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Spielbericht: Deutschland – Norwegen
Der Start der deutschen Nationalmannschaft in das Kalenderjahr 2009 ist deutlich missglückt. Mit 0:1 (0:0) gingen die Löw-Kicker in Düsseldorf baden. Harmlos, ideenlos, mutlos – Das waren die Adjektive, die die Leistung der Deutschen am besten beschrieben. Nach 73 Jahren gewinnt Norwegen also zum ersten Mal gegen eine DFB-Auswahl. Es ist der erste Erfolg seit 2007 überhaupt. Da konnte auch das Debüt von Mesut Özil nicht wirklich für Trost sorgen. Es gibt noch viel Arbeit auf dem Weg ins WM-Jahr 2010 für den deutschen Trainerstab.
Von Dennis WEINACHT
Düsseldorf. Es war die 78. Minute, als sich Mesut Özil endgültig für die deutsche Nationalmannschaft entschied. Damit ist sein Weg im internationalen Fußball ab sofort in den Händen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Dieser Verband muss nun aber auch deutliche Aufbauarbeit leisten. Denn das erste Spiel im neuen Jahr ging mächtig in die pech-schwarzen Hosen. Es war eine Niederlage gegen eine starke norwegische B-Mannschaft.
Norwegen gut aufgestellt
Und dennoch überzeugten die Norweger in den ersten Minuten durchaus. Gegen noch verhaltene Gastgeber standen sie in der Defensive gut gestaffelt. Nach vorne konnten sie aber wenig tun, dafür war das B-Team ohne viele Leistungsträger zu wenig eingespielt. Auch deshalb mussten die Fans bereits nach zehn Minuten eine schlimme Befürchtung angedeutet sehen: Norwegen würde im schlimmsten Fall nur in der Defensive anzutreffen sein, Deutschland mangels kreativer Ideen daran scheitern. Aber noch war genug Zeit, um diesen ersten Eindruck zu widerlegen. Zumal Mario Gomez nach einem Eckball das Gehäuse nur knapp verfehlte (10.). In Rücklage verzog er nur um wenige Zentimeter, nach toller Kopfball-Vorlage von Miroslav Klose.
Hinkel bemüht, Gomez „zu schnell“
Jedoch wurde die Partie dann doch überraschend flott. Beide Teams hatten nun gute Chancen, wobei Mario Gomez auf Seiten der DFB-Kicker alleine in den ersten 20 Minuten dreimal im Abseits stand. Jedes Mal ging es dabei eng zu. Hervorzuheben auch die Leistung von Andreas Hinkel, der die rechte Seite Anfangs toll bearbeitete. Nicht zu verachten aber auch, wie stark und mutig die Norweger mitunter aufspielten. In der 21. Minute hätten sie sogar nach einem Foul von Heiko Westermann an Daniel Braaten einen Strafstoß erhalten müssen. Dieser aber blieb ihnen verwehrt. Ebenso wie ein Treffer, was vor allem auch an Thorstein Helstad lag, der unter anderem freistehend mit einem Kopfball am in dieser Szene starken René Adler scheiterte (22.).
Insgesamt war das Abwehrverhalten der Mannen von Joachim Löw viel zu naiv. Gegen durchaus gefährliche Norweger fanden Mertesacker und Co. lange keine Mittel für eine solide Defensive. Zwischenzeitlich wäre sogar eine Führung für die Gäste nicht unmöglich und ebenso wenig unverdient gewesen. Die ersten 25 Minuten des Nationalmannschaftsjahres 2009 waren aus deutscher Sicht nicht zufriedenstellend.
Löw nicht überzeugt
Das blieb auch bis zur Pause weiterhin so. Beide Mannschaften hielten sich ungefähr die Waage, wobei die Adler-Träger in der Rückwärtsbewegung nicht überzeugten. Norwegen hatte es nicht sonderlich schwer, aus einer konsequenten Defensive heraus schnell und effizient umzuschalten. Von der DFB-Elf kam lange zu wenig. Die letzten Minuten der ersten Halbzeit hatten sie dann auch im Griff, ohne aber mit der zündenden Idee im Mittelfeld Torgefahr ausüben zu können. Von den Rückkehrern Torsten Frings und Michael Ballack musste nun auch mehr in den zweiten 45 Minuten kommen. Vor allem der Kapitän zeigte gute Ansätze, war ständig bemüht, Bindung zum Spiel zu entwickeln. Aber insgesamt fehlte es auch ihm an Konsequenz und Kreativität im Aufbauspiel.
