „Denn das sind Dinge, die eine Mannschaft stark machen.“ Enke war jemand, der anderen half Fehler zu verzeihen, stets Hilfestellung leistete und Ruhe in die Gemeinschaft brachte.

Telefonat mit Enkes Vater: Niemand hätte diesen Ausgang vermeiden können

Löw erzählte außerdem von einem „längeren Telefonat“ mit dem Vater von Robert Enke, der seines Zeichens Psychotherapeut ist und ihn über die seelischen Zustände des Verstorbenen der letzten Jahre informierte. „Selbstverständlich fragt man sich als Trainer, wie man so etwas vermeiden kann.“ Doch Dirk Enke bekräftigte ihm gegnüber, dass niemand diesen Ausgang hätte vermeiden könnte, da niemand eine Chance hatte, Robert Enke von seiner Entscheidung abzubringen. Niemand könne sich einen Vorwurf machen.

„2004 wurden wir für unseren Sportpsychologen belächelt“

Beim vom Verbandspräsident Theo Zwanziger geforderten Tabubruch übergibt Löw die Verantwortung nach Frankfurt. „Das ist ein Thema, wo man sich beim DFB-Gedanken machen muss. Wenn jemand eine Krankheit hat, ist das seine eigene Privatsphäre, genau wie die Entscheidung, ob er diese kommuniziert. Wir müssen sensibel mit dem Thema und nicht vorschnell mit dem Thema umgehen.“ Nur wenige Clubs in der Bundesliga verfügen über einen Psychologen. „Das sollte jeder Club und jeder Trainerstab selbst entscheiden.“ Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff und er haben sich 2004 dazu entschieden, einen Sportpsychologen mit an Bord zu nehmen als Hilfestellung. „Wir sind damals belächelt worden“, lautet sein Seitenhieb.

„Dieser Konkurrenzkampf um Stammplätze ist wichtig und der wird verlangt. Da wird sich nichts ändern.“

Was Löw nach diesem Vorfall in seinem Umgang mit Spielern ändern wird? „Man soll in der Gemeinschaft aufeinander aufpassen und Verständnis zeigen“, wenn jemand Fehler macht oder Schwächen zeigt. Allerdings könne der Druck in der Nationalmannschaft kaum abgebaut werden, der Bundestrainer wolle dies auch gar nicht. „Klar arbeitet man in einem Leistungsbereich, wo absolute Spitzenleistung verlangt wird und darauf hingesteuert wird. Dieser Konkurrenzkampf um Stammplätze ist wichtig und der wird verlangt. Da wird sich nichts ändern. Probleme sollen aber angesprochen werden. Spieler können sich öffnen. „Darauf soll in Zukunft geachtet werden. Wenn jemand mal einen Fehler macht oder Probleme hat, erwartet er Verständnis - jeder hat die Möglichkeit sich zu äußern. Aber Löw betont, dass er Leistung will – „das ist der Beruf“.

Löws erste Pressekonferenz nach Enkes Tod im O-Ton



 
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