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Die Roten Bullen ziehen weiter – "Verspüren keinen Neid", sagt Breitenreiter

Das zweite Mal hat RB Leipzig die erste Runde des DFB-Pokals überstanden. Paderborn wurde nach Hause geschickt und das Projekt RB schreitet wieder ein Stück voran.

Aus Leipzig berichtet Fabian Biastoch

Es war ein Pokalfight über 120 Minuten ohne echten Dominator. Wenn der SC Paderborn vor dem Spiel als Favorit galt, dann haben sie es gegen RB Leipzig nicht beweisen können. Stattdessen kegelte der frische und ambitionierte Zweitligist die Ostwestfalen aus dem DFB-Pokal.

Ambitioniert. Dieses Wort hört man oft, wenn über RB Leipzig gesprochen wird. Sie wollen schnellstmöglich in die Bundesliga, ja selbst das "M-Wort" hat Gönner Dietrich Mateschitz bereit in den Mund genommen. Davon waren die Roten Bullen doch ein weites Stück entfernt, als am Sonntagabend vor einem ordentlich gefüllten Stadion – immerhin sind Ferien und es kamen doch noch etwas mehr als 24.000 Fans – Paderborn mit einer 1:2-Niederlage wieder gen Heimat geschickt wurde.

Das zweite Mal die erste Hauptrunde überstanden, aber keineswegs für ein Wunder oder eine Sensation gesorgt. Beide Teams hätten sich "nichts geschenkt", stellte SC-Trainer Andre Breitenreiter später fest. Die Opponenten hätten sich "neutralisiert", stimmte ihm sein Gegenüber Alexander Zorniger zu.

Gegen den höherklassigen Gegner spielten die Leipziger nicht mehr so frisch, nicht mehr so offensiv, wie sie es noch wenige Tage zuvor in München bei 1860 taten. Da gab es immerhin ein deutliches 3:0 gegen einen ebenso ambitionierten Gegner aus der 2. Bundesliga.

Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, hat Red Bull einen Plan. Keine großen Namen, sondern junge und hungrige Spieler kaufen, sie weiterentwickeln. Mit frischem, lebendigen und die Massen begeisternden Offensivfußball beeindrucken, das ist das Rezept von Ralf Rangnick und seinen Mannen. So hat er schon Hoffenheim als Trainer in die Belletage des deutschen Fußballs geführt, so will er es nun als Sportdirektor in Leizpig wiederholen.

"Nicht so wie die Bayern"

"Wir machen es ja nicht wie die Bayern", stellte er schon vor Saisonstart fest, "und kaufen die Konkurrenz leer." Stimmt. Sowohl zu Drittligazeiten als auch in der Vorbereitung zu dieser Spielzeit kamen die Neuen allesamt von außerhalb – aus den Jugendbereichen anderer Klubs oder aus dem Ausland.

Dennoch müssen sie sich immer wieder lautstarke und vor allem einseitige Kritik anhören. Sie zerstören den Fußball und dessen Tradition, der Verein sei nur ein Marketinginstrument, das Financial Fair Play könnten sie niemals einhalten. Letztere Gründe haben stichhaltige Beweise, immerhin sprach Mateschitz während des Lizenzärgers im Frühsommer ebenso schnell von Abschied und die Verkäufe von Spielern decken nicht die Einkäufe.

Aber es gibt auch viel Lob zu hören. Stefan Kutschke – selbst drei Jahre in Leipzig aktiv – kehrte mit Paderborn am Sonntag an seine alte Wirkungsstätte zurück. "Natürlich kann man gegen RB sein", erklärte er im exklusiven Gespräch mit Goal, "aber viele andere Vereine hätten das doch auch gemacht."

"Toll, was hier passiert"

"Dem Fußball in Ostdeutschland tut das Engagement nur gut", lobte er seinen alten Arbeitgeber weiter. Auch sein Trainer Andre Breitenreiter fand keine bösen Worten, wenn er auch nach der Niederlage nicht gerade strahlte: "Von unserer Seite aus, vom SC Paderborn, gibt es keinen Neid. Es ist toll, was hier passiert."

Mit dem Einzug in die zweite Pokalrunde hat RB gezeigt, dass sie auch in der Aufstiegssaison ambitioniert sind. Nicht immer kann man schön spielen, wichtiger sind die Siege. "Die breite Brust der Jungs wird jetzt nicht schmaler werden", wusste auch Zorniger nach dem Spiel. Die Fans wussten nach dem Spiel nur nicht, ob sie lieber einen Kracher oder einen schlagbaren Gegner haben wollen. "Wir brauchen Magdeburg", sagte ein junger Anhänger und sein Vater pflichtete ihm bei: "Ja, das wäre gut. Aber nur nicht Dynamo."

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