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Nach Pokaldebakel: Max Meyer spricht Klartext - "Dresden war ein Ausrutscher"

Der Jungspund des FC Schalke spricht im Exklusiv-Interview mit Goal über das Pokal-Aus bei Dynamo Dresden, sein Spiel und den kommenden Gegner Hannover 96.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Er trug Jeans und einen grauen Sweater. Er hatte gute Laune, war trotzdem deutlich. Max Meyer vom FC Schalke 04 ist ein besonderer Spieler. Er wirkt losgelöst vom Hype um sich und dem Druck auf Schalke, als würde alles an ihm abprallen.

So ist es natürlich nicht. Auch der 18-Jährige beschäftigt sich mit Tiefschlägen, wie am Montagabend, als die Königsblauen auf blamable Art und Weise aus dem DFB-Pokal flogen. Selbstverständlich sprachen wir nicht nur darüber, sondern auch über seine Zukunft und den Bundesligastart bei Hannover 96 (Samstag, 15.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Herr Meyer, der Saisonauftakt verlief mit der 1:2-Niederlage im Pokal schlecht. Haben Sie das Ausscheiden in der ersten Runde schon verdauen können?

Meyer: Mittlerweile geht es wieder besser, der Tag danach war etwas schlimmer. Jetzt müssen wir aber die Köpfe nach oben bekommen, denn die Bundesliga beginnt. Dort müssen wir besser starten als in der Vorsaison.

Ihr Mannschaftskollege Eric Maxim Choupo-Moting hat bereits gesagt, dass die Mannschaft nach der Niederlage viel zu bereden hatte. Wo liegen die Gründe für dieses peinliche Pokal-Aus?

Meyer: Der Gegner war schon stärker als es auf dem Papier aussah. Dresden wird mit der Mannschaft aufsteigen und zweite Liga spielen. Zudem war das natürlich ein Heimspiel, was unterbewusst noch mal einen Extra-Schub gibt. Die haben eine starke Mannschaft, ich kenne ja auch Trainer Stefan Böger. Ich wusste, dass er sie gut einstellen würde.

Trotzdem muss Schalke das Spiel gewinnen.

Meyer: Das ist richtig. Aus den genannten Gründen war mir aber klar, dass das ein Gegner ist, der sehr schwer zu spielen ist. Außerdem sind sie bereits in der Saison und wissen, wo sie stehen. Wir waren das noch nicht, das ist auch ein Vorteil. Sie haben vorher drei Siege und ein Unentschieden geholt, wurden von der Euphorie getragen.

Hat die Mannschaft Dresden vielleicht unterschätzt?

Meyer: Unterschätzt würde ich nicht sagen. Aber vielleicht hatte man doch irgendwo im Unterbewusstsein, dass es auch etwas einfacher geht. Das reicht allerdings nicht, auch nicht im DFB-Pokal - und schon gar nicht gegen Dresden.

Was kann man Positives aus dem Spiel mitnehmen, vielleicht, dass es eine Art Warnung für die kommenden Ligaspiele war?

Meyer: Natürlich. Jetzt sollte jeder wach sein und sich voll auf die Bundesliga konzentrieren! Wir sind schließlich nur noch in zwei Wettbewerben. Es geht darum, jetzt Vollgas zu geben, so viele Punkte wie möglich zu holen und an der starken Rückrunde anzuknüpfen. In der Champions League wollen wir in der Gruppenphase wieder unter die ersten zwei.

"Jedes Bundesliga-Spiel ist schwer. Wir haben natürlich Respekt, aber keine Angst vor Hannover. Wir wollen da auswärts unbedingt die Punkte holen!"

Max Meyer

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer eigenen Leistung vom Montagabend? Sie wirkten sehr glücklos.

Meyer: Da gebe ich Ihnen Recht. Ich war nicht wirklich drin in diesem Spiel. Es lag aber auch daran, dass ich nicht so viele Bälle bekommen habe, wie es ja sonst der Fall ist. Wir haben generell einfach nicht gut Fußball gespielt und viele lange Bälle geschlagen. Da ist es für mich selbstverständlich schwierig, da ich ja ein recht kleiner Spieler bin. Mein Spiel lebt von vielen Ballkontakten, in Dresden hatte ich leider nicht viele.

Trainer Jens Keller hat sogar Konsequenzen angedroht. Wurde es nach der Niederlage laut in der Kabine?

