Löw - zwischen Kritik und Genialität

Nach dem Abpfiff konnte Joachim Löw erstmal richtig durchatmen. Seine Mannschaft hatte soeben Südafrika besiegt und sich dabei im Vergleich zu den letzten Spielen auch gesteigert. Der Bundestrainer nahm es wohlwollend hin, wenngleich er auch bemerken musste, dass es noch einige Planstellen im Team gibt. Nicht zuletzt auch muss er noch einige wichtige Entscheidungen treffen, die am Ende bei der Weltmeisterschaft – sofern sie denn dann erreicht wird – von großer Bedeutung sein könnten. Der kurzfristige Erfolg gegen den WM-Gastgeber macht Mut auf mehr, aber er offenbarte auch, dass es noch lange nicht rund läuft und das Team noch immer nach seiner Bestform suchen muss.

Özil gab gegen Norwegen sein Debüt im deutschen Nationaltrikot (firo)

Von Dennis WEINACHT

Leverkusen. Nein, so recht wussten nun alle nicht, was sie denn davon halten sollten. Da lag plötzlich auf einem Zettel vor den Journalisten in der BayArena zu Leverkusen die Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft gegen Südafrika. Im ersten Moment suchten alle diesen zweiten Stürmer in der Startelf. Da war Mario Gomez. Aber die anderen? Lukas Podolski? Auf der Bank. Miroslav Klose? Auf der Bank. Fragen um Fragen, aber Antworten gab es erst einmal nicht. Klar war offenbar nur, dass der Bundestrainer Joachim Löw nicht mit zwei etatmäßigen Stürmern auflief. Dafür fand sich der Name Marko Marin wieder. Und Mesut Özil. Kritisch blickten die meisten drein. Kopfschütteln unter einigen Vertretern der schreibenden Zunft. Was hatte sich der Bundestrainer denn nur dabei schon wieder gedacht?


Özil macht den Unterschied

Offenbar recht viel. Denn genau diese Aufstellung sorgte irgendwie für Belebung im Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Im Besonderen natürlich durch einen überragenden Mesut Özil, der sich am Ende zurecht das Lob von allen Seiten einfing. Erklärte doch Joachim Löw: „Wir hatten viele gute Ansätze und einen viel besseren Spielfluss als zuletzt. Wir hatten einige junge Spieler dabei, insbesondere Mesut hat viel Kreativität ins Spiel gebracht. Er hat das Auge für den besser postierten Mitspieler und großes Potenzial.“ Und auch Kapitän Michael Ballack adelte den jungen Mann von Werder Bremen: „Der Trainer wollte etwas verändern. Wir haben ein bisschen Abwechslung gebraucht, das hat ganz gut funktioniert. Mesut Özil hat hervorragend gespielt.“ Letztlich machte er in einer ansonsten eher mäßigen Begegnung oft den Unterschied aus. Oft sorgte er für die belebenden Elemente. Nicht selten war er zudem als eiserner Kämpfer in der Defensive der DFB-Kicker zu finden.

Im Tor keine neuen Erkenntnisse

Aber nicht nur auf Özil sollte an diesem Abend der Fokus der meisten Fans und Zuschauer liegen. Auch René Adler wurde bei seinem Heimspiel genau beobachtet und machte seine Sache sehr gut. In drei Aktionen war er sensationell zur Stelle. Einmal musste er auch retten, als sein eigener Verteidiger Arne Friedrich auf das Tor köpfte. Es war die einzige Chance im ersten Durchgang und dennoch war Adler hellwach. „Ich wollte hier jeden Moment aufsaugen“, sollte er nach dem Spiel erklären. Während der 90 Minuten saugte er zumindest jeden Ball, der sein Gehäuse anvisierte auf und spielte auch ansonsten sehr gut mit. Joachim Löw gibt das zu Denken. Hatte er sich doch mehr oder weniger auf Robert Enke als Nummer eins festgelegt, wackelt seine Entscheidung nun wieder. Ein Luxusproblem. Die Leidtragenden: Manuel Neuer und Tim Wiese, die nach diesem Länderspiel kaum noch eine realistische Chance auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 besitzen. Zu gut sind die beiden Favoriten derzeit in Form.

                          

Freude auf den Aserbaidschan

Das wird dann auch Robert Enke gegen den Aserbaidschan in der kommenden Woche wieder beweisen wollen. Zufrieden war man aber auch auf der anderen Seite. So freute sich der südafrikanische Nationaltrainer Joel Santana: „Es war ein sehr gutes Spiel. Die südafrikanische Mannschaft gegen eine Mannschaft, die zu den vier stärksten der Welt zu zählen ist. Die Begegnung hat uns das gebracht, was wir wollten: internationale Erfahrung. Wir haben uns weitestgehend auf Augenhöhe präsentiert.“ Meistens gab es in der Defensive nur Konfusion, wenn die DFB-Elf ihre seltsame Taktik undurchschaubar ausspielte. Offenbar ein Trumpf im Löw-Ärmel. Nach dem Spiel erhob sich dann ein Journalist von seinem Platz, streckte sich kurz, bewegte die Arme fast schon unkontrolliert als wolle er etwas abschütteln und sagte mit nüchterner Anerkennung: „Das war auch alles schon viel schlimmer.“ Auf dem Zettel wird zumindest in den kommenden Wochen nicht mehr der zweite Stürmer gesucht. Der erste Blick wird ab sofort nach einem Namen fahnden: Mesut Özil...                                                                                                                                                                   

Eure Meinung: Ist diese Taktik auch für die Zukunft und die Weltmeisterschaft tragbar?



 
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