Pfiffe gegen Ballack
Schwer zu verstehen aber, dass einige Anhänger den früheren Profi des FC Bayern Münchens mit Pfiffen begleiteten, als er in der 51. Minute einen Freistoß weit über das Tor zog. Die Bemühungen Ballacks wurden nicht honoriert. Löw hatte jedoch ebenfalls in der Pause einiges verändert. Andreas Beck, Serdar Tasci und Patrick Helmes kamen für Andreas Hinkel, Per Mertesacker und den enttäuschenden Miroslav Klose. Vor allem für Beck war das eine tolle Angelegenheit. Denn Norwegen war damit sein Debüt-Gegner in der Delegation Deutschlands!
Gomez vergibt
Durchaus erfreulich, dass mit den neuen Spielern auch etwas mehr Schwung in die Partie der Gastgeber kam. Angriffe wurden nun nicht mehr ganz so umständlich ausgespielt, sodass auch Mario Gomez wieder zu einer Chance kam. Aus der zweiten Reihe kam der Angreifer vom VfB Stuttgart zum Abschluss, den aber Keeper Rune Almenning Jarstein mit viel Klasse parierte (58.)! Norwegen schienen aber zur Mitte der zweiten Halbzeit die Kräfte allmählich zu schwinden. Das war die Möglichkeit, nun Kapital zu schlagen. Es waren die stärksten Minuten von Mario Gomez, der viel lief und sich immer wieder Positionen erarbeitete, aus denen er abschließen konnte – bisher ohne Erfolg.
Grindheim schockt DFB-Team
Erfolgreich waren dann aber die Norweger auf der Gegenseite. Unglaublich, wie dilettantisch die Abwehr aus Deutschland einen langen Einwurf verteidigte, oder eben auch nicht. Diese Situationen hatte es bereits mehrfach gegeben, nun führte sie zum Tor: Pedersen donnerte das Leder mehr schlecht denn recht in den Strafraum, wo Christian Grindheim von der deutschen Defensive am langen Pfosten vergessen wurde und das Leder in den Maschen versenken konnte (63.). Nun führte also der 59. der FIFA-Weltrangliste beim Vize-Europameister. Eine Sensation deutete sich an, zumal die DFB-Mannen derzeit nicht in der Lage waren, ein Tor zu erzielen.
Auch deshalb musste Löw nochmals reagieren. Der Rückkehrer Torsten Frings, der nicht gut aber in jedem Fall bemüht spielte, musste vom Feld für Marko Marin. Dieser sollte nun mit Dribblings für mehr Gefahr sorgen. Außerdem durfte Stefan Kießling nun sein Glück versuchen. Unter Pfiffen des kritischen und verständlicherweise enttäuschten Düsseldorfer Publikums verließ Mario Gomez für ihn den Rasen.
Norwegen mit Oberwasser, Özil mit Debüt
Aber auch danach änderte sich nicht viel. Deutschland fand gegen die guten Konter der Norweger keine Mittel. Nach vorne fehlten häufig die Ideen, mitunter aber auch das notwendige Glück. Aber: Unverständlich, dass die Gäste spielerisch in einigen Situationen das deutsche Team vorführten. Wenn die Angriffe konsequenter ausgespielt worden wäre, hätte es längst auch 2:0 stehen können. In der 78. Minute war es dann auch endlich soweit: Auf deutscher Seite kam Mesut Özil für Piotr Trochowski. Der gebürtige Türke entschied sich in diesen Sekunden endgültig und ohne Möglichkeit auf Revision für Deutschland. Viel Kritik hatte er dafür bereits im Vorfeld kassiert, nun sollte er mit seiner spielerischen Klasse endlich die kompakte Abwehr der Norweger knacken.
Erste Niederlage seit 1936
Aber auch ihm gelang das nicht. Er musste bei seinem Debüt direkt eine schmerzliche Niederlage hinnehmen. Die Qualitäten der Mannschaft konnten die Deutschen nicht unter Beweis stellen. Es war die erste Niederlage gegen Norwegen seit 1936, also seit stolzen 73 Jahren. Im ganzen Jahr 2008 hatte Norwegen kein Spiel gewinnen, nun gelang es direkt im ersten Anlauf 2009. Joachim Löw hingegen steht mit seiner Truppe vor einer sehr intensiven Aufbauarbeit. Denn auch die „Leistungsträger“ Michael Ballack und Torsten Frings konnten trotz starker Bemühungen nicht überzeugen. 2009 – Es kann eigentlich nur besser werden...
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