Meyer: Es gehört dazu, dass, wenn es nicht gut läuft, auch mal auf den Tisch gehauen wird. Und gewisse Dinge klar angesprochen werden. Wir hatten eine Analyse, kennen die Fehler. Am Wochenende wollen und werden wir es besser machen. Die Mannschaft wird in Hannover ein anderes Gesicht zeigen.

Was macht Sie da so optimistisch?

Meyer: Die Qualität, die in uns steckt. Dresden war ein Ausrutscher, auch wenn wir uns den nicht erlauben durften. Wir werden jetzt hellwach sein und in Hannover anders auftreten.

Was muss Schalke konkret besser machen?

Meyer: Wir müssen in erster Linie kompakter und besser stehen. Das ist wichtig. In der Rückrunde haben wir fast zehn Spiele kein Gegentor bekommen, und wer keinen hinten rein lässt, verliert zumindest nicht. Vorne machen wir eigentlich immer ein Tor, so haben wir unsere Partien gewonnen. Zudem hat es uns in der Rückrunde stark gemacht, dass wir unseren Fußball gespielt haben. Daran müssen wir anknüpfen.

Wie schätzen Sie Hannover 96 ein?

Meyer: Ich denke, dass die Mannschaft erstmal abwarten wird und nicht gleich drauf losstürmt. Sie spielen auf Konter, wie sie es eigentlich sehr oft machen. Darauf sollten wir uns einstellen. Wenn wir mal den Ball verlieren, dürfen wir nicht so offen stehen, dass der Gegner direkt eine große Torchance hat. Da müssen wir aufpassen, weil Hannover das gnadenlos auszunutzen weiß. Ich hoffe, dass wir das nicht zulassen.

Das Spiel am kommenden Samstag ist der Anfang eines schweren Auftaktprogramms. Danach empfangen Sie den FC Bayern.

Meyer: Jedes Bundesliga-Spiel ist schwer. Wir haben natürlich Respekt, aber keine Angst vor Hannover. Wir wollen da auswärts unbedingt die Punkte holen. Wenn wir einen guten Start erwischen, ist auch gegen den FC Bayern etwas drin. Sie hatten viele WM-Spieler, die später eingestiegen sind - eine richtige Vorbereitung hatten sie ja nicht wirklich. Wenn wir in Hannover gewinnen, sieht es hier auch wieder anders aus.

Kommen wir zu Ihnen. Sie sind noch sehr jung, 18 Jahre alt. Wie gehen Sie mit dem Hype und der großen Aufmerksamkeit um? Hält Sie Ihr Umfeld auf dem Boden?

Meyer: Ich denke schon, dass ich jetzt wieder auf dem Boden bin nach dem Spiel vom Montag. (lacht) Es ist nicht so, dass ich jetzt hier durch den Raum schwebe. Abheben werde ich ganz sicher nicht. Auch nicht nach der letzten Saison, wo wir viele Spiele gewonnen haben und ich viele Einsätze hatte, dazu mein erstes A-Länderspiel gemacht habe. Ich bin und bleibe derselbe Max.

Trotzdem genießen Sie die Aufmerksamkeit europäischer Spitzenvereine. Der FC Arsenal und der FC Chelsea haben Sie im Blick. Wie gehen Sie mit solchen Avancen um?

Meyer: Das interessiert mich nicht, ich schalte das total aus. Wenn ich spiele, denke ich nicht an so etwas. Natürlich freut einen das auf gewisse Art und Weise, weil man dann weiß, dass man gute Leistungen gebracht hat. Aber ich mache mir keinen Kopf darüber. Mir ist das egal, weil ich mich auf Schalke sehr wohl fühle. Es gibt momentan sowieso keinen Grund, den Verein zu verlassen. Von daher blende ich das aus.

Würde Sie denn generell mal das Ausland reizen?

Meyer: Im Moment nicht. Ich fühle mich bei Schalke und in Deutschland pudelwohl. Hier habe ich mein Umfeld, meine Familie und meine Freunde. Zudem spiele ich bei einem super Verein. Hier habe ich die Chance bekommen, Bundesliga zu spielen - deswegen genieße ich es hier. Es gibt keine Wechselgedanken bei mir. Ich mache mir keine Gedanken, was in zwei, drei Jahren ist. Ich lebe im Hier und Jetzt.

Herr Meyer, vielen Dank für das Gespräch.

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